Wer im Google-Ökosystem zu Hause ist und die Produkte des Konzerns mag, der hat manchmal auch eine schwere Zeit. Denn Google hat seit 2006 über 299 verschiedene Produkte eingestellt. Manche Apps, Dienste und Produkte wurden erst ganz groß gehypt und sind dann auch ganz schnell wieder verschwunden. Einige davon haben heute noch Fans, die denen immer noch nachtrauern.
Ein bekanntes Beispiel ist Inbox. Die Gmail-Alternative hatte einen anderen Fokus auf den Posteingang, wurde erst ganz groß rausgebracht, dann nicht mehr so gut gepflegt und dann auch überraschend eingestellt. Als Inbox vor einigen Jahren aktuell war, sahen Bildschirmränder noch so aus:

Auch Google+, das soziale Netzwerk von Google, hatte ein paar gute Jahre und ist dann irgendwann in der Versenkung verschwunden, bis man es überraschend von heute auf morgen eingestellt hatte. Ich erinnere mich gerne zurück, wir hatten sogar einen extra Blog dafür gegründet.
Von Google Duo bis zum Pixel Tablet: Ein ständiges Kommen und Gehen
Ein äußerst bekanntes Produkt, das wirklich beliebt und erfolgreich war, war Google Duo. Der reine Video-Messenger für Smartphones war so beliebt, dass ihn Google dann doch auch wieder eingestellt hat. Man hatte sich dafür entschieden, Google Duo und Google Meet zu vereinen, allerdings unter dem Namen Meet. Google Meet war bis dahin rein auf Business-Chats fokussiert und sollte mit Zoom, Skype etc. konkurrieren. Nun steckt beides in einer App.
Auch der Google Reader, ein ganz simpler RSS-Feed-Reader, hatte wohl über 30 Millionen Nutzer, bis er dann eingestellt wurde.
Das sogenannte Google Hangouts war lange Zeit der Messenger von Google und wurde dann eingestellt zugunsten von Google Chat (dazwischen gab es Google Allo). Google Chat ist allerdings auch eher auf Business ausgelegt und weniger auf private Nutzung. Der indirekte Nachfolger für die Mobilgeräte ist der RCS-Dienst in Google Messages; darüber kann man inzwischen sogar mit iPhone-Nutzern schreiben.
Bei Geräten wie Google Glass muss man sagen, war Google einfach deutlich zu früh dran. Das Ganze erfährt jetzt allerdings ein Comeback durch die KI-Brillen mit Gemini. Wirklich wenig erfreulich sind außerdem einige weitere Hardwareprojekte verlaufen. Dazu gehört zum Beispiel das sogenannte Pixelbook, ein Chromebook, das von Google angeboten wurde.

Es gab verschiedene Modelle, es gab sogar Tablets, seit einigen Jahren ist da allerdings nichts mehr passiert. Und auch beim Pixel Tablet, das heute immer noch sehr gut ist, gibt es keine klare Strategie für die Zukunft. Im Gegenteil, ein Pixel Tablet 2 ist bislang nicht angekündigt und die erste Generation wird nicht mehr hergestellt, was deshalb einen starken Preisanstieg bei gebrauchten Geräten zur Folge hatte.
Analyse der Lebensdauer von Google-Diensten
Nun, eine umfassende Analyse der „Killed by Google“-Webseite hat ergeben, dass Google inzwischen 299 Produkte eingestellt hat. Dadurch konnte festgestellt werden, dass eine durchschnittliche Lebensdauer eines Google-Produkts bei ungefähr 5,2 Jahren liegt, bevor es dann doch wieder aus dem Portfolio entfernt wird.
Unter der Führung von Larry Page, einer der Google-Gründer, wurden zuletzt 2011 und 2012 im Zuge einer strategischen Neuausrichtung 49 Produkte in diesen zwei Jahren gestrichen. Das „schlimmste Jahr“ war allerdings 2019: Allein da wurden 37 Dienste beendet. Es gab kein weiteres Jahr, das so extrem ausgefallen ist.
2019 kam das Ende von Google+, Google Allo, Inbox, Google Cloud Messaging, YouTube Gaming und Leanback, Google Trips, Chromecast Audio und so weiter.
Üblicherweise macht Google keine riesigen Ankündigungen. Meistens erfolgt so ein Ende eines Dienstes oder eines Angebots mitten in der Woche mit einer kurzen Ankündigung. Ein bisschen anders war es zum Beispiel bei Stadia, dem Spielestreamingdienst, dem heute einige immer noch nachtrauern. Eine Option wäre da heute zum Beispiel Amazon Luna, das nun sehr an Stadia erinnert.
Schaut man in die Foren, dann trauern viele immer noch Inbox nach, aber auch Google Play Music hat enttäuschte Fans zurückgelassen. Stadia empfanden viele ebenfalls als gutes Projekt.
Die vollständige Analyse, aus der wir zitiert haben, findet ihr hier.
