Lade-Frust statt Wende: Strom tanken bleibt teuer und ein Desaster

Kommentar Schnellladen Hero

Mit dem Elektroauto in Deutschland unterwegs, das ist heute eigentlich kein Problem mehr, wenn es um das Angebot an Ladestationen geht. Ich bin jetzt auch gut vier Jahre vollelektrisch unterwegs und wir hatten maximal zweimal eine Situation, in der es blöd gelaufen ist oder gerade noch gut für uns ausging, aber meist fahre ich ab und kann sofort schnell laden.

Das größere Problem ist eigentlich die Kostenstruktur, denn diese ist weiterhin extrem undurchsichtig und dazu noch völlig überteuert. Fast generell kann man sagen, dass das Laden mit Kreditkarte oder EC zwar an immer mehr Ladestationen direkt möglich ist, ihr jedoch tunlichst unterlassen solltet. Es ist viel zu teuer, die Ad-Hoc-Preise ohne Ladekarte sind brutal.

Aber einfach nur eine Ladekarte zu verwenden, auch das ist heute „nicht mehr möglich“. Jedenfalls nicht, wenn man auf Transparenz und bessere Preise hofft. Allein bei uns in der Stadt herrscht ein schieres Durcheinander an Ladeangeboten: Aral, Total, EnBW, EWE Go, die Stadt selbst, Amperio, Lidl, Allego, enviaM – und da habe ich noch nicht mal alle genannt, an denen wir regelmäßig laden.

Zur Info an dieser Stelle: Wir laden nur öffentlich, also nie daheim. Daher laden wir oft bei Einkäufen und solchen Dingen, dank Schnelllader passt das auch immer perfekt. Und das Angebot an Ladestationen ist bei uns inzwischen richtig stark ausgebaut – nur eben mit tausenden Anbietern.

Viele Anbieter und jeder macht sein eigenes Ding

Und nein, es gibt dafür keinen Tarif, mit dem ich an jeder Ladestation einen fairen Preis erhalten kann. Und weil das so ist, nutzen wir eine Ewe Go-Karte, mit der ich immerhin an jeder Ladestation einen einheitlichen Preis bekomme und nicht das böse Erwachen bei der Montsabrechnung. 65 Cent sind jedoch kein Schnäppchen, besonders nicht im Winter auf der Autobahn.

Warum mache ich das Thema wieder auf? Weil ich gerade bei reddit über einen Beitrag gestolpert bin, der genau diesen Punkt behandelt. Jemand wollte wissen, ob ein Elektroauto für ihn im Alltag taugt – er holte sich testweise einen Polestar. Merkte dann aber, dass der Stromer im Alltag wesentlich teurer ist, wenn man kein Studium für Ladeanbieter und Tarife absolviert hat.

Besonders interessant ist: Es gibt keinen guten Tipp in den zahlreichen Kommentaren. Jeder hangelt sich irgendwie durch. Die einen machen die Ladeplanung mit weiteren Apps zur echten Wissenschaft, die anderen erzählen was von Tesla-Superchargern (die es in meiner Region quasi nicht gibt), wiederum andere erstellen ständig Excel-Tabellen – keiner hat die erhoffte „einfache“ Antwort.

Das liegt daran, dass es keine einfache Antwort gibt. Weil es sich teilweise sehr schwer planen lässt, immer dieselben Ladeanbieter anzufahren und daher von ihren Preisen mit dem richtigen Tarif zu profitieren, ist das Laden des Elektroautos teilweise sehr teuer und im Vergleich mit dem Verbrenner geht der Kostenvorteil flöten.

Transparenz weite gesunken, da Roaming-Preise variieren

Längst ist das Abonnement kaum mehr eine Lösung, denn oftmals bieten diese Abos nur günstige Preise für die eigenen Ladesäulen an, aber eben nicht für andere Anbieter. EnBW war zum Beispiel mal gut, bis sie mit neuen Tarifen die Roaming-Anbieter aus ihren günstigen Einheitspreisen rausgenommen haben. Auch als ADAC-Mitglied guckt man in die Röhre, das lohnt sich nur noch mit Aral.

Technisch gesehen macht mir das Laden meines IONIQ 5 durchaus Spaß, es funktioniert tadellos und schnell. Aber ich habe aufgegeben, unterwegs günstig oder zumindest zu fairen Preisen laden zu können und damit bin ich offensichtlich nicht allein. Schaue ich nicht aufs Geld, bin ich aber fein raus.

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7 Gedanken zu „Lade-Frust statt Wende: Strom tanken bleibt teuer und ein Desaster“

      1. Tesla hat die günstigsten Lader und sind für die Strecke von A nach B gedacht. Natürlich sollte man Zuhause eine Drehstrom Steckdose haben, damit man mit einem 150€ Stecker günstig laden kann. Trotz allem sind die Supercharger von Tesla für die Langstrecke perfekt.

  1. Meine (Milchmädchen-) Rechnung:
    E-Auto verbraucht auf 100km ca. 18 kWh, sind bei 0,65€/kWh =11,7 €/100km,
    mein Benziner: ca. 7 l/100km, macht bei Benzinpreis E10 von 1,70€ = 11,9€/100km.
    Warum bitte schön sollte ich ein E-Auto fahren, welches in der Anschaffung etliche 1000€ teurer ist, um in ständiger Angst nach der nächsten Ladestation zu schauen und beim „E-Tanken“ mir die Zeit mit evtl. einer Tasse Kaffee (wieder Kosten!) vertreibe? Nein, solange es möglich ist, fahre ich einen Benziner und mache mir nach dem Volltanken erst mal keine Sorgen um Ladestopps. Aus Kostengründen überhaupt keine Alternative!

    1. Ja, das ist die Milchmädchenrechnung, die jedem Stammtisch auf den Bierdeckel gekratzt wird.
      Leider ist das leben kompexer als gedacht.
      Deine Angaben sind schon mal Worst case und best case.
      Mein Peugeot 308 CC mit 1,6 liter Diesel hatte einen tatsächlichen Verbrauch von 6l / 100 im Schnitt. Mein Kona e 17 kwH wenn es schlecht im Winter lief.
      Am Ende des jahres, habe ich alle Kosten zusammen gerechnet. Anschaffung, Abschreibung, Wertverlust, Reparatur und Energiekosten.
      Kurz gesagt war der Kona e rund 2000€ im Monat günstiger als der 308.
      Nach drei Jahren rund 1500 bis 2000, weil die strompreise geschwangt haben.
      Immer das Gesamtbild betrachten. Der Gewinn liegt in den Gesamtkosten. Das eAuto hält das hohe Niveau länger. Der Verbrenner wird in laufe der Zeit immer teurer.

  2. Ich empfehle die Ad-hoc app, da die Preise für Ad-hoc-Laden fallen. Tesla Supercharger sind tatsächlich weiter verbreitet und auf Strecken günstiger. Mit einer Mitgliedschaft, die auch nur für einen Monat geht am günstigsten.

  3. Zu Wolfgang Zitat: „Kurz gesagt war der Kona e rund 2000€ im Monat günstiger als der 308“ – das sind 24000€ pro Jahr!!! Auch Stammtisch – wers glaubt wird selig.

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