Volvo EX30 Testfahrt: Hat dieses Elektroauto bislang gefehlt?

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Volvo hat nach Hamburg geladen, wir durften den neuen EX30 zum Test an der Alster und durch den Elbtunnel ausfahren. Für den Hersteller ist es ein sehr wichtiges Modell. Mit dem EX30 bietet Volvo ein kompaktes Elektro-SUV an, das für den europäischen Markt wie maßgeschneidert wirkt. Dafür gibt es Kompromisse, um den Einstiegspreis nach unten zu drücken.

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Für mich war der EX30 quasi Liebe auf den ersten Blick. Das grundlegende Design bleibt beibehalten, es ist ein echter Volvo. In einigen anderen Faktoren spart Volvo einerseits Geld in der Produktion, andererseits möchte man junge Leute ansprechen. Mit seiner Größe von nur 4,23 Meter ist es genau die Fahrzeuggröße, die wir persönlich im Alltag am meisten lieben.

Ich bin also nicht nur Tester, sondern potenzieller Kunde. In den letzten Jahren bin ich bereits Fan von den Elektroplattformen von Volvo und Smart geworden, da gibt es immer richtig viel Leistung und vernünftige Akkugrößen im Angebot. Beim EX30 setzt das sich das fort, wir konnten den Long-Range-Hinterradmotor mit 66 kWh Akku fahren. Eine gelungene Kombination, glaube ich.

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Leistungsstark, dynamisch und kein Verbrauchswunder

Leistung steckt hier ohne Ende drin. Ein Drehmoment von 343 Nm macht zu jeder Zeit viel Spaß und lässt den EX30 sehr dynamisch bewegen, sodass es mehr eigentlich nicht benötigt, aber angeboten wird. Dazu gibt es ein gut abgestimmte Fahrwerk, das kaputte Straßen nicht in den Rücken überträgt. Große Freude macht das schlanke sowie oben und unten abgeflachte Lenkrad, das dem Auto noch mehr Dynamik verleiht. Es macht richtig Spaß.

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Bei unserer Testfahrt hatten wir gut 10°, sind ein bisschen Stadt gefahren, über Land und danach hatte ich vermehrt Fokus auf die Autobahn gelegt. Dass unter 100 km/h eine ordentliche Reichweite möglich ist, liegt meines Erachtens auf der Hand. Aber was ist bei schnelleren Fahrten von 130 km/h und gelegentlicher Beschleunigung bis zu 180 km/h?

Freilich kann ich nach ein paar Stunden kein endgültiges Fazit ziehen. Aber auch der EX30 kann keine Wunder vollbringen. Bei rund 140 km lag der „erzielte“ Verbrauch bei 21,5 kWh und das hat mich nicht weiter überrascht. Das hätte ich auch mit unserem VW ID.3 erreicht, mein aktueller Mercedes EQA liegt drüber. Unterm Strich würde das eine Reisereichweite von ungefähr 300 km mit kleinem Puffer bedeuten.

Natürlich war der Akku zu voll, am Schnelllader landete ich zum Test noch mit etwas über 50 Prozent SoC. Dennoch waren sofort rund 120 kW erreicht. Dann fiel die Ladekurve ab. Schlussendlich hatte ich 13 kWh in 11 Minuten nachgeladen. Mit Kind wäre meine Pause definitiv länger gewesen, dann hätten wir vielleicht rund 100 Autobahnkilometer nachladen können. Sicherlich hält der EX30 eine höhere Ladegeschwindigkeit, wenn der Akku sehr viel leerer ist.

Parkt auf Wunsch von selbst ein, hält die Spur und wechselt sie

Fangen wir mit dem guten Punkt bei den Assistenzsystemen an. Eine recht enge Parklücke hat der EX30 auf Anhieb gesehen, akzeptiert und darin in kürzester Zeit perfekt eingeparkt. Mir hat die Zeit gefehlt, noch viele andere Situationen zu testen, aber das war schon mal gut. Etwas enttäuscht war ich jedoch vom Rest, weil ich bessere Systeme kenne.

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Und da rede ich nicht von Mercedes, sondern von VW. Ich finde den Travel Assist durch und durch gelungen. Er kann fast alles. Passt die Geschwindigkeit frühzeitig an kommende Schilder an, nimmt Geschwindigkeit vor Abbiegungen, Ausfahrten und Kreisverkehren raus. Das fehlt dem EX30, der hält die Spur ganz gut, aber das wars auch schon fast. Der Spurwechselassistent fühlte sich nicht so intuitiv an.

Alles mit dem Hintergrund betrachtet, dass das ein erster Versuch gewesen ist und kein Dauertest. Aber irgendwie erwarte ich bei einer Marke wie Volvo, die sehr stolz auf ihre Produkte wirkt und selbstbewusst auftritt, dass ich nicht lange probieren muss, sondern auf Anhieb überzeugt werde.

Sitzt sich gut, sieht cool aus, ist praktisch – aber zu viel gespart?

