Wir stecken mitten in einer Transformation, das klassische Auto wird vom Software-definierten Auto abgelöst und das Abonnement übernimmt auch hier. Der klassische Besitz eines Fahrzeugs wird trotz Kauf damit kaum noch möglich sein, wird online immer wieder kritisiert.
In vielen anderen Lebensbereichen ist es schon so. Wir kaufen etwas nicht mehr, wir mieten oder abonnieren den Zugriff auf etwas. Egal ob Filme, Serien oder Autofunktionen, der klassische Besitz wird verdrängt. Je teurer das Objekt der Begierde, desto größer ist jedoch die Kritik an dieser Entwicklung, das ist jedenfalls mein Eindruck.
Zumindest in den Foren wird immer wieder sehr viel darüber diskutiert, ob man die aktuelle Entwicklung feiern oder verteufeln sollte. Der große Fortschritt sorgt dafür, dass Autos auch lange nach ihrem Kauf noch umfassend verbessert und mit neuen Funktionen ausgestattet werden können. Der Nachteil ist jedoch, dass wir als Kunde darüber kaum noch Kontrolle haben.
Stellt euch vor, ihr kauft heute ein Auto und in ein paar Jahren entscheidet sich der Hersteller zu Werbeanzeigen auf dem Infotainment-Bildschirm. Oder er steckt plötzlich diverse Funktionen hinter eine Bezahlschranke, die bislang noch kostenlos gewesen sind, reduziert vielleicht sogar die Motorleistung. Genau diese Angst scheint umzugehen, wenn ich die Kommentare der Leute lese.
Die Angst davor, die Kontrolle abzugeben
Nicht ganz unberechtigt, denn auch Hersteller aus Deutschland verstecken einige Funktionen ihrer Autos bereits hinter Bezahlschranken und verlangen vom Kunden ein Abonnement. Irgendwie absurd, immerhin hat man das Fahrzeug womöglich zum Vollpreis gekauft und damit auch den Besitz der gesamten Hardware übernommen.
VW verkauft es uns als „Upgrade“, das sich der Kunde nach dem Kauf noch gönnen kann. Dazu gehören Funktionen wie die erweiterte Klimaanlage „Air Care Climate“, die automatische Distanzregelung ACC oder auch die Fernlichtregulierung „Light Assist“. Das sind Funktionen, deren Hardware wurde mit gekauft, aber man kann sie nur im Abonnement oder für einen weiteren Kaufpreis, tatsächlich nutzen.
Mit dem Software-definierten Auto, bei VW ab dem ID.1, könnte das Spiel noch weiter getrieben werden. Für einige bedeutet das, dass wir hier das „Ende des Eigentums“ erleben. „Ranzine“ kritisiert, dass die Hersteller nach dem Kauf noch deutlich zu viel Kontrolle über die Autos haben. „Ich bin nur ein Benutzer mit einem Login“
Man erwirbt eine Hardware-Lizenz, die jederzeit widerrufen werden kann . Wir haben uns damit abgefunden, dass ein Hersteller die Reichweite des Akkus drosseln oder die Sitzheizung deaktivieren kann, nur weil man eine Monatsrate nicht bezahlt oder das Auto gebraucht gekauft hat.
Langfristig wird das sicherlich auch bei Reparaturen eine spannende Angelegenheit. Konnte man in den letzten Jahrzehnten eigentlich jedes Auto quasi selbst oder in jeder freien Werkstatt reparieren, dürfte sich das durch die Software-Dominanz stark ändern. Geht eine Reparatur zukünftig nur noch beim Hersteller oder einer lizenzierten Werkstatt – zum extra hohen Preis?
Autopreise könnten deutlich fallen, weil Aufwand und Materialkosten sinken
Andere befürworten die Entwicklungen, denn gerade das Software-definierte Auto kann langfristig die Preise der Autos reduzieren, weil die Hardware (Kabel, Steuergeräte etc.) extrem stark reduziert wird, die Software außerdem einen grundlegenden Stack des Herstellers hat und nicht mehr für jedes Modell neu entwickelt werden muss.
Ich verstehe die Befürchtungen und die Kritikpunkte auf jeden Fall, für mich überwiegen derzeit jedoch die Vorteile der neuartigen Autos. Guckt euch an, was Tesla mit seinen Fahrzeugen seit Jahren vormacht. Es gibt regelmäßig umfangreiche Updates, neue Funktionen werden per Update nachgerüstet, es gibt im Kern keine Nachteile bei günstigeren Modellen gegenüber den Flaggschiffen.
