E-Auto-Alltag: Warum Tesla, VW und Co. endlich auf 22-kW-AC-Laden setzen sollten statt nur 11 kW

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Die meisten Elektroautos unterstützen AC-Laden nur mit 11 kW, dabei würde der augenscheinlich kleine Sprung auf 22 kW eine massive Verbesserung im Alltag vieler Elektroauto-Fahrer bewirken.

Wenn über Elektroautos gesprochen wird, dann geht es ganz oft darum, dass sich die europäischen Autohersteller an die Gegebenheiten in China anpassen müssen und ihre Elektroautos entsprechend den dortigen Marktbedingungen anbieten sollten. Aber es wird sehr wenig darüber gesprochen, was eigentlich der europäische Markt will. Hier ist es immer sehr oberflächlich, es geht oftmals einfach nur um kompakte SUVs.

Aber es gibt doch andere Dinge, die in meinen Augen sehr wichtig sind und die viele Hersteller bislang auf der Strecke gelassen haben. Es geht vor allem darum, wie langsam oder schnell die Elektroautos der Marken VW, Tesla, Hyundai, Kia und so weiter standardmäßig per AC laden.

Die Diskrepanz zwischen Ladesäule und Fahrzeugtechnik

Es ist so, dass wohl die meisten öffentlichen AC-Lader in Europa bis zu 22 kW abgeben können. Die meisten Elektroautos, die man hier kaufen kann, haben aber von Haus aus das AC-Laden nur mit 11 kW an Bord. 11 kW sind aus heutiger Sicht – aber auch schon vor ein paar Jahren – ziemlich langsam und manchmal fast nutzlos.

Und blicken wir auf die meisten Elektroautos, die es in diesem Jahr dann wohl in Europa zu kaufen gibt, dann reden wir da von Akkus ab ungefähr 40 kWh und aufwärts. Das heißt, selbst der Akku eines kommenden ID. Polo, wenn wir da die Einstiegsvariante nehmen, würde bei 11 kW über drei Stunden laden müssen, um ihn von einem niedrigen Prozentsatz vollzuladen. Wie „urban“ ist das wirklich?

Praxisbeispiel: Ladezeiten im Stadtalltag

Nehme ich ein etwas größeres Auto her, zum Beispiel einen Mercedes CLA EQ oder meinen Hyundai Ioniq 5 mit über 80 kWh Akku, dann ist nach vier Stunden ungefähr erst die Hälfte des Akkus gefüllt. Oder auch anders betrachtet: Ein kurzer Besuch in einer Stadt, wo ich auf viele 11-kW- bzw. 22-kW-AC-Lader treffe, und ich bin dort zwei bis drei Stunden, dann kann ich im aktuellen Setup da maximal 20 bis 30 kWh reinladen.

Das heißt, für die relativ lange Zeit, die ich eigentlich am Ladegerät hänge, kommt recht wenig Strom in mein Auto rein. Nun, mit 22 kW wäre das Problem deutlich kleiner. In vier Stunden hätte ich damit selbst den Ioniq 5 vollständig aufgeladen. In zwei Stunden wäre schon der halbe Akku gefüllt. Für mich ein riesiger Unterschied, der nur auf den ersten Blick eher geringfügig wirkt.

Verschenktes Potenzial und ein Blick in die Zukunft

Ich denke, gerade wenn man darauf blickt, wie viele AC-Ladestationen in Städten und generell in Europa verbaut sind, dass man hier sehr viel Potenzial auf der Strecke lässt. Außerdem ist das DC-Laden nicht immer eine Option. Besonders aufgrund der Blockiergebühren und der hohen Ladegeschwindigkeit, kann man hier nicht lange stehen bleiben? Mal zwei Stunden Ausflug in die Stadt und dabei schnell laden? Da muss man zwischendurch das Auto abziehen oder Blockiergebühr schlucken.

Immerhin gibt es mit Blick auf kommende Autos kleine und gute Nachrichten, wie zum Beispiel beim Kia EV2, bei dem geplant ist, dass 22 kW zumindest als Option angeboten wurd. Das heißt, das kompakte Elektroauto wird auch in der Stadt, für die es mit seinen Abmessungen speziell gebaut ist, relativ schnell laden können.

Auch wenn DC-Laden zunehmend im Alltag der europäischen Elektroauto-Fahrer an Bedeutung gewinnt, ist Mitteleuropa bereits massiv mit AC-Ladern ausgestattet. Diese könnten besser genutzt werden, wenn deutlich mehr Elektroautos 22 kW fähig wären, was in meinen Augen auch die Nutzung dieser Stationen wieder erhöhen würde.

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