HTC U Play Testbericht: Wird seinem Preis nicht gerecht

HTC hat uns in den letzten Wochen das U Play zur Verfügung gestellt, wir konnten das Gerät ausprobieren und haben es natürlich daher ein wenig getestet. Wobei ich von Vornherein sagen muss, dass ich ein noch nicht finales Gerät hier hatte. Die Verarbeitung entsprach also nicht ganz den Geräten, die ihr im Handel kaufen könnt und deshalb werde ich diesen Punkt teilweise überspringen müssen.

Ein anderer Punkt, warum unser Test des U Play vielleicht etwas „kleiner ausfällt“, ist die installierte Android-Version. Erhalten habe ich mein Testgerät im März, den Test schreibe ich über einen Monat später. Und was ist immer noch nicht da? Ein System-Update auf das aktuelle Android 7 Nougat. Auf das sollten potenzielle Käufer des U Play ohnehin nicht warten müssen, denn das Smartphone hätte meines Erachtens schon gar nicht mehr mit Android 6 Marshmallow in den Handel kommen dürfen.

Im Februar landete das HTC U Play für einen Preis von 449 Euro im Handel, Android 7 Nougat war zu diesem Zeitpunkt bereits über fünf Monate verfügbar. Ein Mittelklasse-Smartphone für über 400 Euro hat es heutzutage schon nicht mehr leicht, mit alter Android-Version noch viel weniger. Ich hatte also meinen Fokus in den vergangenen Wochen mehr auf andere Geräte gelegt, das HTC U Play selten als Daily Driver und daher quasi nur als Zweitgerät genutzt.

Solides Paket im Liquid-Design

HTC hat mit der U-Serie einen neuen Look eingeführt, man ist zum Teil weg vom Metallgehäuse der vergangenen Jahre. Nur noch der Rahmen ist aus Metall, die Rückseite jetzt aus Glas mit einem ganz besonderen Look. Auf der eigenen Webseite beschreibt man das angewandte Herstellungsverfahren, „damit die wundervoll flüssig anmutende Oberfläche, das Beste von Dir widerspiegelt.“ Optisch soll es zudem wie die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten aussehen, zeitgleich je nach Lichteinfall immer etwas anders anmuten.

Nun aber genug Marketing. HTC verbaut eine stark glänzende Glasoberfläche, die gut in der Hand liegt und Fingerabdrücke magisch anzieht. Für ein dunkles Modell sollte man sich daher nicht entscheiden, hellere Farben lassen Fingerabdrücke weniger zur Geltung kommen. Irgendwie bin ich zweigeteilt, ich mag den Look und gleichzeitig irgendwie doch nicht. Schwer zu erklären. Leider ist auch dieses Glas empfänglich für Kratzer, mein Testgerät hat schon einige Hände gesehen und daher viele kleine, allerdings kaum sichtbare Kratzer.

Der kaum spürbare Rahmen des U Play ist aus Metall, die Frontseite quasi komplett aus Glas. Vorn ist das U Play schlicht, auch bei allen anderen Farben komplett in Schwarz gehalten. Beim verbauten Glas handelt es sich um 2.5D Glas, das zu allen Seiten leicht abgerundet ist und für einen weichen Übergang sorgt. Insgesamt bietet das Gerät eine solide Verarbeitung, die Tasten lassen sich gut drücken, nichts knarzt oder hat anderweitige Macken.

Dicke Displayränder und kein BoomSound

5,2″ misst das verbaute Full HD Display in der Diagonale, daher liegt das Geräte eigentlich „locker im Rahmen“. Wäre da eben nicht der Rahmen, genauer gesagt der Rand rundum das Display. Oben wie unten, rechts wie links davon fällt der Displayrand leider recht dick aus. Damit ist das U Play sogar nochmals dicker als das Huawei P10 lite, sieht durch die auch links und rechts vom Display fetten Ränder alles andere als zeitgemäß aus.

Das Display selbst kann auch nur bedingt Punkte einfahren, obwohl es bei den meisten Faktoren gut abschneidet. Etwas heller könnte es aber sein, da liegt es meines Erachtens hinter der Konkurrenz. Deutlich zu sehen ist eine komplett andere Farbdarstellung. Farben, Grautöne – alles optisch etwas anders. Derartige Unterschiede gibt es sonst eigentlich nur beim Vergleich LCD vs AMOLED.

Wenn ich mir jetzt einfach ein komplett weißes Bild anschaue, würde ich die unterschiedliche Farbdarstellung auf einen Gelbstich zurückführen. Mit der Kamera eingefangen, kommt dieser sogar sehr deutlich rüber. Ganz so krass sieht es vor dem eigenen Auge dann übrigens doch nicht aus. Ein deutlicher Unterschied ist aber erkennbar. Und nein, das Display ist nicht besonders warm eingestellt, ich habe es zum Test in den Einstellungen sogar etwas kälter regelt. Ohne Erfolg.

Ohne Erfolg blieb auch die Hoffnung auf guten Sound. Denn der beliebte BoomSound, inklusive zweier Lautsprecher, ist nicht vorhanden. Stattdessen kommt der Mono-Lautsprecher an seiner üblichen Position zum Einsatz. Junge, Junge. Blechdose pur. Musik sollte man darüber nicht hören bzw. hört man freiwillig damit ganz schnell wieder auf. Ärgerlich, eben weil es HTC eigentlich viel besser kann.

Vernünftige Kamera

Kann wenigstens die Kamera etwas retten? Ja, durchaus. Natürlich ist auch hier nur eine Schnappschuss-Kamera verbaut, die an guten Tagen aber auch wirklich gute Fotos macht. Allerdings fällt mir hin und wieder auf, dass die Kamera weniger künstliche Beleuchtung produziert, damit Farben etwas realer wiedergibt und ganz besonders in den Details schärfer als etwa ein P10 lite ist.

