Seit einigen Monaten ist die VR-Plattform von Google verfügbar, Daydream gibt es allerdings nur für recht wenige Smartphones und trotzdem haben wir Daydream View bereits getestet. Gleichmal vorweg zur Erklärung, Daydream ist die ab Android 7 Nougat integrierte VR-Plattform für Smartphones und Daydream View die erste dafür erhältliche VR-Brille von Google. Zum Zeitpunkt hat sich daran nicht viel geändert. Lediglich diese Brille ist im freien Handel erhältlich, um die virtuelle Realität mit einem Android Nougat-Smartphone nutzen zu können.

Aber auch hier die nächste Einschränkung, Daydream ist deutlich aufwendiger und daher nicht wie Cardboard einfach mit jedem Gerät nutzbar. Kompatible Geräte werden durch Google zertifiziert und für Daydream freigegeben, zum Zeitpunkt des Artikels sind das allerdings nur sehr wenige. Natürlich das Google Pixel in allen Varianten, zudem das Moto Z samt Z Force, das Mate 9 Pro und die fast baugleiche Porsche Edition, wie auch noch das seit längerer Zeit erhältliche Axon 7 von ZTE und das brandneu ASUS ZenFone AR.

Grundsätzlich braucht es einen richtig schnellen SoC im Smartphone, wozu mal mindestens der Snapdragon 820 gehört. Drunter geht nichts. Ebenso ist ein AMOLED-Display eine weitere Voraussetzung, dieses muss aber auch gewisse Bedingungen erfüllen. Somit sind am Ende nicht viele Smartphones kompatibel, günstige Geräte wie das OnePlus 3T fallen trotz Snapdragon 821 und 6 GB RAM leider raus.

Daydream View

Wenige Smartphones und noch weniger Headsets sind mit Daydream derzeit kompatibel, ausschließlich die von Google vorgestellte Brille kann im deutschen Handel gekauft werden. Mit dieser kommt man klar oder man lässt es. Zwar kommt eine Brille von Huawei auch bald in den Handel, das könnte aber für deutsche Kunden noch etwas dauern. Prinzipiell sollten alle Daydream-Brillen mit allen Smartphones kompatibel sein, denn die Brillen selbst sind quasi leblos, nur die dazugehörige Fernbedienung wird mit dem Smartphone verbunden.

Damit hätten wir auch die grundsätzliche Ausstattung schon beschrieben. Tote Brille mit NFC-Sensor und zwei Linsen, dazu noch eine Bluetooth-Fernbedienung – fertig ist Daydream View. Von Google zum großen Teil aus Stoff gefertigt, das spart beispielsweise zur Gear VR immerhin ein Drittel des Gewichts. Und sieht auch noch cool aus. Generell ist die Brille sehr weich, schmeichelt dem Gesicht, wirkt aber auf Dauer dann doch recht schwer.

Grund dafür ist die meines Erachtens nicht ausgereifte Halterung für den Kopf, denn es gibt lediglich einen horizontal verlaufenden Gurt. Es fehlt definitiv ein Gurt, der zusätzlich oberhalb des Kopfes entlanggeht und so das Gewicht quasi besser verteilt bzw. die Brille generell angenehmer tragen lässt. In der jetzigen Ausführung drückt die Brille samt Smartphone mir zu sehr auf meine Wangen, das ist nach 30 bis 45 min durchaus unangenehm.

Eine Brille aber viele Gesichter

Ebenso bietet sich ein Vergleich bei der Passform an, denn sitzt die Brille von Google zwar sehr weich und zum größeren Teil angenehm am Gesicht, so ist der Bereich rundum die Nase zu großzügig gestaltet. Es dringt teilweise viel Licht an dieser Stelle ein. Mir macht die Nutzung der Brille daher immer nur dann Spaß, wenn ich den jeweiligen Raum abdunkeln kann. Anders bei der Gear VR, da wurde mir die Nase förmlich abgedrückt.

Noch bieten die Hersteller immer nur eine feste Größe ihrer VR-Brillen an, gerade die mobilen VR-Systeme für 100 Euro oder weniger, lassen sich nur bedingt anpassen. Also passt euer Gesicht entweder zufällig perfekt in die Brille oder ihr müsst mit gewissen Nachteilen leben.

Ansonsten gibt es zur Brille nicht viel zu sagen, vorn legt man sein Smartphone ein und macht die Klappe zu. Gehalten wird sie mit einem Gummiband, was zwar grundsätzlich eine gute Idee ist und Gewicht spart, nur habe ich Bedenken bzgl. der Langlebigkeit. Kleine Gummis halten das Smartphone in Position, sodass es nicht verrutschen kann.

Der Zeigestock

Zu Daydream-Brillen gehören auch immer Fernbedienungen dazu, bei Daydream View ist diese bei Nichtnutzung sogar direkt in der Brille verstaubar. Da hat jemand mitgedacht. Diese Fernbedienung hat einen integrierten Akku, der über USB Type C geladen wird. Zur Akkulaufzeit kann ich nur bedingt etwas sagen. Ich hatte das Gefühl, die Fernbedienung hielt immer nur ein paar wenige Sessions von 30 bis 45 min. Insgesamt vielleicht 5 h mit einer Akkuladung? Ungefähr. Google spricht allerdings von 12 h.

