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Smartphone trifft Geländewagen: Land Rover Explore im Test

Jonathan Kemper

Veröffentlicht

am

Das erste Smartphone von Land Rover erschien letztes Jahr. Selbstbewusst ist der Name großflächig auf der Front zu lesen. Doch schafft es der Hersteller, den Allradantrieb in die Hosentasche zu bringen?

Vor allem als etwas gehobenere Automobil-Marke gehört es inzwischen schon ein bisschen zum modernen Image, auch ein Smartphone in seinem Portfolio zu wissen. Das kann der gut betuchte Geländewagen-Fahrer dann neben dem Felgen-Upgrade oder den getönten Rückscheiben einfach mit in den Warenkorb legen. Und da spielt Preis auch nicht unbedingt so eine große Rolle: 649 Euro verlangt Land Rover für ein technisches Mittelklasse-Gerät aus dem letzten Sommer mit interessantem Zubehör.

Land Rover Explore: Robustes Auto-Smartphone soll zum MWC 2018 kommen

Land Rover auf unbekanntem Terrain

Für Outdoor-Smartphones habe ich ja ein besonderes Faible. Als ich 2015 für ein paar Monate durch Nordamerika gewandert bin, hatte ich das Simvalley SPT-900 dabei. Wäre es mir nicht freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt worden – ich hätte es nicht unbedingt mitgenommen. Zwar war es robust wie sonst was und hielt auch in reinem Podcast-Betrieb vier Tage durch, wirklich Spaß hat die Bedienung auf dem miesen Display aber eh nicht gemacht. Viel zu teuer war es für damalige Verhältnisse obendrein.

Seitdem habe ich das Genre, falls man es so bezeichnen mag, eher mit Skepsis betrachtet. Die Bullitt Group, die auch für die Fertigung des Land Rover Explore verantwortlich ist, hatte in Zusammenarbeit mit CAT bereits interessante Ergebnisse erzielt. Abseits dessen sieht es eher mau aus: Samsung hat die Galaxy-S-Active-Reihe in Deutschland längst aufgegeben und die Xcover-Geräte sind eher für Einsteiger gedacht. Dazu kommen Chinamarken wie Cubot und Ulefone, die jedoch mit den üblichen Kleinigkeiten die Suppe versalzen.

Outdoor-Trend? Aussterbend

Die Frage stellt sich: Wer benötigt eigentlich ein Outdoor-Smartphone? Ihr kleinster gemeinsamer Nenner scheinen bis jetzt nämlich lediglich eine harte Schale und ein hoher Preis zu sein. Wer bereit ist, viel Geld für ein Smartphone auszugeben, wird auf dem derzeitig gut gesättigten Markt schnell fündig. Und wem sein Smartphone lieb ist, hat auch das Kleingeld für eine vernünftige Hülle übrig. (So sollte es zumindest sein!)

Das Land Rover Explore hat meiner Meinung nach trotzdem eine Berechtigung. Im empfohlenen Adventure Pack liegt nämlich eine Akku-Erweiterung bei, die ein bisschen an die Moto Mods erinnert. Magnetisch klickt sie sich mit aller Kraft an die Rückseite des ansonsten recht handlichen 5-Zöllers und macht ihn zu einer echten Tatwaffe. Ungelogen, mit dem Teil lassen sich problemlos Wildkatzen erschlagen. Zwar ist der Magnet wirklich stark, die Spaltmaße sind aber fühlbar.

  • 5″ FHD TFT, Gorilla Glass 5
  • 4 GB RAM, 64 GB Speicher (microSD-Slot)
  • MTK Helio X27, Android 7.1 Nougat
  • 16 MP Hauptkamera
    8 MP Frontkamera
  • 4000 mAh Akku, Schnelllladen
  • USB-C, BT 4.1, WiFi-ac, NFC, 3,5 mm Klinke
  • Dual-SIM, GPS, APGS, Glonass
  • MIL SPEC 810G, IP68 (wasserdicht)

Klasse Karabiner

Nur in diesem Zustand lässt sich wiederum die mitgelieferte Hülle anbringen, die ebenfalls etwas enger sitzen könnte. Sie erweitert die Anbringungsmöglichkeiten um einen praktischen Karabiner. Klar, der findet jetzt so im normalen Uni- oder Home-Office Alltag nicht unbedingt Anwendung, aber: Wie cool ist das denn? Ein Karabiner! Direkt am Smartphone!

Auf einem Wanderausflug kann ich mir gut vorstellen, das Explore an meinen Rucksack zu clippen; um es am Gürtel zu tragen, ist es aber definitiv zu massiv. Der Karabiner lässt sich bei Bedarf auch entfernen oder eben als Halterung irgendwo befestigt lassen.

Der zusätzliche Akku erweitert die sowieso schon stattlichen 4.000 mAh intern um weitere 3.620 mAh und macht das Explore damit zu einem Smartphone, das wirklich niemals an die Steckdose muss. Geladen werden beide Stromspeicher über fortschrittliches USB-C, das mich ehrlich gesagt ein bisschen überrascht hat.

