Bis heute bringt HTC in unregelmäßigen Abständen neue Smartphones hervor. Doch die im Ausland weiterhin „lebendige“ Desire-Serie ist längst nur noch ein Schatten seiner selbst. Das letzte echte HTC-Smartphone feiert in diesem Monat schon seinen dritten Geburtstag. Seither kam von HTC nicht viel Neues und wir erwarten auch keinerlei innovative Smartphones mehr. Das hat mehrere nachvollziehbare Gründe. Ein kleiner Rückblick.

Vor drei Jahren steckte HTC schon länger tief in einer Krise, aus der es keinen Ausweg mehr gab. Jedenfalls hatte der Smartphone-Pionier aus Taiwan die Hoffnung aufgegeben. In den Jahren zuvor probierte man einiges. Etwa den jahrelang erfolgreichen Chef des Unternehmens zu ersetzen. Keiner der Schritte brachte HTC zurück auf die Erfolgsspur, sodass man für einen Teil des Konzerns nur noch eine Lösung sah. Und mit Google gab es ein interessiertes Unternehmen, das zuvor regelmäßig mit HTC zusammenarbeitete.

Verkauf an Google war das Ende echter HTC-Smartphones

Im frühen 2018 gab es dann die Bekanntgabe, dass HTC einige Teile seiner Smartphone-Abteilungen erfolgreich an Google verkauft hat. Mehr als eine Milliarde Dollar sollen damals für HTC-Mitarbeiter und Patentlizenzen geflossen sein. Wie viel von HTC schlussendlich zu Google abwanderte, haben beide Konzerne nie im Detail benannt. 2000 Leute waren es angeblich. Jedenfalls so viel, dass die Entwicklung eigener Smartphones direkt bei HTC nicht mehr möglich gewesen ist.

Googles Statement damals zur Übernahme:

„Ein unglaublich talentiertes Team, das in den kommenden Jahren an noch besseren und innovativeren Produkten arbeitet.“

4 Monate später erschien das HTC U12+ als letztes Flaggschiff-Smartphone von HTC. Noch heute steht es ganz oben auf der deutschen Webseite. Zu damaligen Zeitpunkt, handelte es sich hierbei um ein echtes HTC-Smartphone. Zu den Besonderheiten gehörten die transparente Rückseite, die Touchtasten im Gehäuserahmen und dessen Druckempfindlichkeit. Damals waren 6″ Bildschirmdiagonale noch groß. Alles in allem kein Smartphone von der Stange, das viele Stärken bot.

HTC lebt irgendwie doch weiter: Pixel-Smartphones als Trostpflaster

Restlos überzeugen konnte das U12+ aber nicht. Die damalige Bereitschaft, etwas zu probieren, imponierte trotzdem. Das erinnert mich immer wieder an LG, die damals ganz ähnlich unterwegs waren und mangels Erfolg jetzt ebenfalls die Smartphone-Branche verlassen. Während bislang nicht klar ist, ob die entsprechende Abteilung von LG irgendwo anderes weiterleben wird, ist wenigstens ein Teil von HTC noch immer existent. Dieser lebt heute noch in Google weiter. Genauer gesagt in den Pixel-Smartphones.

Erst vor ein paar Monaten gab Google bekannt, das einstige HTC-Team in Taiwan erneut aufzustocken. Dort findet heute die Entwicklung der Pixel-Smartphones statt. Wer sich also für ein Google Pixel entscheidet, der entscheidet sich noch ein Stück weit für ein HTC-Smartphone. Wobei wir natürlich nie erfahren werden, welche Entscheidungen für neue Pixel-Smartphones eventuell aus einem einstigen HTC-Kopf stammen.

Abseits der Smartphones liefert HTC mit Vive wohl eines der besten VR-Headsets, was in meinen Augen allerdings kein klassisches Endkundenprodukt ist. Die Wirtschaftlichkeit lässt jedenfalls bis heute stark zu wünschen übrig. Mit etwas Wehmut schauen wir zu Sony, die es trotz niedriger Verkaufszahlen wieder in die schwarzen Zahlen geschafft haben. Wäre das mit mehr Geduld auch bei HTC möglich gewesen?

Denny Fischer

Gründer und amtierender Chef von SmartDroid.de, bloggt hier und nur hier seit 2008. Alle Anfragen an mich, in den Kommentaren oder über die verlinkten Netzwerke.

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