Mit dem Elektro-SUV unterwegs: Im Winter ein Reichweiten-Alptraum auf der Autobahn?

Hyundai IONIQ 5 nach 1 Jahr Testbericht

Inzwischen gibt es wirklich gute Elektroautos mit hoher Reichweite, die auch im Winter auf der Autobahn bei recht hoher Geschwindigkeit mit dem vollen Akku sehr weit kommen. Das gilt aber freilich nicht für jedes Modell und manchmal kann das Wetter uns auch einen Stricht durch die Rechnung machen.

Anhand meines brandaktuellen Beispiels wird klar, warum wir uns zuletzt für ein Elektroauto mit großem Akku entschieden haben, obwohl im Arbeitsalltag auch ein kleinerer Akku reichen würde. Aber selbst kurze Ausflüge können unter Umständen schon fast zur Qual werden, wenn das Wetter nicht mitspielt.

Elektrisches SUV: Großes Auto mit großem Verbrauch

Unser neuestes Beispiel: Temperaturen knapp unter Null, bei der Hinfahrt noch Sonnenschein, bei der Rückfahrt starker Gegenwind, eine matschige Autobahn und schleichendes Fahren mit stellenweise nur 70 km/h durch sehr schlechte Sicht. Der Verbrauch beim IONIQ 5 nach Hin- und Rückfahrt: über 24 kWh!

Wir sind mit vollem Akku los, die Hinfahrt hat uns schon 35 Prozent gekostet für nur 117 Kilometer. Ich fahre in der Regel irgendwas zwischen 125 und 135 km/h. Der IONIQ 5 ist einfach kein Autobahn-Auto und das schon gar nicht im Winter. Die Rückfahrt hat noch einmal 5 Prozent mehr benötigt, auch weil das Wetter eine zusätzliche Rolle spielte.

SUV IONIQ 5 Verbrauch

Wie weit kommen wir? 570 Kilometer WLTP gibt der Hersteller für den großen Akku beim aktuellen IONIQ 5 an, bei den angesprochenen Bedingungen landen wir im realen Leben auf der Autobahn bei ca. 300 Kilometer Reichweite, wenn ich mir einen kleinen Puffer lasse, um noch eine nächste Ladestation zu erreichen.

Das untermauert zugegebenermaßen die Ängste vieler Leute, die ohnehin schon wissen, dass die WLTP-Angaben für den Endkunden nur ein grober Richtwert sind, aber sicherlich nicht viel mit der Realität zu tun haben. Wie bereits im Jahresfazit des IONIQ 5 erwähnt, kommen wir den WLTP-Werten nur dann nahe, wenn es wärmer ist und meine Frau ihre Pendelstrecke fährt.

Ich glaube, das gestrige Wetter war so ziemlich das schlimmste, was die meisten in Deutschland mal im Laufe des Winters erwischen können, schlimmer (kälter, mehr Schnee) ist das Wetter meiner Erfahrung nach wirklich nur äußerst selten. Dabei war bei der Rückfahrt nicht möglich längere Zeit über 100 zu fahren.

Quer durch Deutschland mit kurze Pause

Selbst unter diesen Bedingungen kommen wir aber zumindest 250 bis 300 Kilometer weit, je nach Akku-Puffer und Erreichbarkeit einer Ladestation, um dann in ca. 15 Minuten weitere reale 200 Kilometer nachladen zu können. Bedeutet für uns auch im Winter: Zwickau > Dortmund (über 420 Kilometer) mit nur einer kurzen Pause.

Für uns ist das immer noch ausreichend, aber durchaus auch ein Beweis dafür, dass bei Reichweite und Verbrauch mit den kommenden Elektromodellen schon noch etwas passieren muss, mit einem vergleichbaren Verbrenner wäre eine Pause bei der erwähnten Strecke nicht notwendig. Aber ich selbst mache bei solchen Strecken eigentlich immer eine Pause, mit Kind sowieso.

Generell kann man sagen, dass der Umstieg auf das Elektroauto in einigen Disziplinen durchaus ein großer Umstieg ist, das lässt sich nicht wegdiskutieren und ich versuche es gar nicht erst. Da müssen wir der Realität ins Auge blicken. Für uns im Alltag ist es ein absolutes Minimum, dass wir wenigstens eine Tour wie gestern machen können, ohne dabei ans Laden denken zu müssen.

Was ich aber sagen kann: Durch die Wärmepumpe spielt die Heizung kaum eine erwähnenswerte Rolle beim Verbrauch, da liegen wir selbst über Stunden bei sehr niedrigen Prozentzahlen. Man könnte bei diesem Wetter jedenfalls stundenlang im Stau stehen, ohne frieren zu müssen.

5 Gedanken zu „Mit dem Elektro-SUV unterwegs: Im Winter ein Reichweiten-Alptraum auf der Autobahn?“

    1. selbst pessimistisch gerechnet waren es für die ganze Fahrt 15€ Strom, da der Autor offensichtlich zuhause lädt, wahrscheinlich weniger. Mit nem Benziner SUV hätte man das doppelte an Benzinkosten gehabt, bei nem Diesel immerhin noch 50% mehr, mindestens!
      Das Argument ist also quatsch.

      1. wir haben von dem Konzern einige fahrzeuge im Fuhrpark. Für bestimmte streckenprofile setzen wir definitiv weiter auf den verbrenner. Der kann es einfach und das bev bleibt mit gerade im Segment VAN nicht Konkurrenzfähig. Den ionic 5 würde ich nicht direkt als suv bezeichnen. Vielleicht eine Art Crossover. vergleichbare Modelle sind als Diesel genauso effizient. Kann ich auch aus unserem Fuhrpark bestätigen. Beim öffentlichen Laden hat auch nicht jeder 5 Abos um überall günstig laden zu können….

  1. Ich hab kürzlich meine erste Langstreckenerfahrung mit einem Tesla Model Y gemacht und mich hat es überhaupt nicht gestört nach 250km kurz zum Nachladen anzuhalten. Kaffee, Toilette, Akku wieder voll und weiter. Ich verstehe überhaupt nicht, warum viele so ein Problem mit der Reichweite haben. Ich hab jetzt zwar nur die Erfahrung mit den Superchargern, aber das lief so einfach und reibungslos.

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