OnePlus 5 Testbericht: Wo bleibt das Feuer?

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OnePlus liefert mit seinem insgesamt sechsten Smartphone wiedermal ein Flaggschiff, welches diesmal sehr nah an der vermeintlichen Konkurrenz ist. Hier unser Testbericht. Mindestens 499 Euro werden für das OnePlus 5 fällig, wiedermal ist der Preis gestiegen und OnePlus hat dafür durchaus Kritik erfahren müssen. Meines Erachtens ist die Kritik aber nicht immer gerecht gewesen. Denn schon das Datenblatt verrät ein High-End-Smartphone, welches man bei anderen Herstellern erst für zusätzliche 100 – 200 Euro bekommt.

Wir haben das noch bessere Modell (559 Euro) für den Test bekommen, welches 8 GB RAM und 128 GB Datenspeicher besitzt. Im kleineren Modell gibt es immer noch ausreichende 6 GB RAM und 64 GB Datenspeicher. Ansonsten sind beide Geräte gleich, sie haben ein 5,5″ Full HD Display, eine 16 + 20 MP Dualkamera an der Rückseite, 16 MP Frontkamera, einen Snapdragon 835, Bluetooth 5, WiFi-ac, LTE und einen 3300 mAh samt DashCharge.

Gehäuse: iPhone-Look trifft gute Verarbeitung

OnePlus hat sich bei der Optik des eigenen Smartphones durchaus an Apple orientiert, zudem produziert das Mutterunternehmen mit dem OPPO R11 ein ähnliches Gerät. Natürlich spart man so Kosten ein, doch das muss für den Kunden nicht unbedingt ein negativer Faktor sein. Auch wenn das OnePlus 5 eher langweilig ausschaut, einfach weil es optisch nicht viel mehr als eine Kopie des aktuellen iPhones sein mag, sind Haptik und Verarbeitung nahezu tadellos.

OnePlus 5 Testbericht

Besonders das an der Rückseite zu beiden Seiten spürbar dünner werdende Gehäuse liegt gut in der Hand und hat eine ganz eigene Haptik. Vom iPhone ist hier nichts zu spüren. Ich mag das. Durch das matt lackierte Metall ist das Gehäuse etwas rutschig, lag mir aber nie zu unsicher in der Hand. Negativ sind die enormen Ausmaße des Gerätes, da bin ich zuletzt durch das Samsung Galaxy S8 und LG G6 doch sehr verwöhnt gewesen.

OnePlus 5 Testbericht

Insgesamt macht das Gehäuse des OnePlus 5 einen guten Eindruck, auch wenn es an Mut und Modernität fehlt. Es gibt aber doch einen Haken bzgl. der Verarbeitungsqualität, über welchen wir bereits berichteten. Rundum die leider ständig aufliegende Kamera löst sich der Lack des Rahmens ab. Nervige Sache, die einfach nicht so schnell auftreten darf. Egal ob das Gerät 300, 500 oder 700 Euro kostet. Wir wissen noch nicht, was der Support dazu sagt.

OnePlus 5 Kamera Farbe löst sich

Kamera: Es hätte auch eine gereicht

Ich gehe ja bekannterweise relativ laienhaft an den Test der Kamera, denn mir persönlich müssen die Fotos insgesamt einfach nur gut gefallen. Ein Blick in die Details kommt aber natürlich auch bei mir vor, doch am Ende überwiegt der erste Eindruck der Fotos, den ich direkt auf dem Smartphone und am PC gewinne. Grundsätzlich kann ich festhalten, dass man die zweite Kamera hätte weglassen können. Dualkamera? Für mich in diesem Fall kein Vorteil.

OnePlus 5 Kamera

Zwar ist der Portraitmodus mit simuliertem Bokeh nett, wirkt aber immer irgendwie zu künstlich und bei schlechtem Licht verwackelt die Kamera zu schnell. Einfach weil keine optische Bildstabilisierung vorhanden ist. Der zusätzlich verfügbare Zweifach-Zoom, der dank zweiter Telekamera verfügbar ist, schien mir im Alltag nicht einmal nützlich. Samsung und HTC haben der Konkurrenz vorgemacht, dass eine einfache aber dafür überragende Kamera die bessere Entscheidung sein kann.

Ich nutzte also in der Regel die Hauptkamera im Automatikmodus, in welchem sie eigentlich immer überzeugen konnte. Zwar fehlt gewissermaßen das besondere Etwas und in der Tiefe eine passende Qualität, damit diese Kamera mit der tatsächlichen Oberklasse mithalten könnte, ich sehe dafür allerdings keine großen Mängel und eine insgesamt beständige Qualität.

