Seit über zwei Monaten nutze ich nun Fitbit Air und war vorher auf einem Whoop unterwegs. Die beiden Produkte unterscheidet vor allem die Preisspanne. Während Whoop ungefähr 200 Euro im Jahr kostet – und das ist noch nicht das teurere Paket –, gibt es Fitbit Air für einmalig 99 Euro. Zudem braucht es bei Whoop unbedingt dieses Abonnement, ansonsten könnt ihr die Hardware gar nicht verwenden, während Fitbit Air ohne ein KI-Abo nutzbar ist.
Ob man die KI unbedingt braucht, muss jeder für sich selbst ausprobieren. Google Health ist meines Wissens nach in einer Testphase mit den KI-Funktionen kostenlos verfügbar, das kann man ruhig mal ausprobieren. Ein wirklich hilfreicher Punkt kann schon sein, dass die KI euch sehr individuell auf euren Daten basierend beraten kann. Für Anfänger ist das sicherlich cool, um einzuschätzen, wie viel man trainieren sollte, ob man überhaupt ausreichend trainiert und wie die Regeneration aussieht.
In Deutschland ist die KI in Google Health nicht ganz so gesprächig wie die amerikanische Version. Da beschweren sich Nutzer immer wieder, dass gerade die Startseite von Google Health mit sehr viel Text voll ist. In der deutschen Version ist das meines Erachtens nicht ganz so der Fall, hier werden die Aussagen der KI relativ kurz gehalten. Dennoch ist es so, dass Google hier absichtlich eher den Chat-Stil verwendet, wichtige Daten oben jedoch in Kacheln direkten Zugriff bieten.
SmartDroid.de bei Google folgen
Die KI gibt euch jeden Tag Aufschluss über euer Training und auch über euren Schlaf. Früh fängt es damit an, dass euer Schlaf ausgewertet wird. Die von Fitbit Air gesammelten Daten könnt ihr einzeln ablesen: eure Ruhefrequenz, eure Herzfrequenzvariabilität und eure Schlafdaten. Ihr seht, wie ruhig oder unruhig ihr geschlafen habt, wie lange ihr geschlafen habt und wie euer Schlaf mit einem Score bewertet wird.
Die KI gibt euch mit einem kurzen Text einen Überblick dazu, wie euer Schlaf war und ihr müsst die Daten nicht zwingend selbst interpretieren. Auch wirklich cool ist und sehr gut funktioniert die alltägliche Erkennung von Aktivitäten. Fitbit Air sagt euch zu jedem Spaziergang, wie gut, effizient und effektiv der für euren Alltag gewesen sein könnte. Das kommt ein bisschen darauf an, wie viel ihr euch bewegt.
Ich finde es schon ganz cool, dass Fitbit Air einfach jeden Spaziergang bzw. jede Aktivität aufzeichnet und ggf. bewertet. Manche Spaziergänge laufen schneller ab, manche kürzer, manche Wege läuft man schneller oder weniger schnell. Das lässt Fitbit Air in die Alltagsbetrachtung eurer Fitness einfließen.
Dabei fällt auf, dass wirklich alle Aktivitäten zuverlässig erkannt werden. Hier kann man übrigens einstellen, ab wie vielen Minuten z. B. ein Spaziergang als solcher erkannt und als Aktivität gespeichert werden soll. Wenn ich mit meinem Sohn, der fünf Jahre alt ist, ein bisschen Fußball im Hof spiele, merkt Fitbit Air, dass ich mich gerade mehr bewegt habe als sonst. Das ist über die Sensoren wie Puls und Beschleunigungsmesser ganz gut ablesbar.
Fitbit Air bemerkt daher die Aktivität, stellt fest, dass man sich eine halbe Stunde mit moderatem Puls bewegt hat, und fragt nach, was man gemacht hat. Dann trage ich ein, dass ich Fußball gespielt habe. Das finde ich insgesamt einen etwas cooleren Ansatz, als wenn man nur die reinen Daten und Zahlen hat. Man kann dann im Feed für die Aktivitäten in einer Liste sehen, welche Aktivitäten man absolviert hat und welche Cardiolast sie verursacht haben.
Die Cardiolast ist eine Kennziffer dafür, wie belastend diese Einheit für euer kardiovaskuläres System gewesen ist. Man kann über den Tag einiges sammeln, wenn man aktiv ist, aber richtig hohe Zahlen erreicht man erst mit richtigen Trainingseinheiten. Hier finde ich cool, dass Fitbit einen Zielwert für die Woche festlegt, der von Woche zu Woche ein bisschen variiert.
