BYD verspricht das Laden eines Elektroautos mit großem Akku in unter zehn Minuten, doch einige Punkte sprechen durchaus gegen eine breite Verfügbarkeit dieser Technologie und auch gegen die Notwendigkeit.
Derzeit muss man sehen, dass nur ein einziger Hersteller wirklich großflächig auf Megawatt-Infrastruktur setzt. BYD will das auch in Europa realisieren, bleibt damit bislang jedoch allein. Bei uns dominieren Ladeanbieter die Infrastruktur, nicht die Autohersteller.
Warum das langsamere Schnellladen für den Anbieter von Vorteil sein kann
Und für einen Ladeanbieter ist es sinnvoll, möglichst viele Fahrzeuge laden bzw. Kunden bedienen zu können. Eine Schaltschrank-Leistung von 1.500 kW könnte man sinnvoller auf vier Fahrzeuge mit 350 kW statt auf einen einzigen Megawatt-Ladepunkt aufteilen. Zum Beispiel vier Ioniq 5, die in 18 Minuten geladen sind, statt einen Denza Z9 GT, der in 8 – 10 Minuten geladen ist.
Schlussendlich zählt für den Anbieter, dass man bei vier langsameren Ladepunkten trotzdem mehr Kunden durchschleusen könnte. In 40 Minuten wären acht Ioniq 5 geladen, aber nur vier bis fünf Denza Z9 GT. Außerdem würde man meines Erachtens die Hürde reduzieren, dass ein Kunde überhaupt die Ladepunkte anfährt.
Wenn ich sehe, dass es vier Ladepunkte gibt und alle besetzt sind, würde ich dort trotzdem eher ranfahren als bei einem einzelnen Ladepunkt. Bei dem Quartett ist die Chance höher, das nicht alle gleichzeitig rangefahren sind und ein Platz schneller wieder frei wird.
Ladezeiten wie beim Tankvorgang soll Skeptiker überzeugen
Auch andere Kunden würden lieber mehr zuverlässigere „langsame“ Schnelllader sehen als wenige Flaggschiff-Stationen. Für den Kopf vieler skeptischer Autofahrer scheint die Hürde von 10 Minuten Ladezeit dennoch wichtig zu sein, ist wie bei den ominösen 10.000 Schritten für einen „gesünderen“ Alltag.
Tatsächlich sei es in der Realität jedoch so, dass viele mit Toilettengang und „Füße vertreten“ schnell bei einer Pause auf 15 bis 20 Minuten kommen. Vermutlich auch ein Grund, warum Pioniere wie Tesla beim Schnellladen kaum Fortschritte gemacht haben, das veraltete 400-Volt-System braucht für die Ladung auf 80 Prozent über 30 Minuten!
Für unseren Alltag liegt der Sweetspot zwischen 15 und 25 Minuten. Damit kann ich in der Stadt leben, wenn wir beim kurzen Einkauf laden, aber auch auf der Langstrecke. Mein Ioniq 5 lädt bei Vorkonditionierung wirklich in 18 Minuten, was selten für echte Wartezeiten sorgt. Auch die deutschen OEMs sind da nun besser aufgestellt.
