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Sony Xperia XZ ohne Wow-Effekt [Test]

Sony hat nach dem Xperia X Performance bereits im Herbst mit dem Xperia XZ nachgelegt, das kaum neue Hardware aber ein neues Gehäuse mitbringt, welches im Test allerdings schwer enttäuschte. Eigentlich wollte ich einen ersten Eindruck zum Xperia XZ ja gar nicht erst schreiben, doch mich brachten diverse Dinge derart auf die Palme, dass ich eben dann doch etwas geschrieben habe. Kam sicher nicht gut an bei Sony, insofern das überhaupt jemand gelesen hat.

Nun also der volle Testbericht, nachdem das Xperia XZ ca. drei Wochen bei mir war und jetzt wieder an Sony zurückgeht. Vorweg kann ich nehmen, dass Sony ganz allgemein zuletzt eher einen unscheinbaren Eindruck machte und das muss vielleicht gar nicht so sein. Definitiv sollte aber die Strategie überarbeitet werden, jedes halbe Jahr ein „neues“ Flaggschiff in den Handel zu bringen.

Schwäche oder Defekt?

Nach zwei, drei Wochen hat sich das erste Gefühl eher gefestigt, denn das Sony Xperia XZ ist irgendwie ein langweiliges Flaggschiff-Smartphone aber dafür mit wenigen Schwächen. Auf die erste Schwäche gehe ich gleich zu Beginn ein, denn ich glaube bzw. hoffe nach wie vor auf einen Defekt, da der Fingerabdrucksensor an meinem Xperia XZ launischer als die sportliche Leistung des Hamburger SV ist.

Nicht nur die Einrichtung will mich schon zur Weißglut treiben, auch die tagtägliche Nutzung des Fingerabrucksensors macht beim Xperia XZ einfach keinen Spaß. Mal ist die Erkennung perfekt, mal spinnt sie total rum und ignoriert meine Finger einfach komplett bzw. wirft Fehler aus. Ich hatte das derart schlimm noch nicht erlebt, außer bei 150 Euro Chinaphones.

Ein Freund von mir berichtet eine ähnliche „Laune der Natur“ bei seinem Xperia Z5 Compact, andere Nutzer hingegen schieben die Schuld auf mich oder auf einen Defekt. Als Gegenprüfung checke ich immer bei Verweigerung meines Fingerabdrucks andere Geräte gegen, welche allesamt fast nie das Problem „bestätigen“. Mein Finger ist es also nicht. Am Ende bleibe ich ratlos zurück und hoffe auf einen defekten Sensor statt auf ein allgemein schlechtes Modul.

Der Sensor ist übrigens in der Powertaste verbaut, welche dadurch allerdings sehr tief im Gehäuse verbaut wurde und auf mich deshalb nicht gerade komfortabel wirkt. Andererseits gewöhnt man sich irgendwann daran, dass man hier den Finger eben tiefer in das Gehäuse drücken muss.

Dieses Gehäuse…

Sony kann mit seinen Smartphones noch immer einen eigenen Look liefern, mit dem Xperia XZ hat man ein neues Design angewandt. Dieses bietet weiterhin eine grundsätzlich wiedererkennbare Designsprache, meines Erachtens haben sich nur die Bauart und diverse Details ein wenig geändert. So fühlt sich Übergang von Display über den Rahmen bis zur Rückseite echt gut an, fast wie ein einziges Bauteil, ohne scharfe Kanten oder andere unangenehme Merkmale.

Doch exakt hier hören dann die positiven Merkmale schon auf. Rahmen und Rückseite fühlen sich gleichermaßen billig an, verschmieren zudem extrem schnell und wollen bei der schnellen Reinigung via Hose oder T-Shirt den Alltagsdreck der Finger auch quasi gar nicht mehr hergeben. Schon im Hands-on schrieb ich, dass ein Moto Z zwar ebenso verdrecken kann, sich dann aber immer noch wie ein hochwertiges Smartphone aus Metall anfühlt. Das Xperia XZ hingegen fühlt sich richtig bäh an, einfach unsauber und nicht wertig.

Absolut kann ich für das schlichte Design noch etwas übrig haben, ganz besonders der tiefschwarze Look unseres Modells ist schon irgendwie sexy, doch die Haptik hinterlässt einen schlechten Eindruck bei mir. Von den sehr spitzen Ecken des Gerätes mal abgesehen, bei meinen recht kleinen Händen „stechen“ die mir zu sehr in die Handinnenfläche. Es wird wohl einen guten Grund geben, warum andere Hersteller sonst fast ausschließlich abgerundete Ecken designen.

