Exakt drei Jahre her, dass OpenAI am 30. November 2022 ChatGPT veröffentlicht hat. Das US-Unternehmen plant schon länger die Integration von Werbung in den KI-Chatbot und nun scheint sie mit jedem Tag näher zu rücken. Entwickler Tibor Blaho hat im Code der Android-App Beta-Version 1.2025.329 Hinweise auf Anzeigen mit Begriffen wie „search ad“ und „search ads carousel“ entdeckt.

Die geplanten Werbeformate sollen sich nahtlos in den Chat-Verlauf einfügen. Branchenbeobachter rechnen mit gesponserten Antworten, die als solche gekennzeichnet werden, sowie mit Produkt- und Dienstleistungsempfehlungen innerhalb der KI-Antworten. Auch interaktive Elemente wie Buttons zum direkten Kauf oder zur Buchung sind im Gespräch.
Anders als bei klassischer Keyword-Werbung soll die Aussteuerung über „semantische Absicht“ erfolgen: Die KI analysiert eure aktuelle Anfrage und den Gesprächskontext, um passende Werbung einzublenden. Diskutiert wird auch der Einsatz von gespeicherten Nutzerpräferenzen für personalisierte Anzeigen – ein Punkt, der Datenschutzfragen aufwirft.
Werbung dürfte sich hauptsächlich an die kostenlosen Nutzer richten. Von den 800 Millionen wöchentlichen ChatGPT-Nutzern zahlen derzeit nur etwa 35 Millionen für ein Plus- oder Pro-Abo – das entspricht lediglich fünf Prozent. Plus-Nutzer, die monatlich 20 Dollar zahlen, sollen voraussichtlich weiterhin werbefrei bleiben oder deutlich weniger Anzeigen sehen, abgesehen vom Zugriff auf deutlich stärkere Sprachmodelle. OpenAI rechnet damit, dass bis 2030 rund 220 Millionen Menschen für ein Abo zahlen werden.
Der finanzielle Druck auf OpenAI ist enorm. Eine aktuelle Analyse prognostiziert, dass das Unternehmen bis 2030 nicht profitabel sein wird, trotz erwarteter Umsätze von über 213 Milliarden Dollar. Gleichzeitig benötigt OpenAI mindestens 207 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital, um seine Wachstumspläne zu finanzieren. Die Infrastrukturkosten für Rechenzentren und KI-Kapazitäten werden auf 792 Milliarden Dollar bis 2030 geschätzt.
Der Schritt kommt nicht überraschend. CEO Sam Altman hatte im Sommer bereits angedeutet, Werbung nicht grundsätzlich auszuschließen. Angesichts der finanziellen Herausforderungen erscheint die Einführung von Anzeigen nun unvermeidlich.
