Die ersten Generationen der ID-Baureihen sahen nicht aus wie Volkswagen und hatten auch nicht die typischen Volkswagen-Ausstattungslinien. Sie hießen nicht Life und Style, sondern Pure und Pro. Außerdem gab es keinen GTI, sondern einen GTX. Das macht VW jetzt alles anders, die Elektroautos werden zu „echten Volkswagen“.
Erst kürzlich ging der ID Polo GTI an den Start, der erste GTI mit Elektroantrieb überhaupt. Zeitgleich wurde der ID.3 Neo GTI eingeführt, eine erste elektrische Option zum Golf GTI, nur in diesem Fall mit der falschen angetriebenen Achse. Künftig kommt noch mehr, verrät Volkswagen bei den jüngsten Präsentationen neuer ID-Modelle.
Ganz neu ist jetzt auch der ID Tiguan. Leider eher ein aufgewärmter ID.4, wie der ID.3 Neo GTI auch nur ein aufgewärmter ID.3 GTX ist. Dennoch geht es in die richtige Richtung, die Elektroautos wirklich nahtlos ins Portfolio der Marke zu integrieren und Kunden die gewohnten Pakete anzubieten.
SmartDroid.de bei Google folgenFür den ID Tiguan ist mal wieder die Rede von einem R-Modell, das müsste dann noch leistungsstärker als die GTI-Versionen sein und mit Allrad angetrieben. Heute spricht VW von ca. 400 PS, die man für einen ID Tiguan R plant. Man würde damit den bisherigen ID.4 / ID.5 GTX 4 Motion überbieten, der 340 PS stark gewesen ist.

Der geplante ID Tiguan GTI soll jedoch die angesprochenen 340 PS mitbringen, hat Autoscout24 von VW erfahren. Im Vergleich zum ID.4 GTX müsste dann jedoch nur eine Achse angetrieben sein. Da kann ich mir gut vorstellen, dass man den Allrad dann vor allem für den ID Tiguan R vorbehält. Und hoffentlich fällt die begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h, werden sich einige denken.
Vor allem die 400 PS starke R-Version müsste meines Erachtens dann auch bei den Beschleunigungswerten zulegen, denn der ID.4 GTX 4 Motion war mit seinen 5,4 Sekunden auf 100 km/h nicht gerade flott unterwegs. Die meisten Alternativen sind eine Sekunde schneller oder sogar noch flotter, Benchmark ist das Model Y Performance mit 3,5 Sekunden.

Eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,4 Sekunden als „nicht gerade flott“ zu bezeichnen, halte ich für ziemlich gewagt. Noch vor nicht allzu langer Zeit waren solche Werte echten Sportwagen vorbehalten. Heute scheint offenbar selbst ein leistungsstarkes Fahrzeug nicht mehr schnell genug zu sein, wenn es nicht mit den absoluten Spitzenreitern mithalten kann.
Der Vergleich mit dem Tesla Model Y Performance hinkt zudem ein wenig: Nur weil ein anderes Fahrzeug die 100 km/h in 3,5 Sekunden erreicht, wird eine Beschleunigung von 5,4 Sekunden doch nicht plötzlich zur lahmen Angelegenheit. Schließlich reden wir hier von einem Unterschied zwischen sehr schnell und extrem schnell – nicht zwischen langsam und schnell.
Man könnte fast meinen, dass der Maßstab in der Automobilberichterstattung inzwischen so weit nach oben gerückt ist, dass der Autor in ein paar Jahren selbst 3,5 Sekunden als „nicht mehr zeitgemäß“ bezeichnen wird.
Vielleicht sollten wir wieder etwas mehr Maß anlegen: Nicht jedes Auto muss ein Beschleunigungswunder sein, um als sportlich durchzugehen.
Der entscheidende Punkt ist für mich: Der Autor darf natürlich schnellere Konkurrenzmodelle als Maßstab nehmen. Aber er sollte zwischen einer objektiven Einordnung und einer subjektiven Abwertung unterscheiden. 5,4 Sekunden sind für ein Fahrzeug dieser Klasse keineswegs langsam. Und im normalen Straßenverkehr dürfte der Unterschied zu 3,5 Sekunden für die meisten Fahrer deutlich weniger relevant sein, als es solche Vergleichswerte vermuten lassen.