In meiner kurzen Testwoche mit dem aktuellen Tesla Model Y Standard gab es eindeutig mehr Licht als Schatten, das vollelektrische SUV gehört immer noch zu den besten Elektroautos in seiner Klasse und womöglich auch darüber hinaus. Hier meine Eindrücke aus einer intensiven Testwoche.
Vor wenigen Jahren war die Antwort eindeutig, wenn man die Leute nach dem besten Elektroauto gefragt hat: Tesla Model Y. 2026 sieht die Welt schon anders aus, Tesla hat unheimlich viel Konkurrenz bekommen. Dennoch ist ausgerechnet das günstigere Tesla Model Y in meinen Augen der Standard der Branche, mit dem sich auch teure Konkurrenten messen müssen.
Als mich Tesla gefragt hat, ob ich ein aktuelles Modell testen wollen würde, war für mich die Entscheidung schnell gefallen. Ich will unbedingt die Standard-Ausführung des Tesla Model Y probieren, auch wenn mir eine Performance-Variante sicherlich mehr Spaß gebracht hätte. Viel entscheidender war für mich aber: Ist der günstige Tesla immer noch gut genug?

Verarbeitung, Fahrwerk und Co: Die Qualität ist inzwischen auf einem hohen Level
Meine letzten Berührungspunkte mit Tesla waren jeweils ein älteres Model 3 und ein älteres Model Y. Ich kenne noch die alten Probleme, darunter die Verarbeitung. Was aber beim Model Y (Juniper) nach dem Einsteigen sofort auffällt, ist die tadellose Verarbeitung. Im Standard gibt es geteilte Stoffsitze, der Look einiger anderer Elemente ist darauf abgestimmt und das sieht echt gut aus.



Das Design ist bei Tesla weiterhin sehr schlicht gehalten, aber im Sichtbereich sind weiche und für das Auge angenehme Materialien verbaut. Das wirkt auf mich sehr wohnlich, strahlt eine gewisse Gemütlichkeit aus, obwohl das Fahrzeug eigentlich sehr geräumig und luftig ist. Platz für Mensch und Dinge gibt es jedenfalls genug.
Ich mag die Sitze sehr, das Lenkrad ebenfalls – fühlt sich alles nicht danach an, was man unter „Standard“ womöglich erwarten würde. Die Verarbeitungsqualität hatte im kurzen Testzeitraum keine Wünsche offen gelassen, das kann freilich nach ein paar Jahren der alltäglichen Nutzung anders aussehen, erwarte ich allerdings nicht.

Super praktisch ist die Taste für den Scheibenwischer am Lenkrad, das bedient sich angenehmer als der klassische Hebel:

Apropos Lenkrad und Display. Dass ich das gefahrene Tempo nicht hinter dem Lenkrad sehe, sondern rechts davon auf dem großen Bildschirm, ist kein echter Nachteil. Die Anzeige ist recht nah auf Höhe der Straße und das ist entscheidend. Nachts ist es sogar von Vorteil, dass vor mir kein Tachobildschirm leuchtet, das verbessert die Sicht.
Zu der guten Qualität gehört der Sound der Lautsprecher und auch das Fahrwerk. Tesla verbaut beim Standard ein schmaleres Soundsystem, aber ist zumindest auf den vorderen Sitzen immer noch voluminös und vollwertig. In den Lautstärken, in denen wir Musik im Auto hören, ist das eine sehr gut klingende Lösung.
Beim Fahrwerk hat Tesla die Probleme der alten Generationen über Bord geworfen. Endlich kann man durch eine Stadt fahren, ohne ständig Schläge in den Rücken zu bekommen. Es bleibt weiterhin etwas härter abgestimmt, aber weich genug für unser Empfinden. Es lässt auch „dynamisches“ Fahren zu und auf der Autobahn ist das Model Y selbst bei 150 km/h angenehm ruhig.
Das Lenkrad könnte bei niedrigen Geschwindigkeiten etwas leichtgängiger sein, das wäre aber auch schon der einzige Kritikpunkt. Der Wendekreis fühlt sich in Ordnung an, auf engen Parkplätzen hat man aber natürlich aufgrund der Fahrzeuggröße generell irgendwann mehr zu kämpfen. Aber da gibt es eine nützliche Hilfe, zu der wir noch kommen.
Was noch sehr gut gefällt, ist der sehr starke Antrieb. Es gibt den typischen Tesla-Punch, obwohl ich hier nicht gerade die stärkste Variante fahre. Der Schub nach vorn ist aber stets beeindruckend gut, das hörbare Surren von Akku (oder Antrieb?) finde ich dazu irgendwie sexy.
Die Optik gibt nicht viel her, umso besser ist das Platzangebot
Weil das Dach recht hoch ist, benötige ich kein Glasdach für ein Gefühl der Freiheit. Ganz im Gegenteil, hier mag ich das verschlossene Dach sehr. Das ist eine Einsparung, die absolut klargeht und mir keinen Aufpreis wert wäre.
Generell ist das Platzangebot immer noch beeindruckend. Ja, das Tesla Model Y hat noch einmal 14 Zentimeter mehr als mein Hyundai IONIQ 5, aber besonders der Platz im Kofferraum ist um ein vielfaches größer und geräumiger. In der Tiefe, in der Höhe sowieso und auch nach unten, hat das Model Y ein beeindruckendes Platzangebot.
Ihr kennt die typischen Mehrweg-Einkaufstaschen. Drei Stück davon und der Kofferraum ist vielleicht zu einem Drittel gefüllt:

