Im letzten Jahr hatte ich darüber geschrieben, dass Xiaomi mit seiner Strategie, viele günstige Smartphones anzubieten, die weltweiten Märkte gerade im Sturm erobert. Ein paar Monate später haben wir die Bestätigung hierfür. Xiaomi ist weiterhin aufgestiegen und verkauft mehr Smartphones als je zuvor. Im Fokus stehen dabei weiterhin sehr niedrigere Preisklassen, was aber nicht nur für Xiaomi allein gilt.

Ein Blick auf die beliebtesten Smartphones der weltweiten Märkte zeigt beeindruckend klar, wie sehr der Preis für die Android-Welt eine entscheidende Rolle spielt. Nur Apple schafft es, in den Top 10 gleich mehrere sehr teure Smartphones zu platzieren, während selbst Samsung hier nur mit Mittelklasse-Smartphones (A-Reihe) für unter 500 Euro mithalten kann. Das zuletzt einzige Xiaomi-Modell (Redmi Note 9) in den Top 10 ist sogar noch deutlich günstiger.

Schon seit Jahren zeigt allein diese Liste, dass in der Android-Welt besonders die unteren Preiskategorien vorherrschend und letztlich auch ein wichtiger Grund für den großen Erfolg nach Verkaufszahlen sind. Es haben nun mal die meisten Leute eher wenig Geld zur Verfügung und können sich teure Smartphones nicht leisten. Laut Statcounter besitzen fast 73 % der Smartphone-Nutzer ein Gerät mit Android und nur 26 % eines mit iOS.

Xiaomi bedient die Nachfrage und nicht umgekehrt: Mit Methode zum Erfolg

Xiaomi hat es sich irgendwann zur Aufgabe gemacht, diese Nachfrage mit aller Macht und Nachdruck zu bedienen. Neben den Geräten der Mi-Reihe hat man heute außerdem die erfolgreiche Niedrigpreismarke Redmi am Start und mit Poco soll teilweise Highend-Hardware für mittlere Preise angeboten werden. Xiaomi profitiert außerdem vom Fall Huawei und sorgt auch am deutschen Markt für eine klare Verschiebung der Interessen.

Interessant zu wissen: Xiaomi bewirbt gerade 20 (!) „aktuelle“ Smartphones für Redmi, Poco und Mi (Lite) auf der deutschen Webseite. Zum Vergleich: Eine Marke wie Google hat in zwei Jahren deutlich weniger als zehn Modelle hervorgebracht.

Mehr Konkurrenz und trotzdem bessere Verkaufszahlen

Xiaomis Quartalszahlen überflügeln demnächst Apple und bringen den chinesischen Hersteller nach Verkaufszahlen auf den zweiten Platz der Weltrangliste. Das hat man wegen internationaler Märkte wie Europa schaffen können. Aber auch weil Xiaomi die Nachfrage in boomenden Märkten wie Indien sehr gut zu bedienen weiß. Dort hat man auch heute 9 Smartphones in den Top 10 der Amazon-Bestseller platziert – allesamt Redmi.

Ich weiß natürlich, dass Xiaomi faltbare Smartphones und andere Innovationen hervorbringt. Das obere Preissegment ist bei Android-Herstellern allerdings nicht für dicke Verkaufszahlen zuständig. Sondern eher für das dicke Marketing und eine glänzende Außendarstellung. Im Grunde genommen zeigt man mit Mi 11 und Co., was man alles auf dem Kasten hat, wenn man denn will.

Frühere Weltmarken haben niedrige Preisklassen zu lange vernachlässigt

Xiaomi ist nicht allein wegen der niedrigen Preise erfolgreich. Sondern weil man zum richtigen Zeitpunkt mit massivem Druck die Nachfrage der Märkte bedienen konnte. Man bietet das, was der Massenmarkt in großen Teilen der Erde verlangt. Teilweise mit extrem vielen Geräten, die unterschiedlich heißen und sich dennoch sehr ähnlich sind. Doch der Erfolg gibt Xiaomi recht.

Trotzdem kommt eine maximal aggressive Sale-Strategie hinzu. Ständig sind Xiaomi-Smartphones bei MediaMarkt und Co. reduziert, auch der eigene Store hat eine Aktion nach der anderen und bietet an 365 Tagen im Jahr „neue“ Rabatte an. Für ein Xiaomi-Smartphone muss man im Grunde genommen nie den vollen Preis bezahlen.

Zuvor konnte Huawei mit einer halbwegs vergleichbaren Strategie die Preisklassen bedienen, die HTC, Sony, Samsung, LG und Co. zu lange ignoriert haben. Ein Zeit lang dachten die damals etablierten Marken wohl, dass auch jedes andere Unternehmen den Premiummarkt wie Apple bedienen kann, doch das war ein großer Irrtum.

Das Potenzial der Niedrigpreise haben jetzt auch andere erkannt

Wie richtig Xiaomi mit seinen Entscheidungen liegt, zeigt die Reaktion der Konkurrenz. OnePlus hat jahrelang nur Flaggschiffgeräte angeboten und will jetzt auch große Stückzahlen verkaufen. Nun bietet man zusätzlich Smartphones an, die sehr günstig sind und ursprünglich vom Schwesterunternehmen Oppo stammen. Das spart Geld und ermöglicht tiefe Preise.

Oppo (Realme) und Vivo sind inzwischen ebenfalls international auf dem Vormarsch, nachdem sie jahrelang nicht den Schritt in den Westen gewagt haben. Sogar Google bewegte sich letztes Jahr in diese Richtung. Bei allen stellt sich unterm Strich die Frage, wer die besten Pakete für die niedrigsten Preise bietet und dazu das lauteste Marketing umsetzen kann.

Denny Fischer

Gründer und amtierender Chef von SmartDroid.de, bloggt hier und nur hier seit 2008. Alle Anfragen an mich, in den Kommentaren oder über die verlinkten Netzwerke.

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1 Kommentar

  1. Preiswerte und zugleich GUTE Telefone sind an sich schon mal super. Bestes Beispiel dafür: die Pixel-A Serie, Galaxy A-Serie und halt Xiaomi.
    Nur was nützt das, wenn von 20 (!) Modellen ausnahmslos ALLE riesige Phablets sind? Dann wird das halt nicht gekauft, so günstig die auch sind.

    Auch Motorola hatte zuletzt super Preis-Angebote für die G-Serie und andere Modelle, teils um nur noch 100 (!) €. Aber auch nur Phablets, also kein Kauf.

    Hier in der Familie wird partout kaum mehr neu gekauft, weil man nix kompaktes, günstiges und gutes mehr bekommt.

    Entweder waren kompakte Telefone zuletzt totale Gurken, oder aber als Highend zu teuer für viele.

    WEG MIT DER GANZEN PHABLET-SCHEISSE !!!

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