Es gibt kein Tachodisplay, kein HUD, keine Lautsprecher in den Türen. Generell gibt es beim EX30 nicht zu viel, nicht mal zeitgemäßes Matrix-Licht. Was den Innenraum angeht, finde ich den Sparkus jedoch gut umgesetzt. Es wirkt nicht leer oder spartanisch, sondern durchdacht reduziert. Die recycelten Oberflächen sind einer älteren Zielgruppe vielleicht zu aufgeregt, ich mag den Look jedoch sehr. Das Raumgefühl war insgesamt angenehm.

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Unter der Windschutzscheibe ist eine ordentliche Soundbar integriert und der simulierte Sourroundsound war schwer in Ordnung. Ist jetzt nichts für audiophile Kunden, aber hörte sich gut an und war raumfüllend. Dafür hat Volvo sehr viel weniger Kabel verlegen müssen. Generell sind die Türen extrem reduziert, glänzen aber mit einem brutal coolen Türgriff.

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Tasten für Fensterheber sind zentral positioniert und dort gut erreichbar. Spiegel stellt man über den Hauptbildschirm ein. Da ich das grundsätzlich nur ein einziges Mal mache, finde ich das absolut in Ordnung. Apropos. Sobald ihr etwas ändert, etwa den Sitz verstellt, fragt euch das Auto, ob ihr das speichern möchtet. Das kleine Dialogfeld verschwindet nach ein paar Sekunden, wenn ihr es ignoriert. Cool.

Das ist ein Punkt, der mindestens genauso praktisch ist, wie die Staufächer in der vorderen Mitte. Eingesetzt hat man Oberflächen mit Halt, da rutscht und fliegt nichts. Genügend Platz für wichtige und unwichtige Dinge ist da auf jeden Fall vorhanden. Das ausklappbare Handschuhfach in der Mitte unter dem Display ist ein praktisches Highlight.

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Ein weiteres Highlight ist das große Display im Zentrum des Autos. Die Frage ist nur, ob es ein positives oder negatives Highlight ist. Denn es übernimmt alle Anzeigen, auch für Tempo und Fahrzeugumgebung. Grundsätzlich stimme ich Volvo zu, dass die Tempoanzeige besser als bei einem klassischen Tachometer positioniert ist. Wir gucken nur nach rechts, aber auf Straßenhöhe, während ich beim klassischen Tachometer die Straße tatsächlich aus dem Blick verliere.

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Die Position ist gut, man gewöhnt sich schnell daran. Hat man sich womöglich von Tesla abgeschaut. Interne Studien sollen belegt haben, dass der Tachometer auf dem zentralen Display kein Problem darstellt. Dem stimme ich zu. Dennoch muss ich erwähnen, dass ein Head-Up-Display eine gute Option gewesen wäre. Das hat man sich angeblich aus Designgründen gespart, aber da hat man sicherlich geflunkert.

Was ist noch aufgefallen?

Obwohl man das Fahrzeug sportlich, dynamisch und mit Schwung bewegen kann, das Lenkrad lädt geradezu für schnelle Kurvenfahrten ein, fehlten mir andere Punkte. Nicht für meinen Alltag, aber für ein stimmiges Konzept. Es gibt zum Beispiel kein verstellbares Fahrwerk, man kann es nicht straffer einstellen. Es gibt auch keinen Sportmodus, der das Strompedal zum Beispiel aggressiver macht.

Das eigentlich angenehme One-Pedal-Driving kann immer noch nicht verändert werden, dafür gibt es drei Widerstandsstufen für das Lenkrad. Auf der Autobahn sind über 180 km/h mit dem EX30 möglich, aber aufgrund des Verbrauchs nicht gerade zu empfehlen. Spaß hat diese Geschwindigkeit dennoch gemacht, der „günstige“ Volvo war nicht zu laut im Innenraum und lag stabil auf der Straße.

Platz bietet mir der EX30 genug, aber wir sind beide auch nur 1,75 Meter klein. Die verbauten Sitze waren in unserem Fahrzeug angenehm, auch nach rund 3 Stunden noch bequem genug. Die Optik hat mir zugesagt, aber womöglich würde ich für den Alltag eher eine dunklere Variante wählen.

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Bevor wir es vergessen: Volvo setzt beim Infotainment auf Android Automotive mit Google-Diensten. Das funktioniert an sich sehr gut, ist super flüssig und die Ladeplanung ist erfahrungsgemäß auch in Ordnung. Im Display hat man darüber einen eigenen Teil, wo fahrzeugspezifische Dinge angezeigt werden. Unten gibt es große Tasten für Funktionen und Menüs, alles gut bedienbar.

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Fazit: Ich möchte den EX30 gerne noch einmal fahren

Volvo hat einen harten Sparkurs eingelegt, um den EX30 auf Niveau eines VW ID.3 anzubieten. Dafür verzichtet man aber nicht auf optische Highlights wie rahmenlose Spiegel und beschränkt nicht das Angebot bei den Antriebsvarianten. Der erste Eindruck war überwiegend positiv. Wobei man schon sagen muss, dass ein wenig Ausstattung den Preisrahmen schnell sprengen wird. Der Einstiegspreis ist mehr Augenwischerei. Aber reichen mir Soundbar und technisch teilweise eingeschränkte Funktionalität, wenn ich bei 45.000 oder 50.000 Euro liege?

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