Ein Prepaid-Smartphone für 50 Dollar hat genug Rechenleistung, um einen zweibeinigen Roboter zu steuern. Das zeigt PhoneBot, eine offene Roboterplattform aus dem Robotics and Mechanisms Laboratory der University of California, Los Angeles. Der Roboter läuft, verfolgt Menschen und steht nach einem Sturz wieder auf.
Smartphone sitzt im Oberkörper
PhoneBot ist 48 Zentimeter groß und wiegt 1,8 Kilogramm. In den Beinen stecken 12 Servomotoren vom Typ Dynamixel XL430, ein dreizehnter dreht den Oberkörper. Oben sitzt das Smartphone. Seine Kamera dient als Auge, sein Bewegungssensor misst die Lage des Körpers.

Die Laufsteuerung ist ein per Reinforcement Learning trainiertes neuronales Netz und läuft als TensorFlow-Lite-Modell direkt auf dem Handy. Die Gelenkbefehle gehen per WLAN an einen kleinen Einplatinenrechner, der die Motoren ansteuert. Beim Training spiegelte das Team die Bewegungsdaten zwischen linker und rechter Seite, damit der Roboter nicht ein Bein überlastet.
SmartDroid.de bei Google folgenOhne Smartphone kostet die Hardware laut den Forschenden rund 400 US-Dollar, die Servos schlagen mit knapp 24 Dollar pro Stück zu Buche. Kleine Forschungshumanoide wie Robotis OP3 oder ToddlerBot liegen zwischen 6.000 und knapp 14.000 Dollar.


Vier günstige Handys im Test
Getestet hat das Team ein Honor 9 von 2017 sowie das Moto G 2025, das Moto G 2024 und das Galaxy A16 5G für jeweils 50 bis 90 Dollar. Auf allen lief die App mit Laufsteuerung, Objekt- und Personenerkennung über ML Kit und MediaPipe sowie Sprachinteraktion. Die Erkennung belegte rund 16 bis 18 Prozent der CPU, die Laufsteuerung 6 bis 10 Prozent. Die Ortung im Raum per ARCore lief auf dem Honor 9 mangels Google-Diensten nicht.
Gespräche führt PhoneBot nicht allein. Das Handy nimmt Sprache auf, ein Laptop im selben Netz übernimmt Spracherkennung per whisper.cpp und das Sprachmodell. Die mit Piper erzeugte Antwort kommt aus dem Handylautsprecher.
Noch ohne Arme und ohne Baupläne
PhoneBot hat keine Arme und wurde nur für ebenen Boden trainiert. Die günstigen Servos begrenzen Traglast und Dynamik. Laut Paper sind Hardware und Software offen veröffentlicht, die Projektseite verlinkt bislang aber nur das Paper.
Die Idee knüpft an Intels OpenBot an, das 2021 Smartphones auf ein fahrendes Chassis setzte. PhoneBot überträgt das Prinzip auf einen Laufroboter. Für Schulen und Unis mit Schubladen voller alter Android-Geräte könnte das ein spannender Ansatz sein, sobald die Baupläne tatsächlich online stehen.
Roboter sind nicht das einzige, was man aus alten Smartphones machen kann – Google hat zum Beispiel mal eine Idee gefördert, ausrangierte Pixel-Geräte zu Cloud-Servern zu machen.
via Heise