Akku ist eine On-Off-Beziehung

Legt man den Akku auf das Gerät, wird das mit einem sanften Vibrieren und einer Meldung auf dem Display bemerkbar. Eine Anzeige, wie viel Ladung im externen Akku verbleiben, habe ich leider vergeblich gesucht. Auch ist nicht immer ersichtlich, von welchem Akku gerade Strom gezogen wird. Meiner Erfahrung nach wird aber erst der externe, dann der interne angezapft – sinnvoll.

Der Werbung nach habe ich beim Explore größtenteils unverändertes Android erwartet – und das habe ich auch fast bekommen. Eine angepasste Boot-Animation mit dem ikonischen Logo lässt schon auf eine echte Premium-Experience hoffen… dann die Ernüchterung. Bloatware von Haus aus, Links mit hässlichen App-Icons zu Support und der Registrierungs-Page und die Wallpaper könnten auch schöner sein.

Vorbilder bleiben unerreicht

Im Vergleich zu Namen wie McLaren und Porsche, die das Gefühl von duftenden Ledersitzen und quietschenden Reifen irgendwie auch auf ein Mobiltelefon transportieren wollen, hat Land Rover hier definitiv das Nachsehen. Immerhin: Das Kamera-Symbol ähnelt seinem physischen Pendant und eigenentwickelte Apps wie das Outdoor-Dashboard sind nette Features. Hinter dem klangvollen „Explore Hub“ versteckt sich leider nur eine Schnittstelle zum Google Play Store mit ausgewählten Apps für den Natur- oder Sportgebrauch.

„Jetzt mal Tacheles, was steckt denn unter der Kühlerhaube?“, höre ich euch sagen. Das kann ich euch beantworten: Ein MediaTek Helio X27, 4 GB RAM, 64 GB Speicher, Bluetooth 4.1, Dual-Band-WiFi und NFC. Klingt – bis auf den stromintensiven Prozessor – eigentlich nach einem soliden Paket. Und das läuft im Alltag auch ganz gut, für das übliche Texten, Social Media und sogar eine Runde Hearthstone beim Pendeln reicht das aus.

LCD hell, aber auch bunt

Das LCD bereitet mir da eher Probleme, was zwar einerseits hell und leuchtend ist, andererseits aber auch ein bisschen zu farbintensiv und vor allem unresponsiv. Längeres Tippen bereitet kein großes Maß an Freude, darauf ist es aber eben auch nicht ausgelegt. Mit einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln auf 5 Zoll ist es aber angemessen hochauflösend und wird zudem von Gorilla Glass 5 geschützt.

Mir wurde das Smartphone mit Android 7 Nougat ausgeliefert und daran hat sich im Testzeitraum nichts mehr geändert. Bei GSMarena wird zwar ein Oreo-Update gelistet und ein solches wurde mir auch seitens des Herstellers versprochen, angekommen ist es jedenfalls nicht. Das könnte auch mit dem MediaTek-SoC zusammenhängen, der für mangelhafte Treiber und damit schlechtere Update-Politik steht.

Kamera qualitativ durchschnittlich, aber immer bereit

Im Land Rover Explore sind zwei Kameras, je eine auf jeder Seite. Die Hauptkamera auf der Rückseite ist mit ihren 16 MP kann mit den Dual- oder Triple-Sensor-Setups der Premium-Konkurrenz natürlich nicht mithalten, hält dafür aber auch widrigen Umständen stand. Wer wirklich tolle Natur-Aufnahmen machen möchte, greift am besten eh zur Spiegelreflex. Das Explore ist hingegen dafür gedacht, einfach nur den Moment festzuhalten.

Fazit

Ein Fazit unter das Land Rover Explore zu ziehen, ist schwierig. Wäre es einfach nur ein No-Name-Produkt aus Fernost zu einem etwas realistischerem Preis, könnte es durchaus beeindrucken. Unter dem Aspekt, das Gefühl eines Geländewagens auch in den Händen halten zu können, wurde ich leider enttäuscht. Hier habe ich mir noch ein kleines bisschen mehr Liebe fürs Detail gewünscht.

Wer aber eins der hoffnungsvollsten Outdoor-Smartphones 2018 haben, nicht auf die Neuerungen von 2019 warten und mir verzeihen möchte, dass ich auch diesen Testbericht zu lange vor mir hergeschoben habe, bekommt mit dem Land Rover Explore definitiv ein außergewöhnlichen Vertreter seiner Zunft.

Vorbildlich ist allerdings die YouTube-Kampagne, die Land Rover rund ums Explore gefahren hat. Auf dem offiziellen Kanal finden sich nicht nur nett anzuschauende Promo-Clips, sondern auch zahlreiche Tutorials zu bestimmten Funktionen.

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