Ein paar Urlaubsfotos nebenbei auf Zedge als Wallpaper verkaufen? Warum nicht, dachte ich. Ein Selbstversuch.

Zedge (gesprochen: Sätsch) – klingelt da bei euch was? Die Wallpaper-App gibt es nämlich schon seit 2003 und ist damit als ein echtes Urgestein der Smartphone-Ära zu bezeichnen. Sie wurde mehr als 436 Millionen Mal heruntergeladen und hat 30 Millionen monatlich aktive Nutzer (August 2020), ist zudem regelmäßig in den Top 60 der amerikanischen Google-Play-Charts. Ach, außerdem wurde sie in den Top 50 Android Apps 2013 im Time’s Magazine erwähnt. Mehr Wikipedia-Wissen, here you go. Erstmals veröffentlicht wurde die App von drei Norwegern, sie haben mittlerweile aber auch Büros in Vilnius und New York.

Preis: Kostenlos+

Ich konnte mich dunkel daran erinnern, während meiner ersten zaghaften Smartphone-Erfahrungen mit Zedge in Berührung gekommen zu sein, als sie mich neulich auf Instagram anschrieben. „Absolutely love your work, we’d love to have you sell it as phone wallpapers and other content options to our millions of users, in Zedge Premium“, stand da.

Ziemlich sicher sind sie durch ein Feature des Unsplash-Accounts auf mich aufmerksam geworden, denn auf der Plattform stelle ich meine Fotos schon länger (vollkommen kosten- und rechtefrei) zur Verfügung. Zusätzlich nicht-exklusiv meine Fotos auch bei Zedge hochladen und zusätzlich ein paar Euro verdienen? Warum nicht, dachte ich.

Außerdem schickten sie mir direkt einen Link zu ihrem Bewerbungsformular marketplace.zedge.net, was ich anschließend ausfüllte. Dreist und ungeduldig wie ich bin, habe ich versucht den Prozess ein bisschen zu beschleunigen – sieben Tage wollte ich schließlich nicht auf eine Antwort warten. Und siehe da, ein paar eindeutige Worte tun Wunder, noch am selben Tag wurde der Antrag angenommen. Als Referenz habe ich meinen Unsplash-Account angegeben.

Zedge: So fließt Geld in die Kasse

Aber kurz zum Konzept, woher das Geld überhaupt kommt. In Zedge können Nutzer Bilder nicht nur kostenlos, sondern bestimmte auch gegen Credits herunterladen. 500 Credits kosten in der iOS-Version 1,o9 Euro, nach oben hin gibt’s ein bisschen Rabatt.

Das teuerste Paket gibt es für noch vergleichsweise humane 21,99 Euro, das entspricht 14.000 Credits. Wer klamm bei Kasse ist, kann sich 10 Credits aber auch über das Anschauen von 30-sekündigen Werbeclips verdienen. So viel kosten auch die meisten Wallpaper.

Zedge Premium Marketplace: Konditionen und Auszahlungsgrenze

Als Uploader hat man nämlich die Wahl, ob man seinen Content für diese 10 Werbe-Credits oder einen festgesetzten Premium-Kurs feil bietet. Damit richtet man sich an eine engere Zielgruppe und muss schon sehr  von seinen eigenen, originären Inhalten überzeugt sein.

Ich habe mich daher bei meinen Inhalten für die erste Variante entschieden, um eine möglichst kleine Hürde zum Download zu bieten, so vielleicht mehr Nutzer anzusprechen und schließlich zum Beispiel im Trending-Bereich zu landen.

Während des Registrierungsprozess wurde ich auch mit den Konditionen konfrontiert. Wenn ich Einnahmen von 25 Dollar nicht innerhalb eines Jahres überschreite, werden diese zur Deckung von Betriebskosten einbehalten. 200 Dollar muss man vor einer Auszahlung erreichen, die einmal im Quartal vorgenommen wird. Auf Nachfrage verriet man mir, dass die Zahlung innerhalb von 60 (!) Tagen nach Ende eines Quartals ausgeführt wird. Besser als nix, versuchen kann man’s ja mal. Ist ja ein Experiment.

Noch bevor ich mich ausreichend mit dem etwas altbacken wirkenden Backend befassen konnte, smalltalkte mich der Account schon wieder an. Als kleines Schmankerl versprach man mir durch ein Feature auch ein bisschen Starthilfe. Ich hatte das als großes Feature auf der Frontpage missverstanden, weshalb ich der Aufforderung, ein paar Fotos und sogar ein Feature-Image (das auch noch pixelgenau abgemessen sein muss) hochzuladen schleunigst nachkam.

