800 Volt und schnelles Laden: VW wird noch Jahre hinterherhinken

VW ID Unyx 09

Volkswagen hat in China das Ruder herumgerissen und mit fremder Hilfe schleunigst technologisch bessere Autos auf die Räder gestellt, die halbwegs mit dem Markt mithalten können. In Europa sieht das noch anders aus, hier geht es zunächst um Kostensenkungen und Bestandskunden.

Denn statt neuartige Modelle mit aktueller Technologie in den Markt zu bringen, konzentriert sich VW zunächst auf seine Stammkunden und transformiert bekannte Bestandsmodelle. Mit dem ID.3 bietet man eine elektrische Golf-Alternative, mit dem ID.7 sollen Passat-Kunden bedient werden und der ID.4 wird demnächst sogar direkt ID Tiguan heißen.

Auch die neuen elektrischen Kleinwagen sind keine Revolution und kein Neufang, sie sind eine notwendige Evolution und zwar vom Verbrenner zum Elektroauto. Damit will man sich gegen die Hersteller aus China wehren, die vor allen Dingen den technologischen Fortschritt nach Europa bringen. Speziell in diesem Segment hat VW jedoch den Vorteil weniger chinesischer Konkurrenten.

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ID. Polo 4

Ein Xpeng G6 lädt die 10 – 80 Prozent in unter 18 Minuten und liegt im Preisbereich des ID.4. Der Zeekr X, ebenfalls ein kompakte SUV aus China, schafft diese Ladung in einer ähnlich starken Zeit. Gleiches gilt den Hyundai Ioniq 5, der jedoch aus Südkorea kommt. Aktuelle VW-Autos liegen eher bei 25 bis 30 Minuten.

VW setzt auf 800 Volt und schnellere Ladeleistungen vorerst nur in China mit seinen Unyx-Modellen. In Europa wird man das „echte“ Schnellladen erst in ein paar Jahren anbieten. Im Labor kann man es nach eigenen Aussagen schon, aber auf der Straße wahrscheinlich erst 2030. Denn 800 Volt kommt in VW-Modellen wohl erst mit SSP an, der neuen konzernweiten Plattform für Elektroautos.

Obwohl der europäische Kunde nicht so stark auf die technischen Daten fixiert ist, wird gerade dem Elektroauto eine sehr lange Standzeit (beim Laden) angedichtet und das stimmt bei einigen Modellen auch. Es könnte daher trotz des aktuellen Erfolgs für VW in den kommenden Jahren immer schwieriger werden, gegenüber der chinesischen Konkurrenz noch die richtigen Argumente zu liefern.

Ich bin von den aktuellen VW-Modellen wie dem ID Polo und ID.3 Neo durchaus angetan, aber sie sind technisch gesehen die Schmerzgrenze. Eigentlich müsste ein Marktführer mehr liefern. Schauen wir jedoch zu anderen marktführenden Autoherstellern wie Toyota, dann ist dort der Stand der Technik auch eher Mittelmaß oder höchstens noch „ausreichend“.

„Gut genug“ kann sich schnell ins Gegenteil verkehren. Eine große Gefahr in meinen Augen, langfristig wirklich den Anschluss zu verlieren. Wir haben schon durch Tesla gesehen, dass man nur ein paar entscheidende Punkte besser machen muss, um Marktanteile von den großen Namen zu gewinnen. Was VW dabei außerdem fehlt, ist ein Ladenetzwerk mit dem eigenen Logo drauf.

800 Volt und sowas erwarte ich natürlich nicht im ID Polo, aber in den Fahrzeugklassen darüber langsam schon.

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