Schlichte und schnelle Kamera-App ohne Schnickschnack.

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Power ohne Ende, starke Software, lange Akkulaufzeit

Für ein LG G6 musste man 750 Euro ausgeben, für 250 Euro weniger bekommt man das OnePlus 5 mit neuerem Prozessor, mehr Arbeitsspeicher und Datenspeicher. Daran erkennt man nach wie vor gut, dass OnePlus noch immer mit günstigen Preisen in den Markt drängen will und sich durchaus gegen die große Konkurrenz behaupten kann. Ich enthülle vermutlich keine Geheimnisse, wenn ich euch über die überragende Performance des Snapdragon 835 unterrichte.

Arbeitsspeicher ist ohnehin viel zu viel vorhanden und dieser wird auch noch von der Software gut genutzt. Egal was ihr mit dem OnePlus 5 macht, es wird euch nie enttäuschen und die bestmögliche Performance abliefern. Ungelogen, dagegen wirken selbst aktuellste Geräte anderer Hersteller irgendwie etwas träge. Einen großen Teil dürfte auch die Software beitragen, da OnePlus nahezu Stock-Android ausliefert. Nur auf einem Google Pixel starten Apps vergleichbar schnell und beständig ohne Ruckler.

Stock-Android ohne Schnickschnack

Ein paar optionale Gesten sind an Bord, es gibt Scrollshots, ihr könnt die Systemfarben ändern und die Tasten zur Steuerung des Systems lassen sich an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Ansonsten erinnert alles stark an das originale Android, wie es Google anbietet und auf den eigenen Geräten ausliefert. Gefällt mir gut. Wie auch die mitgelieferte Community-App, über die sich Nutzer untereinander austauschen können.

Der ein oder andere Nutzer mag sich aber vielleicht darüber beklagen, dass die Funktionsviefalt nicht auf Niveau von Samsung oder Huawei liegt. Hier kommt es auf die individuellen Bedürfnisse an, zudem kann man in Android viel über Apps nachrüsten.

Langläufer

Angetan bin ich von der Akkulaufzeit, denn der nur 3300 mAh gr0ße Akku liefert gute Arbeit. Ich komme damit länger aus, als es beim Galaxy S8 oder LG G6 der Fall war und auch das Huawei P10 ist nicht auf Niveau des OnePlus 5 gewesen. Ich muss bei meiner Nutzung frühstens nach 30 h wieder an die Steckdose, dabei ist das Display mindestens 4 – 5 h aktiv. Entscheidend sind für mich nicht nur diese besseren Laufzeiten, sondern auch die Konstanz, mit der ich diese Ergebnisse immer wieder mit jeder Ladung erziele.

Dennoch komme ich auf eine recht große Diskrepanz, wenn ich meine erzielten Ergebnisse mit dem OnePlus 3T vergleiche. Allerdings hat sich mein Leben seither etwas verändert, ich bin mehr unterwegs und das Gerät muss stärkere Schwankungen des Mobilfunkempfangs abkönnen. Das kann ein großer Faktor dafür sein, wie hoch der Akkuverbrauch des Gerätes ist.

Apropos Ladung, mit dem OnePlus eigenen DashCharge lädt das OnePlus 5 in wenigen Minuten ordentlich viel Akku auf und das auch noch ohne starke Hitzeentwicklung. Eine wirklich tolle Erfindung, die leider nur in OnePlus-Geräten zu finden ist. Genau das nervt mich wieder, denn fast jeder Hersteller setzt ein eigenes Verfahren für die schnelle Akkuladung ein.

OnePlus 5 Testbericht

Sonstiges

  • OnePlus verbaut ein nicht mehr ganz aktuelles aber sehr gutes FHD AMOLED Display, das bei Veränderung des Blickwinkels einen leichten Rotstich hat. Early Adopter Probleme? Ansonsten weiß das Display zu überzeugen. Ich bin der Meinung die Matrix des Panels nicht mehr zu erkennen, was beim 3T noch der Fall war. Komisch. Erwähnt sollte aber der Jelly-Effekt werden, beim langsamen Scrollen wirken die Displayinhalte wie am kurzen Gummiband gezogen (wir berichteten). Mir ist dieser Effekt zwar aufgefallen, im Alltag nun aber mehr und mehr in den Hintergrund geraten. Ich störe mich nicht mehr daran.
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Wenig moderne Displayränder
  • Beim Sound gibt es Luft nach oben, der an der Unterseite verbaute Lautsprecher klingt allenfalls okay bis gut. Ein schon fast typischer Smartphone-Lautsprecher, der keine Besonderheiten aufweisen kann. Schade eigentlich, kein Hersteller will HTCs BoomSound ernsthaft angreifen oder kann auch nur annähernd mithalten.

