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Chrome OS

Nur noch ein Chromebook: Mein Umstieg in 30 Tagen – Vorteile und Nachteile

Denny Fischer

Veröffentlicht

am

Chromebook 2019 Header

Kann ich heute ausschließlich mit einem Chromebook arbeiten, die Platzhirsche Windows und macOS hinter mir lassen? In den letzten 30 Tagen habe ich genau das probiert, seither war der Windows-PC nur in einer Ausnahme aktiv. Grundsätzlich will ich auf neue Hardware umsteigen, aus PC und Notebook soll wieder ein einziges Notebook werden. Dieses sollte unbedingt USB-C haben, ein Gerät ohne diesen Wunderanschluss kommt mir nicht mehr in die Tüte.

Aufgrund der mageren Auswahl war die Entscheidung schnell gefallen. Cyberport unterstützte mich bei meinem Versuch und sendete mir das Acer Chromebook 13 CB713 zu. In der höchsten Ausstattung (1W-50YY) gibt es einen Intel Core i5-8250U und 16 GB RAM Arbeitsspeicher. USB-C ist zweimal vorhanden, das 13,3″ Display löst mit QHD auf, die Tastatur ist beleuchtet und der integrierte Datenspeicher reicht mir mit 64 GB auch locker aus.

Hinweis: Zum verwendeten Gerät folgte ein separater Bericht, der sich in erster Linie um die Hardware dreht.

Spezielle Programme sind manchmal eine Hürde

Wer mit diesem Thema schon etwas vertraut ist, wird das wahre bereits Problem kennen. Es ist in der Regel nicht die Hardware, auch wenn die Auswahl in Deutschland klein ist, sondern die Software ist die Herausforderung. Chrome OS ist immerhin kaum mehr als ein Browser. Heute aber mit der Unterstützung von leistungsfähigen Web-Apps (PWA) und Zugriff auf Android-Apps.

Für meinen Usecase kann Chrome OS aber schon ausreichen. Ich arbeite zu 99 Prozent im Browser, im Grunde braucht es im Alltag nur ein Tool brauchbares zur einfachen Bildbearbeitung. Inzwischen habe ich mit Photopea ein recht umfangreiches Tool gefunden, das im Web in Chrome auf jeder Plattform nutzbar ist.

Photopea Screenshot

Das große ABER ist in den Anwendungen zu finden, die ausschließlich für die großen Desktop-Plattformen angeboten werden. Wobei sich das inzwischen auch bessert, selbst die Wiso Steuer wird heute alternativ als Web-App bereitgestellt und ist damit unabhängig vom Betriebssystem. Das von den Plattformen unabhängige Angebot wächst, das ist sicher.

Anders sieht das natürlich bei wirklich speziellen Tools aus. Ein volles Photoshop mit allen Feinheiten gibt es nicht, auch eine umfangreiche Videobearbeitung könnte eher schwierig werden. Zudem haben Web-Apps trotz vorhandener Systemleistung spürbar zu kämpfen, wenn bearbeitete Dateien mal etwas größer ausfallen.

Usecase vor wenigen Tagen: Ich musste eine Elster-Datei öffnen (Steuer). Mit dem Chromebook war ich chancenlos, das eingestaubte Backup-Thinkpad musste dafür herhalten. Bislang sind mir solche Szenarien sonst allerdings erspart geblieben, doch man wird sie immer mal wieder bewältigen müssen. Trotzdem fehlt oft die Alternative, für diverse Anwendungsszenarien gibt es nur eine einzige gute App. Friss oder stirb, damit muss man klarkommen.