Ist aber nicht immer so, es gibt je nach Motiv immer mal wieder Unterschiede. Fotografiert man gegen das Licht, werden dunkle Bereiche des Fotos meist viel zu dunkel wiedergegeben. Selbst mit Hilfslicht wirken einige Fotos manchmal einfach viel zu dunkeln. Hier kann man zwar manuell in der Kamera-App nachjustieren, doch das verfälscht natürlich zusätzlich.

Glänzen wollte HTC ohnehin mit der Frontkamera, die sich mit zusätzlichem UltraPixel Modus allerdings nur marginal vom Sensor der Rückseite unterscheidet. Gleiche Auflösung, gleiche Blende und fast gleiche Brennweite (28 mm zu 26,5 mm) finden wir auf dem Datenblatt, dafür hat die Frontkamera keinen Autofokus und keine optische Bildstabilisierung.

>>> ein paar Beispielaufnahmen im Google Fotos-Album

Gute Software, Gaming nur bedingt möglich

Ich hätte das P10 lite und U Play auf eine Stufe gestellt, doch bei der Performance trennen sich die Wege deutlich. Ist im Alltag alles recht ähnlich, nämlich in der Regel flüssig und nur mit kleinen Rucklern zwischendurch, kann beim Gaming der verbaute Helio P10 des U Play nicht sonderlich viel bieten. Was für eine Ironie, das Smartphone heißt Play und eignet sich dafür nur bedingt.

Mein Lieblingskandidat ist weiterhin Asphalt 8, denn das Spiel sieht halbwegs gut aus und braucht auch etwas Power. Die das U Play nicht bietet bzw. bieten darf, Asphalt 8 ruckelt leider durchgängig und nicht wie beim P10 lite, nur hin und wieder. Es scheint aber weniger die Systemleistung zu sein, als viel mehr eine nicht gut abgestimmte Software. Real Racing 3 läuft nämlich deutlich flüssiger, hier stottert aber der Sound und gibt hörbare Fehler aus.

Am Ende bleibt hier also ein durchwachsenes Fazit. Gaming ist natürlich möglich, man sollte sich aber offensichtlich auf weniger grafiklastige Spiele konzentrieren oder mal den Entwicklern bei MediaTek/HTC eine kleine Spende schicken. Bei der Nutzung von ganz normalen Apps gibt es allerdings nicht viel zu meckern, Ruckler und Gedenksekunden gibt es nur selten. Hier ähneln sich viele Mittelklasse-Smartphones, da hebt sich kaum eines vom anderen ab.

Fast Stock-Android, dafür veraltet

Positiv ist die Software. Zumindest dann, wenn man die veraltete Android-Version außer Acht lässt. Ansonsten lässt HTC das installierte Android weitestgehend unberührt, nur wenige Funktionen werden integriert und nur wenige zusätzliche Apps vorinstalliert. Es gibt einen Nachtmodus, eine integrierte Theme-Engine, ein paar Gesten zur alternativen Steuerung des Gerätes und noch ein paar Zusätze mehr.

Mit am Start ist übrigens der neue Sense Companion. Diese App soll aufgrund unserer Daten merken und helfen, wann wir etwas Bestimmtes gebrauchen könnten. Wie zum Beispiel Infos zum Wetter, interessante Orte im näheren Umfeld oder die Systemoptimierung mittels vorinstallierte Boost+ App. Alles überflüssig bzw. schon mit anderen vorinstallierten Diensten nutzbar, der Companion ist daher kein wirklicher Kaufgrund.

Sonstiges

  • Der an der Vorderseite verbaute Fingerabdrucksensor leistet nur selten gute Arbeit, erkennt meine Finger oftmals nicht sofort oder nur bei starkem Druck auf den Sensor.
  • Ein Qualcomm-SoC wäre wohl besser gewesen, bei dem Preis sogar schon fast Pflicht. Auch weil in der Regel der Support durch Custom-ROMs in den späteren Jahren deutlich besser ist.
  • Es gibt keine 3,5 mm Klinke, dafür kann der Datenspeicher mit 32 GB durchaus überzeugen und via microSD erweitert werden.
  • Android 7 Nougat ist zum Abschluss des Testberichtes (Mai 2017) noch immer nicht verfügbar.
  • HTC verbaut einen 2500 mAh Akku, der geradeso durch den Tag kommt. Bei viel Nutzung wird selbst das knapp.

Fazit

Im Alltag ist das HTC U Play ein nur teilweise überzeugendes Android-Smartphone, enttäuscht vor allem durch fehlenden BoomSound, durchwachsene Gaming-Performance und veralteter Android-Version dann irgendwie doch zu sehr. Eigentlich könnte man über diese Punkte hinwegsehen, wäre da nicht der ursprünglich angesetzte Preis von 450 Euro. Die ernst zu nehmende Konkurrenz kostet 100 Euro weniger, alternativ bekommt man zum besagten Preis ein OnePlus 3T mit High-End-Hardware.

Mir tut es schon aus persönlichen Gründen für HTC leid, doch das U Play schrammt an einer Kaufempfehlung vorbei. Zwar hat sich der Preis etwas inzwischen nach unten bewegt, doch das tut er auch bei der Konkurrenz. Insgesamt wirkt das U Play halbherzig umgesetzt und deshalb wird es dem Preis nicht gerecht.

  • Dirk Elliger

    Oh man. Eig schon traurig was aus HTC geworden ist. Ich glaube die müssten ihre Führung mal komplett austauschen, für mich läuft da ne menge verkehrt, nicht nur in Hinsicht auf die Geräte an sich.

  • h.k

    Also schön ist es – aber der Preis/Akku…