Schlagzeilen über Hersteller aus China, die auf dubiose Weise Geld mit ihren Nutzern verdienen, gibt es leider nicht selten. Jetzt trifft es einen großen.

Längst gibt es nicht mehr diese strikte Trennung zwischen den „China-Herstellern“ und den Smartphone-Marken, die hier im Einzelhandel erhältlich sind. Das liegt einerseits daran, dass sowieso die meisten aller Smartphones aus China kommen, andererseits viele unbekanntere Hersteller aber auch auf dem einen oder anderen Weg hierzulande problemlos zu bekommen sind.

Mit Gionee wurde nun ein Übeltäter überführt, der vor dem chinesischen Gericht für schuldig erklärt wurde, auf mehr als 20 Millionen Smartphones ein Trojanisches Pferd installiert zu haben. Genauer trifft es das Tochterunternehmen Shenzhen Zhipu Technology, an dem Gionee 85 Prozent der Anteile hält.

Gionee wurde 2002 in Shenzhen gegründet und war laut Wikipedia damals einer der größten Mobiltelefonhersteller der Volksrepublik.

Mehr als 3,5 Millionen Euro umgesetzt

Zwischen Dezember 2018 und Oktober 2019 wurde durch ein Software-Update der App „Story Lock Screen“ bösartiger Software-Inhalt an rund 21,75 Millionen Smartphones verteilt. Das Update erfolgte offenbar ohne Wissen der Nutzer. Dafür wurde wohl auch die „Dark Horse Platform“ benutzt, die die sogenannte „Pull“-Methode effizienter machte. Mehr als 3,5 Millionen Euro sollen auf diesem Wege umgesetzt worden sein.

Vier Personen sollen im Zuge dessen zu drei bis dreieinhalb Jahren Gefängnis und einer Strafe von umgerechnet je 25 Tausend Euro verurteilt worden sein: Der Chef des Unternehmens, Xu Li, sowie Zhu Ying, Jia Zhengqiang und Pan Qi.

Von diesem Hersteller haben die wenigsten gehört, doch er verkauft Millionen Smartphones

Trojaner in China-Phones: Leider keine Ausnahme

Das Vorgehen sei zwar jetzt auf dem Papier ziemlich schockierend, aber beileibe keine Ausnahme. Transsion, ebenfalls ein chinesischer Big Player, über den wir erst letztens geschrieben haben und vor allem in Entwicklungsmärkten wie Indien und Afrika präsent, wurde wegen ähnlicher Machenschaften beschuldigt.

(via)

 

 

Jonathan Kemper

Studiert Technikjournalismus, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.