Update 13. September 2019: Nach mehreren Monaten ist klar, dass bislang die Elster-Steuer das größte und einzige „Problem“ darstellte. Außerdem fehlt mir iTunes, weil ich mal ein Backup des iPhones meiner Frau sichern und wiederherstellen musste. /Update

Viel Leistung ist sinnvoll

In den letzten Jahren hatte ich schon immer ein Chromebook. Meist handelte es sich dabei aber um günstige Geräte, denen es an Arbeitsspeicher und Prozessorleistung mangelnde. War aber nie wirklich schlimm, für den ein oder anderen Artikel reichten die Geräte locker aus. Aber Ansprüche und Bedürfnisse ändern sich, umfangreiche Web-Anwendungen fordern auch mehr Leistung.

Mit 16 GB RAM und dem Core i5 werden meine Anforderungen jedenfalls komplett erfüllt. Das Gerät läuft flüssig, ich habe äußert selten „Wartezeiten“ und der Chrome-Browser hat genügend Arbeitsspeicher zur Verfügung. Sind nur meine alltäglichen Tabs (~15) und Apps auf , schluckt Chrome OS locker 9 GB RAM. Holla die Waldfee. Datenspeicher spielt für mich fast keine Rolle mehr, bei mir liegt alles in der Cloud.

Welche Apps ich nutze

Für den Alltag nutze ich ein Screenshot-Tool, Chrome OS hat eins an Bord und für Chrome gibt es zahlreiche konfigurierbare Erweiterungen. Für Dokumente benutze ich seit Jahren Google Docs und Tabellen, ich kann Instagram per Android-App verwenden und tue das auch bei Spotify. Ohnehin sind die nutzbaren Android-Apps in manchen Fällen durchaus praktisch.

Analytics von Google nutze ich ebenso per App, wie auch den Seitenmanager von Facebook. Twitter, Gmail, Feedly und Co kommen hingegen im Browser mit ihren Web-Apps bzw. Webseiten zum Einsatz. Ich habe einen guten Mix gefunden, da alles recht nahtlos ineinander übergeht. Trotzdem müssen Android-Apps unter Chrome OS noch etwas besser bedienbar werden.

Die kleinen und großen Probleme

Web-Apps fügen sich nicht im „Öffnen mit“ (Kontextmenü) ein. Einige Apps sind zudem nur in einer einzigen Instanz nutzbar. Zwei Fenster einer Code-App nebeneinander? Geht nicht. Mehrere Dateien gleichzeitig umbenennen? Geht nicht. Standby-Zeiten für das Display sind nicht konfigurierbar, viele Geräte haben keine von außen erreichbare Anschalttaste und es gibt kein adäquates Chrome OS-Zubehör in Sachen Peripherie (Tastatur, Maus/Touchpad).

Vermutlich würde ich bei längerer Überlegung noch mehr kleine Haken finden, die es bei Windows und macOS heute nicht mehr gibt. Dazu gehört natürlich auch, dass man bzgl. Anwendungen sehr unflexibel ist. Zumindest unter Windows könnte ich jedes Programm installieren und viele Alternativen finden, wenn mir mal jemand ein eher „seltenes“ Dateiformat zukommen lässt oder sich meine Bedürfnisse ändern.

Dafür kann ich zum Beispiel ein Foto aus dem Dateimanager per Rechtsklick direkt an die Instagram-App weiterleiten, um es dort als Storie posten zu können. Einer der Vorteile, dass diverse Mobile-only-Anwendungen unter Chrome OS wie auf dem Smartphone nutzbar sind. Aber auch da muss jedem klar sein, was er bracht und will.

Chrome OS ist simpel: Vorteil und Nachteil zugleich

Ich blogge (fast) nur. Mein Leben spielt sich im Browser ab und der ist auf allen Plattformen nahezu immer gleich. Da sich für mich der Chrome-Browser schon vor Jahren durchgesetzt hat, gibt es diesbezüglich keine bessere Plattform für mich. Hier ist mein Browser das Betriebssystem. Man gewöhnt sich daran flott, die alltägliche Arbeit macht Spaß. Aber ich weiß auch um die teilweise hohen Mauern, die nur schwer zu überwinden sind.

Eure Fragen gerne in die Kommentare!

Getestet: Acer Chromebook 13 CB713 mit 16 GB RAM

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