Lenovo hat neben Motorola auch noch die Eigenmarke ZUK am Start, von der wir jetzt das recht auffällige Edge testen konnten. In Deutschland war sicher das ZUK Z1 das bekannteste Smartphone dieser Marke in den vergangenen Jahren, denn es konnte einen richtig niedrigen Preis für – zum größten Teil – High-End-Hardware bieten. Eine gute Kombi also, die auch in Testberichten ganz gut abschneiden konnte. Aber was hat sich innerhalb der letzten zwei Jahre getan?

Unter anderem brachte die Marke das sogenannte ZUK Edge gegen Ende des vergangenen Jahres hervor und wir konnten das Smartphone jetzt dank einer Bereitstellung durch TradingShenzhen ausprobieren. Aufgrund seiner Ausstattung ist es unfassbar interessant, denn trotz Snapdragon 821 liegen wir hier sogar bei unter 350 Euro für das importierte Gerät. Selbst das größere Modell mit 6 GB RAM Arbeitsspeicher ist noch für deutlich unter 400 Euro zu haben und damit theoretisch auch eine Alternative zum OnePlus 3T.

Designed by Lenovo

Während man bei Honor keinen Querverweis zu Huawei finden kann, mal abgesehen vom gemeinsamen Online-Shop, wirbt man bei ZUK direkt mit „Designed by Lenovo“. Was auch immer das im Detail heißen mag, Lenovo wirbt mit dieser Marke auch für sich selbst. Neu ist das nicht, Lenovo packt auch auf aktuelle Motorola-Geräte das eigene Logo drauf und versucht sich nicht zu verstecken.

Beim ZUK Edge gibt es es gemischte Gefühle bzgl. des Designs, denn ein Teil davon ist unfassbar langweilig und üblicher Standard, während ein anderer Teil deutlich auffallen will. Grundsätzlich wirkt das Gerät sehr eckig, was ich zwar optisch irgendwie ganz cool finde, aus haptischer Sicht aber bemängeln muss. Der ein oder andere mag sich an meinen Xperia XZ Testbericht erinnern.

Besonders auffällig ist selbstverständlich die Vorderseite, da die Entwickler und Designer den Rahmen rundum das Display sehr schlank halten konnten. Trotz Fingerabdrucksensor an der Vorderseite und gleicher Displaydiagonale von 5,5″, ist das ZUK Edge deutlich kürzer als mein Moto Z. Und auch in der Breite hat es etwas weniger, was durchaus der Einhandbedienung zugutekommt.

Große Unterschiede trotz 5,5″ vs 5,5″

Zusammengesetzt ist das ZUK Edge aus zwei Glaspanels und einem Rahmen aus Metall. Alles heutiger Standard, unfassbar viele Geräte ähneln sich da leider sehr. Die Verarbeitung wiederum ist echt gut und trotz des vergleichsweise nur gefühlt dicken Gehäuses (7,68 mm) liegt das Edge nicht gerade schwer (160 g) und unangenehm in der Hand. Nur die relativ eckigen Ecken, die stören mich im Vergleich zu anderen Geräten doch sehr.

Multimedia mit Schwächen

Verzeihbare Schwächen zeigen sich in dieser Kategorie, einfach weil der Preis von unter 400 Euro weiterhin über dem Edge schwebt. Zwar ist das 5,5″ Display mit seiner Full HD-Auflösung insgesamt durchaus gut, lässt aber leider in der Farbwiedergabe ein paar Prozente vermissen. Andere Geräte, wie das Moto Z oder Huawei P10, holen aus den angezeigten Farben einfach mehr raus und wirken deutlich satter. Zumindest im direkten Vergleich fehlt dem Edge-Display ein wenig Leben. Dafür sind die Blickwinkel stets stabil, die maximale Helligkeit ordnet sich nur knapp hinter dem Huawei P10 ein und Full HD ist als Auflösung locker ausreichend.

