Das Laden von Elektroautos macht in Deutschland relativ wenig Spaß, denn faire Preise bekommt man teilweise nur noch mit Abonnements, besonders das spontane Ad-Hoc-Laden ohne gesonderte Ladekarte / App ist saumäßig teuer und daher eher unfair bepreist.
Einigen reicht es jetzt, wie sich der deutsche Lademarkt entwickelt hat, also haben rund 70 Leute vor wenigen Tagen rund um die Hauptversammlung von EnBW gestreikt. Ein eher untypisches Bild, nicht mal bei explodierenden Spritpreisen von über 2 Euro habe ich was von Streiks mitbekommen.
Nun gut, so scheint der Organisator des Streiks kein Unbekannter zu sein, eine streitbare Person meinen einige, ein informativer Youtuber sagen andere. Zumindest hat man es in die Mainstream-Nachrichten geschafft. Die Kritik ist dennoch berechtigt und das aus mehreren Gründen.
EnBW steht sinnbildlich für nahezu alle Ladeanbieter
Es geht um mangelnde Transparenz und eine fehlende Vergleichbarkeit der verschiedenen Ladetarife. Teilweise ist es auch ultra schwierig herauszufinden, wie die Ladepreise sind, bevor man ein Abonnement abschließt. Die Anbieter, da ist EnbW nicht allein, sind hier nicht offen und transparent.
Die Kosten für den Strombezug bei den deutschen Ladesäulen variieren massiv, je nachdem, ob eine App, eine Ladekarte oder eine direkte Bezahlung per EC oder Debit-Karte genutzt wird. Mit dem richtigen Tarif können es 44 Cent sein, an der gleichen Ladestation mit Kreditkarte aber auch direkt mal 88 Cent.
Ein entscheidendes Problem ist aber erst in den letzten 24 Monaten quasi überall hinzugekommen, denn fast alle bekannten Ladetarife bieten Vorzugspreise nur noch an den eigenen Ladestationen an, bei Roaming-Partnern zahlen Kunden hingegen extrem hohe Aufschläge. Das war früher anders, auch bei EnBW bis Sommer 2024.
Bedeutet: Wenn ich einen Ladetarif von EnBW habe, der mich vielleicht 13 Euro monatlich kostet, profitiere ich von den niedrigen kWh-Preisen nur dann, wenn ich bei EnBW lade. Wenn ich unterwegs mal eine andere Ladestation aufsuche, kommt das sogenannte Roaming mit „variablen Preisen“ zustande, meist extrem teuer.
Mein aktuellstes Beispiel: Ich habe gerade einen Allego-Tarif für 9,99 Euro monatlich. Damit zahle ich bei Allego-Stationen 49 Cent je kWh am 150 kW Schnelllader und 44 Cent am 50 kW Lader. Nur 200 Meter weiter stehen EnBW-Ladesäulen, die mich exakt mit diesem Tarif 79 Cent je kWh kosten und daher 30 Cent mehr. Bei einer Ladung von 60 kWh sind das 18 Euro mehr!
Um nicht völlig überteuert zu laden, braucht es in Deutschland wenigstens eine App oder eine Ladekarte und dann auch zwingend eine Registrierung bei dem jeweiligen Anbieter. Auch das ist ein Kritikpunkt, der zur Demonstration angebracht wurde. Das ist meines Erachtens jedoch ein Sache derer, die den Markt regulieren (sollten).
Tarif-Chaos und zu hohe AC-Ladepreise
Auch online sind sich die meisten einig darüber, dass der Lademarkt in Deutschland kaputt ist. Es gibt ein krasses Tarif-Chaos, viel zu hohe Ad-Hoc-Preise und zu wenig Transparenz. Nur wenige Anbieter wie Jet, die fair bepreisen und das für alle, stechen derzeit noch positiv heraus.
Im Fokus der Kritik stehen inzwischen auch immer häufiger Stadtwerke, die langsames AC-Laden zu heftigen Preisen anbieten, obwohl sie Ladesäulen sogar gefördert bekommen haben. Das hilft alles nicht, skeptische Leute zum Elektroauto zu bewegen.
Folge SmartDroid.de jetzt bei Google„Die Technik (das E-Auto) ist super, aber das Drumherum (Laden/Preise) ist eine Katastrophe.“

Da kann ich nur beipflichten. Für die Verbrenner (Klimakiller) wird politisch alles unternommen, für Elektroautos dagegen relativ wenig. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern, solange wir Politiker aus dem letzten Jahrhundert haben.