Die Fernbedienung ist etwas länger als meine Hand breit, nach unten besitzt sie großen abgerundeten Bauch, sodass sie wirklich gut in der Hand liegt. Integriert sind mehrere Sensoren, beispielsweise um eure Handbewegungen exakt in die virtuelle Welt zu übertragen. Deshalb die Überschrift, in vielen Apps fungiert sie als eine Art virtueller Zeigestock, dargestellt als Lichtstrahl. Neben zwei Tasten für Zurück und Home, gibt es zusätzlich eine größere Taste mit einem Touchpad.

Diese ist auch eines der wichtigsten Elemente. In den meisten Spielen wird das Touchpad zur Auswahl diverser Funktionen (per Wischgeste) genutzt, die Taste beispielsweise zum Gas geben in Rennspielen oder schießen/schlagen in anderen Games.

Inhalte, Daydream-App, Play Store

Daydream ist quasi immer noch in der Startphase, die Brille erst seit November erhältlich und damals waren mit dem Moto Z sowie dem Google Pixel auch lediglich zwei 600+ Euro Smartphones kompatibel. Nutzer gibt es also zwangsläufig noch nicht viele, daher ist auch das Angebot an Spielen und Apps noch recht übersichtlich. Zudem muss sich der klassische Smartphone-Gamer an andere Preise gewöhnen, viele Daydream-Titel schlagen gleichmal mit 8 – 15 Euro zu Buche.

Ich will grundsätzlich über die Preise nicht meckern, für mobile Spiele sind zweistellige Preise allerdings schon eine Besonderheit. Natürlich steigt damit auch die Erwartungshaltung, die dann auch mal gern enttäuscht wird. Denn wenn ich eins feststellen musste, dann die schnelle Eintönigkeit diverser Titel. Spiele, die von vielen Kollegen sonst sehr gern empfohlen werden. Dazu aber weiter unten noch etwas mehr.

Google hat noch Arbeit vor sich

Prinzipiell will der Nutzer natürlich direkt in die virtuelle Welt eintauchen, also startet man die Daydream-App, setzt die Brille auf und dort stöbert man nach Inhalten. Spaß macht das aber nicht, denn Spiele und Apps können zwar mit aufgesetzter Brille gekauft werden, nur macht uns Google das Entdecken aktuell noch recht schwer. Innerhalb der virtuellen Welt in der App sehe ich nur die Titel der Spiele, eine kurze Beschreibung und ein Logo – 360° Trailer oder Screenshots sucht man vergeblich.

Man kann zwar natürlich auch Inhalte ohne aufgesetzte Brille suchen, ganz normal über den Play Store oder auch die Daydream-App (ohne VR), doch auch hier muss noch nachgearbeitet werden. Mir fehlt aktuell noch schmerzlich eine Daydream-Kategorie im Play Store, in der ich alle für Daydream vorgesehenen Inhalte einsehen kann, komplett losgelöst der anderen Play Store-Inhalte.

Das habe ich gespielt und ausprobiert

Ein paar Spiele gibt es schon und diverse Titel habe ich auch ausprobiert. Einige Spiele habe ich allerdings direkt wieder über Bord geworfen, mir das Geld nach einem ersten Eindruck zurückgeholt. Dazu gehörte beispielsweise The Arcslinger, ein für VR sehr geeignetes Spiel, welches allerdings so schnell langweilig wird, wie man es heruntergeladen hat. Ein Ballerspiel, supereinfach gedacht und deshalb auch recht schnell öde.

Gleiches Schicksal für die VR-Variante von Need for Speed No Limits. Dieses Spiel scheitert ebenso an seiner öden Struktur, nahezu jedes Rennen wirkt gleich und unspektakulär. Auch waren die Entwickler entweder zu faul oder die Leistung recht nicht aus, denn grafisch zieht dieser Titel niemanden vom Stuhl. Mit 14,99 Euro ist der Preis meines Erachtens zu hoch angesetzt.

Etwas mehr Spaß habe ich hingegen in Mekorama, dieses Puzzle macht auch in VR irgendwie Spaß und kann mich für längere Zeit beschäftigen. Ebenso habe ich Hunters Gate gerne gespielt, wobei auch dieses Spiel schnell öde werden kann, doch dafür kommt die virtuelle Welt in 360° etwas mehr zur Geltung, Ein Highlight, obwohl mehr Demo statt Spiel, ist Fantastic Beasts and Where to Find Them.