Folgend seht ihr das Xperia X im Vergleich mit dem XZ, die Designsprache hat sich ganz eindeutig verändert, wobei das dem „Normalo“ vermutlich ohne direkten Vergleich kaum auffallen wird. Der jetzt markantere Look bringt aber eben auch die angesprochenen Nachteile mit sich.

Xperia X XZ Design Beispiel

Display, Kamera, Sound

Mit 5,2″ in der Diagonale reiht sich das Display bei der Konkurrenz ein, anders aber die Auflösung von lediglich 1920 x 1080 Pixel. Klingt vielleicht nicht mehr zeitgemäß, trotzdem ist die Darstellung gestochen scharf. Nur für VR wäre dieses Display ungeeignet, auch weil es kein OLED ist. Ansonsten ist das Display insgesamt sehr gut, wobei einige Farben im Vergleich zum OLED des Moto Z schon fast zu übersättigt wirken, besonders Farben wie Grün und Rot wirken häufig zu satt. Überzeugen kann das Display mit viel Helligkeit, auch die Blickwinkel sind sehr stabil.

Nicht so ganz passt das Verhältnis von Display zu Gehäuse, wenn man denn diesen Faktor unbedingt als Kritikpunkt sehen möchte.

Kamera

Fotos macht man beim Xperia XZ mit einer 23 MP Kamera, die sich laut DxOMark schon beim Xperia Performance behaupten und ganz oben in der Liste der diesjährigen Flaggschiff-Smartphones einreihen konnte. Weiterhin bietet Sony eine dedizierte Kamerataste am Gehäuse und davon bin ich noch immer ein großer Fan, des Weiteren ist die Kamera im Gehäuse versenkt und steht nicht über die Rückseite hinaus. UPDATE: Nun wurde auch das XZ von DxOMark getestet, es liegt sogar hinter dem X Performance.

Aber was machen die Fotos denn so? Bei mäßiger Beleuchtung ist das Xperia XZ mal okay, mal nicht so gut, manchmal fällt es sogar hinter das Moto Z zurück. Herbst und Winter sind nicht die Jahreszeiten des Sony Xperia XZ, ganz besonders in der Tiefe verwaschen Fotos manchmal schnell, Details sind „zerrupft“ und haben ausgefranste Ränder, das sieht einfach nicht gut aus. Ist aber nicht immer so.

Es gibt aber auch positivere Beispiele, zum Beispiel im Vergleich mit dem Moto Z. Während das Lenovo-Smartphone im Detail eher unscharf wird, dadurch Buchstaben zum Einheitsbrei vermischen, sind die Linien beim Xperia XZ noch deutlich härter und der Text besser lesbar. Links Moto, rechts das XZ.

Unter diesem Link einfach mal ein paar „aus der Hüfte“ geschossene Fotos, keine gestellten Bilder in perfekter Beleuchtung. Sehr positiv ist allerdings die akkurate Farbwiedergabe der Fotos, wie auch der gute und schnelle Autofokus. Erneut erwähnt sei auch die Kamerataste, damit macht das Aufnehmen von Fotos irgendwie mehr Spaß.

Ansonsten gibt die Kamera-App natürlich wieder besonders viel her. Es gibt 4K, Gitter, diverse zusätzliche Erweiterungen für allerlei Spielerein (AR und andere Effekte), einen manuellen Modus und natürlich die vermeintlich „überlegene Automatik“. Aus dem Standby ist die Kamera zudem echt flott einsatzbereit. Selfies werden übrigens mit 13 MP geschossen, die sind meines Erachtens ganz vernünftig.

Stereoooooo!

Ja, danke Sony, so geht mobiler Sound. Sony verbaut anders als viele anderen Hersteller zwei Frontlautsprecher, sodass wir im Querformat einen Lautsprecher links und auch einen rechts vom Display haben, was natürlich einen gleichmäßigen Klang für beide Ohren ermöglicht, zudem klingt der Sound satter als bei anderen Geräten. Mit dem HTC 10 kann man aber nicht mithalten. Ich bin absolut zufrieden, vielleicht sogar etwas begeistert. Nur an Lautstärke fehlt es deutlich, für Videos und Games reicht das trotzdem aus.

Software, Performance, Akku

Wenn Sony etwas in den letzten Jahren gut konnte, dann genau diese Kategorie. Für mich gehören diese drei Punkte direkt zusammen, eine miese Software kann die Performance beeinflussen und zugleich auch den Akku, eine gute und schlanke Software kann zuträglich der Performance und letzten Endes auch der Akkulaufzeit sein. Und beim Xperia XZ? Der Kenner erkennt schnell, Sony hat Android nur an einigen Stellen bearbeitet und angepasst, zum größten Teil ist das Betriebssystem aber Original bzw. nur optisch etwas anders.