Zedge: Anforderungen von Smartphone-Wallpapern

Mit meinem Hang zum Perfektionismus musste ich eine Auswahl meiner bestehenden Fotobibliothek aber noch ein bisschen in Lightroom anfassen, nicht nur um den technischen Anforderungen des 16:9-Zuschnitts (Mindestauflösung: 1620 x 2880 Pixel) zu entsprechen. Ich wollte darauf achten, dass die Bilder im oberen Bereich genügend Platz lassen, um die Uhr auf dem Sperrbildschirm nicht anzuschneiden, dazu noch ein dunkler Verlauf und ein Hauch Vignette – zack fertig, Wallpaper.

Der Upload-Prozess gestaltet sich, um es höflich auszudrücken, nicht gerade nutzerfreundlich. Dass es nicht mal so grundlegende Features wie Drag and Drop gibt – geschenkt. Ich bin froh, dass man immerhin mehrere Fotos auf einmal hochladen kann und die angebliche Grenze von 8 Megabyte maximal pro Bild offenbar ignoriert wird (selbst 15 MB gingen klaglos durch).

Nach dem Upload geht es nämlich noch daran, jedem Foto einen sinnvollen Titel in maximal 22 Zeichen zu geben (es reicht assoziatives Denken beim Blick aufs Bild, meistens nur ein prägnantes Schlagwort) und das absolut notwendige und umständliche Scharfschalten auf der Plattform. Mehrere Fotos auf einmal aktivieren? Das wäre ja ausnahmsweise praktisch. Geht aber natürlich nicht.

Zedge-Backend ist schmerzhaft zu benutzen

Würde die Oberfläche wenigstens das tun, was man von ihr erwartet, wäre das alles nicht so schmerzhaft. Regelmäßig springt der Bildschirminhalt aber völlig unnachvollziehbar vor und zurück. Das Team vertröstet auf ein Update, an dem man arbeite, bis dahin macht das aber nicht wirklich Spaß.

Was habe ich mit Zedge verdient?

Nun aber zu dem, worum es eigentlich in diesem Artikel gehen sollte: Was habe ich schließlich mit den Wallpapern verdient? Zum Start habe ich mich für fünf Bilder vom letzten Trip ins Wildgehege entschieden, die zumindest für ein paar Tage nach dem Hochladen sogar recht weit oben in der prominenten Animals-Kategorie zu finden waren.

Innerhalb der ersten zehn Tage sind 162 Downloads (inklusive ein paar von mir selbst) zusammengekommen. Zedge weist darauf hin, dass die Werbepreise und damit das Netto schwanken können, zum jetzigen Zeitpunkt stehen unter der Bilanz aber sagenhafte 1,16 Dollar. Das rechnet sich in stolze 0,7 Cent pro Download um oder anders: Ich brauche gut 28.500 Downloads, um meine erste Auszahlung zu erhalten. (Hier geht’s übrigens zu meinem Zedge-Profil.)

 

Klar, mit fünf Fotos komme ich nicht bis dahin, aber dass Zedge Künstler beherbergt, die 10.000 Dollar im Monat auf der Plattform verdienen, wie vollmundig auf der Website geworben wird, ist irgendwie schwer zu glauben.

Ob ich überhaupt jemals an den Punkt einer Auszahlung kommen werde, kann ich jetzt noch nicht abschätzen – ich sehe es als kleine Herausforderung (und ich mag es einfach zu beobachten, wenn irgendwelche Balken nach oben gehen).

Fazit: Don’t try this at home

Ob du das auch machen solltest? Auf keinen Fall, verschwende deine Zeit nicht mit diesem völlig verbuggten Dashboard und verkaufe deine Fotos lieber auf einer richtigen Plattform, auch wenn sich selbst da die bekannten Namen mit schlechten Konditionen gegenseitig unterbieten.

Um wirklich erfolgreich auf Zedge zu sein, muss man viel Arbeit investieren und mit einem eigenen Style ins Auge stechen – und wer auf einem solchen Level ist, hat hoffentlich genügend Aufträge, um nicht darauf angewiesen zu sein.

Jonathan Kemper

Studiert Technikjournalismus, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.

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