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  • Wiedermal verfügt das OnePlus-Smartphone über einen Alert-Slider, der über drei Stufen ermöglicht die Einstellungen der Benachrichtigungen/Klingeltöne schnell zu ändern. Äußerst praktisch. Nervig ist nur, dass ich den Slider immer aus Versehen verschiebe.

OnePlus 5 Alert Slider Screenshots

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  • Quasi keine Farbauswahl, friss oder stirb. Wer was anders haben möchte als Dunkelgrau oder Schwarz, der wird auf Folien oder Hüllen setzen müssen.
  • Ein Fingerabdrucksensor ist an der Vorderseite verbaut und macht eine wahrlich gute Figur. Es fehlt nur hin und wieder etwas zur Performance des Huawei P10. Entsperrt wird das OnePlus 5 recht schnell, zudem ist die Erkennung sehr sensibel und akkurat. Eine Gestensteuerung wäre cool gewesen, die des P10 mochte ich sehr.

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Fazit

Lohnt sich das OnePlus 5 auch bei einem Preis von mindestens 500 Euro? Definitiv kann man das OnePlus 5 empfehlen, es hat Schwächen und bietet dennoch ein starkes Gesamtpaket. Natürlich muss man mit den Straßenpreisen der bereits länger erhältlichen Geräten vergleichen, denn ab diesem Punkt wird es für das OnePlus 5 schwerer. Dennoch geht die Strategie auf, das OnePlus 5 ebenbürtiges als Flaggschiff und nicht mehr Flaggschiff-Killer anzubieten.

Weiterhin bleibt der Support ein dicker Haken, denn ein bei einem direkt in Deutschland erhältlichen Smartphone ist zum Beispiel ein Garantiefall natürlich wesentlich sicherer für den Nutzer und auch einfacher zu handhaben. Wer aber ein gutes Android-Smartphone will, das über eine große Community und solide Hardware verfügt, darf sich den Schritt nach China trauen.

UPDATE: Drei Monate später gibt es von mir ein kleines Update, ob mir das OnePlus 5 noch immer gut gefällt – hier entlang!

Wo ist das Feuer hin?

Ohne Zweifel ist das OnePlus 5 seinen Preis wert, doch der Marke geht so langsam aber sicher das Feuer verloren. Dieses Smartphone ist nur noch eines unter vielen, das sich in die lange Schlange der Flaggschiff-Smartphones nahtlos einreiht. Mir fehlt die Auffälligkeit der ersten Jahre, mal abgesehen vom aufsehenerregenden Marketing des Unternehmens. Positiv fällt man nur noch auf, weil es verhältnismäßig viel Datenspeicher gibt.

  • M. H.

    Huhu, finde den Vergleich der Akkulaufzeiten von qHD Geräten im Gegensatz zu FHD Smartphones, sowie der gefühlten „Schnelligkeit“ nicht immer ganz fair – Fhd-panels brauchen weniger Strom und die Berechnung wesentlich weniger Hardwareleistung. Ich hoffe auf das OnePlus 6 zum Vergleich, ggf dann mit neuem Display. Zum Preis von 400 Euro bekommt man schon das G6. Klingt irgendwie verlockender als die dauerhaft fixen 500 Euro für das One+5T.

  • AyoTec

    Guter Bericht. Sehe ich genauso.

  • Marian M

    Danke für die Foto-Galerie!
    Das machen andere Android Blogs leider selten und liefern dann nur Postkarten-große Samples. Besonders die EXIF Daten liefern viel Aufschluss über das Verhalten einer Kamera in bestimmten Situationen.

    Ansonsten sehr schlüssige Review. Weiter so!

    edit: Leider fehlen die EXIF Daten doch bei den meisten Fotos (wahrscheinlich um den Standort zu verstecken). Dennoch danke :)

    Mal eine Frage zur Kamera:
    Wie sehr kommt es im Lowlight zu Verwacklern aufgrund der niedrigen Verschlusszeiten und dem fehlenden OIS? Merkt man das beim „Handling“?

    • Bei der rückseitigen Kamera geht es eigentlich ganz gut ohne OIS, selbst mitten in der Nacht nach paar Bier empfand ich die Fotos noch als relativ klar. Abgesehen von der Qualität in den Details. Die Frontkamera hat da eher Probleme, in der Galerie sind ja Beispiele bei, auf denen mein Gesicht verwaschen wirkt.