Der Lockscreen sieht etwas anders aus, die Benachrichtigungen waren unter Android 6 eher schon im Stil von Android 7, die Systemeinstellungen haben andere Icons, es gibt ein paar wenige zusätzliche Sony-Apps, eine integrierte Theme-Funktion für die Veränderungen der Systemfarben und dann war es das auch schon wieder. Man erkennt, es ist ein Sony-Smartphone, ohne dass der Hersteller das System komplett überlädt.

Nicht nur deshalb ist die Performance wirklich sehr stark, teilweise werden die Animationen derart schnell dargestellt, dass ich an einen Trick der Entwickleroptionen glaubte. Dort allerdings war die Darstellungsgeschwindigkeit der Animationen auf Standard gestellt und nicht „schneller gedreht“. Eine Gedenkpause genehmigt sich das XZ aber auch hin und wieder, meist bei länger nicht geöffneten Apps.

Beim Moto Z öffnet sich die App und man hat für einen Bruchteil einer Sekunde einen grauen Bildschirm. Beim XZ hingegen öffnet sich für diesen Bruchteil erst mal gar nichts und dann die App fertig geladen komplett. Nichtsdestotrotz liegt das Xperia-Flaggschiff auf dem höchsten Niveau. Ich glaube es liegt nach wie vor einfach an Android, dass die Performance der teuersten Smartphones* noch immer nicht perfekt sein kann.

Android 7 konnte ich im Testzeitraum nicht ausprobieren, mein Testgerät hatte noch kein OTA-Update bekommen und die Verbindung mit dem Windows 10-PC einfach immer komplett ignoriert.

Akku

2900 mAh hat der verbaute Akku im Xperia XZ, damit ist er nicht gerade überdimensional groß und trotzdem ausreichend für gute Laufzeiten. Ich persönlich komme mit dem Gerät wie mit den Vorgängern sogar zwei Tage hin, damit meine ich fast komplette 48 h. Bei der SOT scheint das XZ aber nicht mehr an die Vorgänger anknüpfen zu können, wer das Smartphone mehr nutzt erreicht vielleicht um die 4 – 5 h, wobei sich das je nach Nutzung stark unterscheiden kann.

Sicher ist die Auflösung des Displays zuträglich dafür, dass jeder mit dem Xperia XZ durch den Tag und auch den Feierabend kommen sollte, ohne eine Steckdose zwischenzeitlich bemühen zu müssen. Apropos Steckdose, Sony legt dem Xperia XZ ein einfaches Netzteil bei, welches nicht Quick Charge-fähig ist. Schon fast eine Frechheit bei einer UVP von 699 Euro. Für den eigenen Quick Charger verlangt Sony übrigens 50 Euro (!).

USB Type C

Mit den Stamina-Funktionen lässt sich aus dem Akku noch deutlich mehr rausholen, damit lassen sich zum Beispiel diverse Hintergrundaktivitäten einschränken. Ziemlich praktisch für lange Tage.

Sonstiges

In den meisten nebensächlichen Kategorien kann das Xperia XZ auch gut abschneiden, egal ob es nun die Übertragungsgeschwindigkeit via WLAN ist, die Navigation via GPS oder die ganz normale Telefonie. Eben ein sehr solides Android-Smartphone.

Positiv sei noch zu erwähnen, dass es „on top“ die klassische Klinge gibt und das Gehäuse gegen zumindest kurzzeitiges Untertauchen geschützt ist.

Fazit

Sony fliegt seit ein paar Jahren stark unter dem Radar, eigentlich nehmen wir nur noch Samsung, HTC, Lenovo/Motorola, Huawei und OnePlus wahr, doch die Japaner haben durchaus Berechtigung mitzusprechen. Auch wenn ich das Gehäuse des XZ alles andere als gelungen finde, so ist das Design doch ganz klar wiederzuerkennen und verschwindet nicht im Einheitsbrei.

Fast alles andere ist ziemlich gut, sodass das Xperia XZ ein sehr solides aber zugleich sehr unscheinbares Flaggschiff-Smartphone sein dürfte. Ob es den Preis von ~600 Euro wert ist wage ich allerdings doch zu bezweifeln, da hat mich das Gehäuse dann doch einfach zu sehr enttäuscht und auch die Kamera schneidet meines Erachtens nicht gut genug ab. Zudem sind Besonderheiten wie das wasserdichte Gehäuse inzwischen selbst bei Samsung und Apple angekommen.