Um es mit den Worten einer mehr oder weniger legendären, deutschen Hip-Hop-Crew zu sagen: „Es könnt‘ alles so einfach sein – isses aber nicht.“ Sorry not sorry für den Ohrwurm, aber das ist offenbar der Soundtrack für das, was aktuell mit Googles Spieleplattform Stadia passiert.

Nur gut eine Woche ist es her, dass wir über die traurige Tatsache berichten mussten, dass Google seine hauseigenen Entwicklerstudios für Stadia dichtmacht. Medien, Fans und Kritiker haben das überwiegend als Schlag ins Gesicht verstanden: Denn wenn selbst die Macher der Plattform nicht in Spiele für ebenjene investieren, warum sollte es irgendwer anders tun?

Google trifft eine schwerwiegende Entscheidung bezüglich Stadia

Schluss mit lustig: Kein Terraria für Stadia

Ein Entwickler, der bislang eigentlich noch vorhatte, seinen Titel für Google Stadia zu veröffentlichen, hat sich nun allem Anschein nach dagegen entschieden. Doch nicht wegen der genannten Entscheidung, nach der die Abteilung „Stadia Games & Entertainment“ keine Zukunft mehr hat, sondern aus eher persönlichen Gründen.

Andrew Spinks, Hauptentwickler von Terraria, wurde aus seinem Google-Account gesperrt. Wie er auf Twitter schreibt, ist das jetzt schon seit mehr als drei Wochen so. Er weiß nicht, warum und behauptet, „jede verfügbar Ressource genutzt zu haben, um dieses Problem zu lösen“ – aber nichts sei passiert.

Terraria-Entwickler verliert Zugang zu Apps, Cloud, YouTube und Gmail

Damit habe er Zugang zu Apps im Wert von Tausenden Dollars verloren. Besonders ärgerlich offenbar, dass es sogar Erwähnung in diesem Tweet findet: Er hat „Der Herr der Ringe“ in 4K angefangen und kann es jetzt nicht zuendeschauen, abgesehen davon, dass er weder auf seinen Google-Drive-Speicher noch seinen YouTube-Account noch seine Googlemail-Adresse, die er mehr als 15 Jahre lang benutzt hat, zugreifen kann.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was das für ein Gefühl sein muss, quasi seiner digitalen Identität beraubt worden zu sein, obwohl es nicht einmal ein böswilliger Angriff, sondern vermutlich einfach technisches Versagen ist. Da ich digitale Inhalte wenig bis gar nicht über Google beziehe, wäre es für mich kein großartiger wirtschaftlicher Verlust – aber mein Gmail-Konto ist mit Dutzenden, wenn nicht Hunderten Accounts verknüpft. Das wäre schon massiv schmerzhaft oder sogar gefährlich. (Dafür habe ich „Herr der Ringe“ mindestens zehnmal gesehen.)

Spinks kann nicht nachvollziehen, warum das passiert ist und gibt an, in keinem Fall gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen zu haben. In der Konsequenz werde die Entwicklung der Stadia-Version von Terraria durch sein Studio Re-Logic eingestellt. Seine Firma wolle künftig keine Google-Plattform unterstützen.

Warum müssen jetzt Terraria-Fans leiden?

So sehr man die emotionale Ebene verstehen mag: Auf Twitter schlägt ihm dafür nicht nur Verständnis entgegen. Viele kritisieren ihn sogar eher dafür, dass er letztlich seine Fans unter der persönlichen Fehde leiden lässt.

Eine andere Folge ist, dass sich Google-nahe Menschen auf den Rant melden und ihre Hilfe anbieten, der ganzen Sache intern nachzugehen. Zum Beispiel Wojtek Kaliciński, ein langjähriger Android Developer Advocate, oder Julien Chappuis, ein Technical Program Manager bei Google.

Liebes Google: Keine Extrawürste für Promis

Doch auch das stößt wiederum auf Kritik. Ein Nutzer fordert verständlicherweise, dass sich Google lieber damit beschäftigen sollte, das eigentliche System zu reparieren, damit sich „Normalsterbliche“ nicht in einer solchen Situation wiederfinden, anstatt Prominenten eine Extrawurst zu servieren.

Terraria für Android: Mehr als eine Million Mal verkauft

Terraria ist eine Art 2D-Minecraft (auch wenn die Entwickler das sicherlich nicht gerne hören) und wurde 2011 erstmals für den PC veröffentlicht. Seitdem folgte so gut wie jede Plattform, die es so gibt, auch im Play Store findet sich seit 2013 ein vollwertiger Ableger.

Der ist auch weiterhin verfügbar (wird aber augenscheinlich nicht von Re-Logic selbst publiziert). Mehr als eine Million Mal wurde Terraria im Play Store verkauft und darunter sind auch sicherlich einige Fans, die sich über einen Release auf Google Stadia gefreut hätten.

Preis: 5,49 €

Fazit: Es ist kompliziert

Ich persönlich bin in der Geschichte hin- und hergerissen. Einerseits kann ich den Wut und Frust nachvollziehen, wenn Google in so einem Fall auf Durchzug stellt. Drei Wochen scheinen mir außerdem ein fairer Zeitraum, dann damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Andererseits ist es eben nicht die Schuld der Fans, die jetzt womöglich ihr Lieblingsspiel nicht auf Stadia zocken können, nur weil sich Spinks auf die Füße getreten fühlt. Was sagt ihr: Ist die Reaktion gerechtfertigt oder überzogen?

(danke Stardenver aus unserer Telegram-Gruppe für den Tipp!)

 

Jonathan Kemper

Studiert Technikjournalismus, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.

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