Noch recht cool, wenngleich ein klassisches Ballerspiel, ist Gunjack 2: End of Shift. Ebenso lebt dieses Spiel davon, dass die virtuelle Realität etwas besser zur Geltung kommt. Allerdings ist es mit 13,99 Euro alles andere als günstig. Anders bei SherlockVR, in diesem Spiel kommt VR richtig gut zur Geltung und das für nur 2,09 Euro. Ihr müsst komplette Räume durchforsten und nach Gegenständen suchen. Diese Gegenstände lassen sich dann genauer betrachten, dafür dreht und wendet ihr einfach den Controller, der virtuelle Gegenstand bewegt sich 1:1 mit.

Es gibt noch einige weitere nette Spiele und Apps, allerdings fehlt mir fast ein wenig die Zeit dafür und man kann hier recht schnell viel Geld loswerden. Ein Highlight soll noch Drift sein, ebenso erst für 11,99 Euro erhältlich. Lohnenswert könnte auch noch Underworld Overlord sein, das wiederum aufgrund seiner aufwendigen Inhalte bisherige Geräte an ihre Grenzen kommen lässt.

Street View, Netflix und viele andere derartige Apps sind okay, machen zwischenzeitlich mal Spaß aber sind nichts für die Dauer.

Performance bis das Smartphone explodiert

Wer sich mit Daydream ein wenig beschäftigt hat, wird sicher häufiger von überhitzenden Geräten gelesen haben. Egal ob es das Google Pixel oder das Moto Z ist, alle Geräte werden mehr oder weniger heiß und manchmal sogar zu heiß. Abgestürzt ist mein Moto Z zwar noch nicht, doch in einigen Spielen wird das Metallgehäuse wirklich extrem heiß und ich bin mir nicht sicher, wie lange das Smartphone diese Hitze überleben soll.

Ein Vorteil wiederum könnte sein, dass die Hitze beim Moto Z durch das Metallgehäuse sehr gut nach außen geleitet wird, was man dann mit den Fingern deutlich spüren kann. Es muss also nicht zwingend ein schlechtes Zeichen sein, wenn das Gerät am Gehäuse bald zu glühen anfängt. Für mich deutet das auf eine gute Ableitung der Wärme. Folgend ein paar Screenshots vor und kurz nach der Nutzung von Daydream.

Apropos Hitze und Wärme. Performance? Geht, gut sogar. In Spielen ruckelt das Gerät auffällig nie bis selten. Im Hauptmenü nach einer 45-minütigen Session hingegen dann schon gern mal etwas heftiger. Frame-Drops gibt es zwar auch in Spielen hin und wieder, allerdings nie eklatante. Richtige Gamer würden das aber vermutlich schärfer kritisieren.

Bildqualität, Akku

Natürlich ist auch Daydream noch relativ pixelig, das QHD Display wird nicht nur in seiner Auflösung „halbiert“, sondern dann auch noch für das Auge extrem rangezoomt. Ohne Frage, man erkennt die Struktur des Displaypanels und alles wirkt grundsätzlich etwas unschärfer. Ebenso werden Elemente bei schneller Kopfbewegung unscharf bzw. ziehen etwas nach. Trotzdem bin ich recht zufrieden, hier unterscheidet sich die Wahrnehmung auch von Spiel zu Spiel. Ebenso merkt man deutlich das eingeschränkte Sichtfeld, welches irgendwo zwischen 80 – 95° liegt und damit natürlich weit weniger als unser Sichtfeld in der realen Welt bietet.

Und nun natürlich die Masterfrage, denn wie lang anhaltenden Spielspaß gibt es überhaupt? Ich habe definitiv mit einem höheren Akkuverbrauch gerechnet, denn um die 30 min benötigen beim Moto Z je nach Anwendung ca. 25 % Akku. Smartphones mit deutlich höherer Akkukapazität werden also sicher länger durchhalten. Das Smartphone aufladen und gleichzeitig spielen dürfte aufgrund der Hitzeentwicklung nicht möglich sein, ich habe das erst gar nicht probiert.

Fazit

Google bietet mit Daydream genau das, was ich mir persönlich davon erhofft hatte. Diese Plattform wird sich verbreiten, unterschiedliche Smartphones werden sie unterstützen und das benötigte Zubehör in Form der Brille samt Fernbedienung ist mit deutlich unter 100 Euro definitiv erschwinglich. Mir fehlt es aktuell nur an Inhalten, vor allem an guten und spannenden Inhalten, die dann auch ihr Geld wert sind.

Die durchaus akzeptable Performance kann zudem nur besser werden, die nächste Serie an Flaggschiff-Smartphones kommt mit dem Snapdragon 835 daher und dieser SoC ist etwas mehr für mobile VR ausgelegt. Daydream ist meines Erachtens nicht unbedingt nur für Early Adopter geeignet, gerade aufgrund des Preises. Vorausgesetzt man besitzt ein 600 Euro Smartphone.

Kaufen oder nicht kaufen? Preislich wird sich in naher Zukunft kaum etwas ändern, mehr Inhalte sollten in den kommenden Monaten allerdings schon im Play Store landen. Von dieser Warte aus also ruhig noch die Anschaffung abwarten, vielleicht sogar bis zur kommenden Google I/O kurz vor dem Sommer.