Dieser Zielwert trifft bei mir ganz gut den Belastungswert, den ich mit meinen Trainingseinheiten erreichen kann und in der Woche abgearbeitet kriege, aber auch nicht stark übertreffen sollte. Wenn mir Google Health einen Cardiolastwert von 450 für die gesamte Woche ans Herz legt, dann passt der erschreckend gut.
Wenn ich in diesem Bereich liege und diese Cardiolast meistens zu 100 Prozent schaffe, habe ich die Trainingseinheiten abgeliefert, die ich abliefern wollte, ohne zu viel zu machen. Zu viel zu machen bedeutet bei mir meistens, dass ich zum Wochenende das Gefühl habe auszubrennen. Unter der Woche merke ich an einigen Tagen vor allem in den Abendstunden, dass ich schon gegen 18 Uhr hundemüde bin. Genau das kann man mit diesen Werten gut für sich selbst austarieren, und das funktioniert für mich persönlich sehr gut.

Nach diesen ersten Monaten mit Fitbit Air kann ich sagen: Die Standardarmbänder kosten 40 bis 50 Euro, was echt keine schöne Sache ist, weil sie nicht sofort den Eindruck machen, als hätten sie diesen Wert. Ich habe tatsächlich mehrere verschiedene Billigarmbänder ausprobiert, die meistens im Preisbereich von 10 bis 20 Euro liegen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich ein Armband gefunden habe, das einem Original nachempfunden ist und qualitativ in die Nähe kommt. Die Originalarmbänder sind nämlich wirklich gut.
Sie nehmen sehr wenig Flüssigkeit auf, nicht so stark wie die originalen Whoop-Armbänder, und machen nicht den Anschein, dass sie schnell Geruch entwickeln. Bei mir ist es meistens so, dass ich die Armbänder bis zum Duschen trage, sie ordentlich Seife abbekommen, ich sie am Waschbecken ausspüle und dann auf ein frisches, trockenes Armband wechsle. Mit zwei Armbändern komme ich sehr gut hin, inzwischen habe ich drei Stück. Ich habe zwei Originale und eine Stephen-Curry-Spezialversion als Nachbau für 15 Euro gekauft.

Da musste ich mir allerdings ein zweites zusenden lassen, weil das erste eine miserable Qualität hatte; das zweite ist hingegen gut verarbeitet. Die Preise der Originalarmbänder sind hoch, aber sie sind es meines Erachtens wert im Vergleich zu vielen Billiganbietern bei Amazon oder eBay.
Die Daten, die mir Fitbit Air liefert – egal ob zum Schlaf, zu den Aktivitäten, zum Pulsprofil, zur Schrittzahl oder generell zu meiner Readiness –, sind sehr akkurat zu meinem Körpergefühl. Die Readiness ist die Zahl, die Google Health aus euren Daten berechnet, wie bereit ihr für den Tag und Aktivitäten seid.
Ich habe meine drei festen Kettlebell-Sporteinheiten, die jede Woche auf jeden Fall abgearbeitet werden. Dazu mache ich meistens noch Cardio: Indoor Cycling und Joggen auf dem Laufband. Wenn ich eine grüne Readiness habe, mache ich die Cardio-Einheiten auf jeden Fall. Habe ich keine grüne Readiness, bleibe ich bei Schritten – das sind dann nicht 11.000 am Tag, was mein Mindestschnitt ist, sondern auch mal 15.000 bis 20.000 Schritte, aber ich halte mich mit Sport an diesen Tagen zurück.
Wenn ich mich an diese Vorgaben halte, kriege ich einen sehr guten Ausgleich zwischen den Sporteinheiten und der Regeneration hin. Da ist das ganze System wirklich überraschend gut, obwohl es erst wenige Monate alt ist. Ich sehe einen Vorteil darin, dass diese ganzen KI-Systeme im Hintergrund ihre Finger im Spiel haben. Allein die Menge an Daten, die Google im Vergleich zu Whoop hat, bringt für Google und letztendlich für den Nutzer einen Vorteil.