Spürbar ist das abermals verbaute 2.5D Glas, welches zu allen Seiten abgerundet ist. Trotz des sonst eckigen Gehäuses fühlt sich das Display dadurch schön weich an, man spürt bei der Bedienung keine harten Kanten an den Rändern des Displays. In den Einstellungen kann man die Farben leider nicht korrigieren, hier lässt sich nur ein Nacht-Modus aktivieren und die allgemeine Wärme/Kälte der Anzeige einstellen.

Kamera ist üblicher Schwachpunkt

Was sich beim Lesen des Datenblatts zuweilen noch ganz gut anhört, mag in der Praxis leider doch hinter den Erwartungen zurückbleiben. Natürlich wirft man damit um sich, dass die Kamera 1,34 um große Pixel hat, der Sensor zudem auf die ISOCELL-Technik setzt, doch unterm Strich wollen die durch eine f/2.2 Blende geschossenen 13 MP Fotos nicht so ganz überzeugen. Fast immer ist die Kamera ein Schwachpunkt solch günstiger Geräte und da ist das Edge auch keine Ausnahme. Egal ob viel oder wenig Licht, Teile der Fotos wirken immer ausgewaschen, unscharf oder schlicht leblos.

Streng genommen ist Lowlight fast unbrauchbar. An einem grauen Tag mit leichter LED-Beleuchtung (in der Wohnung) probiert die Kamera zwar enorm viel Licht rauszuholen, allerdings ist es nahezu unmöglich ein Bild ohne Verwacklungen hinzubekommen (siehe Trikot-Bild). Mehrere Versuche nacheinander sind nicht gelungen.

Besser gefällt mir die Frontkamera, die macht meistens gute Ergebnisse und reicht locker für das übliche Instagram-Selfie aus. Ein Vorteil gegenüber der Rückkamera ist tatsächlich die Aufnahme des Lichts, die Frontkamera übertreibt dabei nicht und bringt das Umgebungslicht realistischer rüber. Klar, der Hintergrund verrauscht stark, der Hintergrund ist bei einem Seflie allerdings meist zweitrangig. Etwas wackelig und daher verwaschen sind Selfies bei schlechtem Licht trotzdem.

Software mit kleinen Mängeln, Performance ist top

Lenovo ist abseits der Motorola-Smartphones auch bei der Software nur ein bedingt positive Ausnahme, die ZUI passt Android an vielen Ecken und Enden an. Das ist zwar nicht immer schlimm, bringt dennoch einige kleine Probleme mit sich, die mir in Summe dann doch ziemlich auf die Nerven gehen. Immerhin läuft die Software bereits auf Android 7 Nougat, die aktuelle Android-Version landete im März auf diesem Smartphone. Nicht sonderlich früh aber auch nicht viel später als bei Geräten anderer Hersteller. Ein ebenso positiver Punkt ist das Design, das nicht verspielt, bunt oder „zu asiatisch“ wirkt.

Android hat derart viele Anpassungen bekommen, dass diverse Funktionen eher schlechter sind. Bei den Benachrichtigungen beispielsweise fehlt mir, dass die Benachrichtigungen einer App auch zusammengefasst dargestellt werden. Und sollte das doch passieren, kann ich die Benachrichtigungen nicht ausklappen. Beim ZUK Edge sehe ich also nur „17 Twitter-Interactions“ als Info, während ich auf jedem anderen Gerät diese Benachrichtigung für mehr Details per Wischgeste ausklappen kann.

Weitere Probleme zeigen sich bei längerer Nutzung. LastPass beispielsweise kann trotz korrekter Konfiguration Passwortfelder nicht ausfüllen, wodurch die App für mich mobil quasi unbrauchbar wird. Zudem sind die Akkueinstellungen nicht sonderlich benutzerfreundlich, da man jede App einzeln von den Sparmodi ausnehmen muss, sollten sie aufgrund der Restriktionen nicht korrekt funktionieren. Nervig ist für mich zudem das Kalender-Widget, das nach einem Geräteneustart grundsätzlich nicht laden will und neu auf den Homescreen hinzugefügt werden muss.

