Google hat für Gemini eine Importfunktion eingeführt, mit der sich Chatverläufe und gespeichertes Kontextwissen aus anderen KI-Apps übernehmen lassen. Konkret unterstützt Google den Import aus ChatGPT und Claude. Im Europäischen Wirtschaftsraum, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich ist die Funktion allerdings noch nicht verfügbar.
Für den Chat-Import exportiert ihr eure Daten zunächst aus der jeweiligen App als ZIP-Datei und ladet sie anschließend über gemini.google.com/import hoch. Pro Tag sind bis zu fünf ZIP-Dateien mit einer maximalen Größe von jeweils 5 GB erlaubt. Die importierten Gespräche erscheinen in der gewohnten Seitenleiste von Gemini, sind aber mit einem speziellen Symbol gekennzeichnet. Sie lassen sich durchsuchen und einzeln oder gesammelt löschen. Wird eine ZIP-Datei erneut hochgeladen, ergänzt Gemini neue Gespräche und überschreibt bereits importierte.

Neben Chatverläufen bietet Google auch einen Memory-Import an. Dabei gebt ihr einen vorformulierten Prompt in eure bisherige KI-App ein, der das dort gespeicherte Wissen über euch strukturiert zusammenfasst – etwa demografische Angaben, Interessen, Beziehungen und individuelle Anweisungen. Das Ergebnis kopiert ihr anschließend in Gemini.
Das Prinzip ist nicht neu und verdeutlicht, wie stark die verschiedenen Anbieter um die Gunst der Nutzer konkurrieren: ChatGPT bleibt mit 900 Millionen wöchentlich aktiven Nutzern zwar das größte KI-Konsumentenprodukt. Doch laut einem Marktforschungsunternehmen legten die zahlenden US-Abonnenten von Claude im Jahresvergleich um über 200 Prozent zu, die von Gemini sogar um 258 Prozent. Rund 20 Prozent der ChatGPT-Webnutzer verwenden in einer gegebenen Woche auch Gemini.
Bereits Anfang März hatte Anthropic eine ähnliche Funktion für Claude eingeführt, wenn auch etwas abgespeckt. Auch dort können Nutzer per Prompt ihr gespeichertes Kontextwissen aus ChatGPT oder anderen KI-Assistenten exportieren und in Claudes Speicher übernehmen.
Ein erster Erfahrungsbericht von Digital Trends fällt positiv aus: Der Import funktioniere reibungslos, brauche bei umfangreichen Chatverläufen aber etwas Geduld. Danach fühle sich Gemini an, als würde es ein bestehendes Gespräch fortsetzen, statt bei null zu starten. Vor allem das wiederholte Erklären des eigenen Kontexts bei jedem App-Wechsel entfalle damit.
Für Leser in Deutschland ist Googles Importfunktion allerdings vorerst nicht relevant: Sie steht im Europäischen Wirtschaftsraum, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich aktuell nicht zur Verfügung. Wann Google sie in Europa freischaltet, ist nicht bekannt.
via 9to5Google
