Warum Mail-Apps auf dem Handy keine vernünftigen Push-Nachrichten hinbekommen

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Bild: Brett Jordan/Unsplash

Push-Benachrichtigungen bei Mail-Apps auf dem Smartphone sind seit Jahren ein ungelöstes Problem. Im April-Fortschrittsbericht zu seinen Mobile-Apps erklärt das Thunderbird-Team, woran das technisch liegt.

Eine Banking-App oder ein Messenger kennt seinen eigenen Server. Kommt eine Nachricht an, schickt der Server sie direkt an Google oder Apple, die sie als Push-Benachrichtigung aufs Handy weiterreichen. Ein Mail-Client hat diese Kontrolle nicht. Die Server liegen bei Microsoft, Google, Proton, Yahoo und vielen anderen Anbietern. Einen einheitlichen Push-Standard gibt es dort nicht, jeder Dienst arbeitet technisch etwas anders.

Als Notlösung fragen Apps wie Thunderbird das Postfach selbst in festen Abständen ab (Polling) und lösen dann lokal eine Benachrichtigung aus. Das kostet Akku und braucht besondere Rechte, um im Hintergrund zu laufen. Google hat diese Rechte zuletzt eingeschränkt, wodurch Thunderbirds bisherige Lösung schlechter funktioniert.

JMAP wäre eine Lösung, ist aber kaum verbreitet

Einen sauberen Ausweg böte JMAP, ein moderneres E-Mail-Protokoll. Entwickelt wurde es vom australischen Anbieter Fastmail, 2019 hat die Standardisierungsorganisation IETF daraus einen offenen Standard gemacht. JMAP ist von Anfang an für die mobile Welt gebaut, überträgt Daten effizienter als IMAP und hat einen echten Push-Mechanismus direkt eingebaut. Die App muss also nicht mehr ständig nachfragen, ob neue Mails da sind, sondern bekommt sie vom Server aktiv mitgeteilt.

Allerdings unterstützen ausgerechnet die großen Anbieter Google, Microsoft, Apple und Yahoo JMAP bisher nicht. Angeboten wird es vor allem von Fastmail selbst und einigen Open-Source-Mailservern. Solange IMAP der Standard bleibt, müssen Mail-Apps zwischen Akkuverbrauch und schneller Zustellung einen Kompromiss finden. Thunderbird hat die Push-Lösung zur Top-Priorität erklärt und will im nächsten Bericht konkrete Wege nennen.

Android-Umbau und iOS-App zum Jahresende

Abseits der Push-Baustelle arbeitet Thunderbird am Unterbau der Android-App. Die Codebasis wird modernisiert, damit neue Funktionen wie eine überarbeitete Nachrichtenliste und ein neuer Message-Reader schneller folgen können. Die iOS-Version, an der das Team parallel arbeitet, hat IMAP und SMTP weitgehend fertig und soll bis Ende 2026 erscheinen. Damit wäre Thunderbird eine der wenigen plattformübergreifenden Open-Source-Alternativen zu Apple Mail, Gmail und Outlook.

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