Die App ist gut gelungen: Sie funktioniert, lädt die Daten schnell und ist für mich absolut in Ordnung. Die Sensordaten sind meines Erachtens sehr akkurat zu meinem Körpergefühl und noch einen Ticken besser als beim Whoop-Armband. Überraschend dabei ist, dass die Sensorhardware im Fitbit Air schon viele Jahre alt ist. Die dazugehörigen KI-Algorithmen, um zum Beispiel die Pulsdaten auszuwerten, gleichen dieses Alter jedoch aus.
Bei einem Kettlebell-Training oder generell bei Last auf dem Handgelenk ist es für diese Geräte theoretisch etwas schwieriger, den Puls akkurat zu messen. Bei Whoop hatte ich immer wieder den Fall, egal ob am Crosstrainer oder auf dem Indoor-Fahrrad: Wenn Last auf dem Handgelenk war, ist der Puls zwischendrin für 30 Sekunden komplett abgefallen. Das war natürlich nicht die Wirklichkeit, sondern der Puls, der vom Gerät ausgelesen und angezeigt wurde. Bei Fitbit Air passiert das gar nicht.
Ich hatte es ein einziges Mal bei einem Training, dass ich eigentlich einen 130er-Puls hatte und die App für ein paar Sekunden nur 90 angezeigt hat, bevor er sich wieder nach oben eingependelt hat. Bei Whoop passierte mir das ständig. Meine Eindrücke stimmen auch mit dem überein, was andere in ihren Testberichten schreiben, wie zum Beispiel Scientific Reviews. Dort vergleicht man die Geräte deutlich aufwendiger mit Hardware wie einem klassischen Puls-Brustgurt und konnte sehr gute Werte für das Fitbit Air bestätigen.
Das untermauert meinen persönlichen Eindruck. Es ist meines Erachtens das beste Gerät, das man aktuell kaufen kann, wenn man kein weiteres Display haben möchte. Man kann es einfach am Handgelenk und daher bei sämtlichen Aktivitäten tragen, es ist sehr subtil, leicht und fällt insgesamt sehr klein aus. Die Akkulaufzeit pegelt sich auch mit vielen Trainings auf sechs bis sieben Tage ein, was sicher von Nutzer zu Nutzer unterschiedlich sein wird.
Ich nehme das Armband meistens am Schreibtisch ab, wenn der Akku zwischen 15 und 25 Prozent liegt. Dann hänge ich es 20 bis 30 Minuten an den Strom und es hat meistens zwischen 80 und 90 Prozent, wenn ich es wieder anlege. Das läuft nahtlos im Alltag. Wenn man länger als eine Woche in den Urlaub oder auf Reisen fährt, darf man das Ladegerät mit dem Kabel allerdings nicht vergessen.

Da hat Whoop zumindest bei Generation 5 den Vorteil, dass es dieses kleine Akkupack gibt. Das darf man bei längeren Reisen natürlich auch nicht vergessen, aber man kann es von außen auf das Gerät schieben und mit einem normalen USB-C-Kabel aufladen. Man braucht also wirklich nur dieses kleine Akkupack mitzunehmen. Beim Fitbit Air ist es wieder ein spezielles Kabel; wenn das verloren geht, braucht man zwingend ein neues.
Wer ein günstiges, aber sehr akkurat funktionierendes Fitness-Tracking-Tool sucht, für den macht Fitbit Air sehr viel richtig. Schaut da auch ruhig nach gebrauchten Geräten, da kommt man sicherlich deutlich unter den Originalpreis von 100 Euro. Das ist absolut meine Empfehlung.

Ich hab das Band direkt nach DE Release 2 Wochen getestet und musste es leider zurück senden. War eigentlich sehr angetan aber die für mich wichtigste Funktion – der Schrittzähler – war unbrauchbar. Hat immer 10-15% zu viel gezählt. Vergleich mit einer Garmin Fenix 7 pro Solar bei der ich sicher bin, dass die Zählung sehr genau stimmt.
Weil die ganze Be- und Auswertung der Software stark vom Schrittzähler abhängt, zumindest an den Tagen ohne andere sportlichen Aktivitäten, stimmt dann eben nichts mehr. Es gab leider auch keine Option um ein Offset einzustellen…
Funktioniert das jetzt besser, ggf durch ein Update in der Zwischenzeit?
Ich habe keine Garmin zum Vergleich und kann auch nicht sagen, welche nun „korrekter“ wäre. Bei einem Vergleich mit Whoop waren sie recht gleichauf.