Unter dem Boden gibt es nochmal ein riesiges „Loch“, wo weit mehr als nur das überlange Ladekabel reinpasst, das ist im Grunde genommen ein zweiter Kofferraum für maximalen Stauraum:

Die technische Ausstattung ist beeindruckend, aber stellenweise etwas zu viel
Auch wenn ich autonomes Fahren mit einem reinen Kamerasystem für völlige Utopie halte, ist das Paket an Kameras im Tesla Model Y definitiv beeindruckend und ein großer Gewinn im Alltag. Egal ob Spurwechsel, Einparken oder Ausparken, man hat einen sehr guten Blick in alle Richtungen und die auffällig hohe Bildqualität ist das i-Tüpfelchen.
Über den Bildschirm im Zentrum des Fahrzeugs müssen wir heutzutage nicht mehr reden, Tesla bietet den Goldstandard. Das ist intuitiv aufgebaut, reagiert in bester iPad-Geschwindigkeit und ist meilenweit von vielen Konkurrenten entfernt. Dass es kein Android Auto gibt, ist mir in diesem Fall durchaus egal, weil es Spotify, YT Music und Co. als eigenständige Apps gibt und sie funktionieren.
Oben der großzügige Bildschirm, direkt darunter Platz für zwei Smartphones mit Wireless-Charging und darunter enorm viel Stauraum für Taschen, Getränke und andere Dinge:

Apropos App: Ich habe natürlich den digitalen Autoschlüssel mit der Tesla-App verwendet. Dabei sperrt sich das Auto zu, wenn ihr mit dem Telefon außer Reichweite seid und sperrt sich auf, sobald ihr (mit Telefon in unmittelbarer Nähe) eine Tür oder den Kofferraum öffnen möchtet. Die Schlüsselkarte hat man als Backup, aber ich brauchte sie nicht einmal.
Hier und wieder ist die Modernität aber zu übertrieben. Der Blinkerhebel hat nicht das typische „Einrasten“, sondern erkennt quasi automatisch, ob ihr zum Abbiegen blinkt oder nur kurz die Spur wechselt. Allerdings hat die Erkennung immer mal wieder ihre Schwächen und das Fahrzeug hat manchmal dauerhaft weitergeblinkt, obwohl der Spurwechsel vollzogen war.
Reichweite okay, großes Manko in der Ladeplanung
Im Winter bei 0 Grad und kälter, braucht des Model Y auch nicht sehr viel weniger Energie als mein Hyundai. Aber ein wenig effizienter ist er schon und damit kommt man dann recht weit, jedenfalls für ein Elektroauto. Tesla kann auch nicht zaubern, im Winter muss man einfach öfter an die Ladestation, vor allem auf der Autobahn (über 22 kWh/100 km).
Leider bin ich nur einmal dazu gekommen, die Ladekurve mal auf die Probe zu stellen. Laut anderen Berichten sind aber gut 25 Minuten notwendig, um von 10 auf 80 Prozent zu laden, das machen andere inzwischen deutlich schneller. Tesla liegt da irgendwo in der Mitte, aber mit der nächsten Generation muss es hier wohl den Wechsel auf eine 800-Volt-Architektur geben.
In meinem Fall bin ich bei 0 Grad nach 25 Minuten mit Vorkonditionierung mit 8 Prozent rausgefahren, habe mich an einen 350 kW Lader von Ionity gestellt und konnte in ziemlich exakt 25 Minuten immerhin 46,4 kWh nachladen – bei meinem Autobahnverbrauch sind das etwas mehr als 200 Kilometer gewesen. Durchschnittlich habe ich mit 111 kW geladen, der Peak von 167 kW war nur wenige Sekunden verfügbar.
Ein Vergleich: Unter ähnlichen Bedingungen habe ich mit meinem IONIQ 5 in 21 Minuten satte 63 kWh nachgeladen. Da sieht man den Nachteil, den Tesla derzeit schon hat, wenn man mit moderneren 800-Volt-Fahrzeugen vergleicht.
Mit der Ladezeit könnte ich noch leben, die wird auch nicht jedesmal so sein, es ist nicht immer eisig kalt. Ein viel größeres Problem ist in meinen Augen jedoch die Ladeplanung, denn sie berücksichtigt in erster Linie das Supercharger-Angebot. Zumindest in Deutschland ist das grenzwertig, für mich gar nicht akzeptabel.
Ein Beispiel rund um meine Heimatstadt. Wir haben mehrere Aral-Tankstellen mit Pulse-Angebot, Ladeparks von EnBW, Total und Allego, dazu unzählige AC-Ladeangebote in der Innenstadt und auf den Dörfern nebenan, doch Tesla zeigt mir exakt 0 Ladestationen davon in der eigenen App an. Für mich ein entscheidender Punkt, keinen Tesla zu fahren, weil der Zugriff auf Ladestationen für mich zu den Top 3-Funktionen eines Elektroautos gehört.

Immerhin kann ich die Ladestationen mit einer Textsuche finden und dann klappt auch die Vorkonditionierung des Akkus – intuitiv ist das nicht. Schlussendlich sogar recht enttäuschend, dass Tesla die externen Anbieter so stark „ausschließt“, was zumindest in Deutschland ein echt großer Nachteil ist.
Die Kartenansicht im Tesla tut so, als gäbe es nahezu keine Infrastruktur für Elektroautos:

Tesla Model Y Standard: Ein sehr gutes Auto, aber nicht mehr das beste Elektroauto
Tesla war bei den Elektroauto-Aspekten ein paar Jahre vor den anderen, aber man hat durchaus viel eingebüßt. Der fehlende Fortschritt ist zumindest teilweise spürbar. Es ist immer noch ein gutes Elektroauto, aber längst nicht mehr der Goldstandard. Die löchrige Ladeplanung ist ein riesiges Manko, weil unzählige Ladestationen gar nicht erst angeboten oder berücksichtigt werden bzw. man dazu nur umständlich kommt.
Tesla hat sich in den letzten Jahre dafür entschieden, ein deutlich besseres Auto (insgesamt betrachtet) hinzustellen. Gutes Fahrwerk, tolle Verarbeitung, eine gute Materialauswahl und immer noch ein brutales Platzangebot. Ich bin das Model Y Standard sehr gerne gefahren, das muss ich schon sagen. Aber die Performance am Schnelllader meines IONIQ 5 würde ich nur noch ungern aufgeben.
Und was sagt meine Frau? Sie kann sich weiterhin nicht mit so viel Touch anfreunden und hätte gerne zumindest für Elemente wie die Klimaanlage die klassischen Kippschalter und Regler. Was ich durchaus nachvollziehen kann, auch wenn man sich meines Erachtens extrem schnell an die Bedienung eines Tesla gewöhnt.