(ich hatte zwar mehr Screenshots gemacht, die dummerweise vom Gerät vor dem Versand nicht gesichert)

Andere Veränderungen sind hingegen nur gewöhnungsbedürftig, wie etwa das Erreichen der Schnelleinstellungen über eine Wischgeste am unteren Bildschirmrand, die etwas anders angeordneten Systemeinstellungen und so weiter. Cool hingegen ist der Start mittels Fingerabdruck von Apps, der Ersatz der Navigation Bar durch Gesten für den Fingerabdrucksensor, die komplett anpassbaren Schnelleinstellungen, die erweiterte Screenshot-Funktion und ein paar andere Dinge.

Flotter Betrieb, gutes Multitasking

Unter der Haube finden wir einen Snapdragon 821 und 6 GB RAM Arbeitsspeicher, viel mehr ging zum Marktstart des Gerätes kaum und das spürt man auch. In der alltäglichen Performance ließ das ZUK Edge keine Wünsche offen, hin und wieder merkte man aber in Spielen eine fehlende Optimierung. Trotzdem liefen Real Racing 3, Modern Combat 5 oder auch Asphalt 8 zu 98 % (oder mehr) flüssig durch.

Positiv ist auch zu bewerten, dass der ohnehin zu übermäßig verbaute Arbeitsspeicher ordentlich genutzt wird. Selbst die drei genannten Spiele hält das Gerät fleißig im Arbeitsspeicher, sie lassen sich daher gleichzeitig bzw. ständig im Wechsel spielen, ohne dass Apps zu schnell beendet werden und ständig neu gestartet werden müssten.

Beim Akku muss man mit vergleichsweise wenig auskommen, viele andere 5,5″ Smartphones bieten 3500 mAh oder sogar deutlich mehr, im Edge sind allerdings nur 3100 mAh verbaut. Sogar weniger als im kleineren Xiaomi Mi 6. Dennoch sind vernünftige Laufzeiten möglich, auch bei stärkerer Nutzung kommt man gut durch den Tag. Falls nicht, lässt sich via Quick Charge schnell neue Energie in den Akku pumpen.

Sonstiges

  • Der verbaute Fingerabdrucksensor ist plan in die Frontseite integriert, der Rahmen ist sichtbar aber nicht spürbar. Insgesamt war die Performance des Sensors gut, nicht aber auf Niveau eines Huawei P10. Apropos, auch das Edge bietet Gesten an, um die Navigation Bar zu ersetzen. Kurzes Berühren für zurück, längeres Berühren für Home und von links nach rechts wischen für die App-Übersicht.

  • LTE ist bei diesem Smartphone mit dem hier so wichtigen Band 20 an Bord, das ZUK Edge lässt sich also uneingeschränkt in Deutschland nutzen. Generell sind meine Erfahrungen zu den Funkmodulen positiv, ich hatte keine Verbindungseinbrüche oder auffällig negative Leistungen beobachten können.
  • Klassisch verbaut auch ZUK den Lautsprecher des Edge an der Unterseite, was eine meines Erachtens einfach schlechte Positionierung ist. Auch ist der Klang nur mittelmäßig, weil sehr Mitten betont und ohne satte Klänge.
  • Google-Apps sind nicht vorinstalliert, können aber recht einfach nachgerüstet werden.
  • Grundsätzlich startet ein auf Werkseinstellungen gesetztes Gerät in Chinesisch, man muss die englische Systemsprache erst mal suchen.

Fazit

Ist das ZUK Edge nun eine Geheimwaffe aus dem Hause Lenovo? Da gibt es ein klares Jain! Es ist eigentlich das typische China-Smartphone, welches ausschließlich über Import-Shops bezogen werden kann und für ein Flaggschiff sehr günstig ausfällt. Während die Performance wirklich gut ist, das Datenblatt ohnehin auffällt, kann erneut die heutzutage so wichtige Kamera nicht überzeugen. Bei den restlichen Werten bleibt aber am Schluss stehen, dass es sich hierbei um ein gutes Android-Smartphone handelt.

Kaufen kann man das Gerät unter anderem bei TradingShenzhen, unser Partner hatte das Android-Smartphone für diesen Test freundlicherweise bereitgestellt.