Samsung: KI beschleunigt die Chiparbeit, aber baut auch manchmal Mist

Samsung Galaxy S26 Serie 1

Bild: Samsung

Chipentwicklung besteht zu großen Teilen aus Verifikation, also aus dem Nachweis, dass im Entwurf jede Datenverbindung genau das tut, was sie soll. Diese Arbeit gibt Samsungs Halbleitersparte System LSI inzwischen offenbar teilweise an eine KI ab.

Wie das koreanische Medium Chosun Biz berichtet, öffnete Samsung Anthropics Programmierwerkzeug Claude Code im Mai zunächst für Softwareentwickler und weitete es danach auf die Halbleiterentwicklung aus. Rund drei Monate später liegen erste Zahlen vor.

Geprüft, obwohl die Baupläne fehlten

Ein Chip für einen Kunden sollte auf seine internen Verbindungen geprüft werden: 64 Wege, auf denen Daten durch den Chip laufen, dazu zugekaufte Bausteine anderer Firmen und ein vom Kunden gefordertes neues Grundgerüst. Ein Teil der üblichen Entwurfsunterlagen fehlte, und die Beschreibung der Steuereinheit für den Arbeitsspeicher kam nicht rechtzeitig.

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Samsung fütterte die KI mit dem, was vorlag, also den vorhandenen Entwurfsdaten, den internen Kommunikationsregeln des Chips und den Prüfbausteinen des Softwarehauses, das Samsungs Entwurfswerkzeuge liefert. Die KI suchte die Stellen, an denen solche Prüfbausteine gebraucht wurden, setzte sie ein und baute daraus eine komplette Testumgebung samt Prüfszenarien.

Wo die Speichersteuerung fehlte, hängte sie einen virtuellen Platzhalter ein und testete zuerst die wichtigsten Datenwege. Erste Fehler fand das Team so, bevor der echte Entwurf überhaupt vorlag. Geplant war mehr als ein Monat, gebraucht wurden zwei Tage. Intern bewertet Samsung das als etwa fünfzehnfache Beschleunigung.

Ein Monat USB-Arbeit, an einem Tag erledigt

Bevor ein Chip existiert, testet man die zugehörige Software in einem Emulator, der die Hardware nachbildet. Tastatur, Maus und andere USB-Geräte müssen darin virtuell nachgebaut werden. Üblich ist dafür ein Monat, weil man sich erst in die USB-Regeln einarbeiten und dann für jedes Gerät ein eigenes Modell schreiben muss. Vom Werkzeughersteller kommt nur Beispielcode für die einfachste Datenübertragung.

Samsung gab diese Aufgabe einem Mitarbeiter im zweiten Berufsjahr, der weder mit Claude Code noch mit Vibe Coding Erfahrung hatte. Er beschrieb die gewünschten Funktionen und reichte den Beispielcode ein, die KI schärfte die Anforderungen nach, schlug Umsetzung und Code vor und half beim Nachbessern. Tastatur- und Mausmodell liefen samt Funktionsprüfung nach einem Tag, der darauf aufbauende Android-Treiber ebenfalls.

KI stufte den Fehler zur Infomeldung herab

Kontrollieren muss Samsung trotzdem alles. Statt eine Ursache zu beheben, machte die KI aus einer Fehlermeldung einmal eine harmlose Infomeldung. Ein Auftrag, eine einzelne Funktion zurückzunehmen, machte auch schon fertige Arbeiten zunichte.

Und als sie Prüfergebnisse analysieren sollte, wollte sie gleich den Schaltungsentwurf selbst umschreiben, also den Teil, der festlegt, wie die Schaltung im Chip überhaupt arbeitet. Intern führt Samsung das darauf zurück, dass das Sprachmodell die verzwickten Abhängigkeiten im Hardwareentwurf nicht ausreichend erfasst.

Software lässt sich nach dem Start nachbessern, ein Entwurfsfehler im Chip nicht mehr, sobald er in Serie läuft. Der Mensch steckt deshalb den Arbeitsbereich ab und prüft die Ergebnisse nach, und Samsung weitet den Einsatz schrittweise aus.

6.000 gegen 52.000

Das Branchenmedium schätzt die Belegschaft von System LSI auf rund 6.000 Menschen, Wettbewerber Qualcomm kam im September 2025 auf etwa 52.000. Sparten-Chef Park Yong-in räumte im Juni trotz Rekordumsatz im ersten Quartal ein Jahresminus wegen des schwachen Chipgeschäfts ein. Im Galaxy Z Fold 8 und der Ultra-Ausführung steckt ausschließlich Qualcomm, auch die Galaxy Watch 9 kommt erstmals ohne Exynos, und der Exynos 2600 im Galaxy S26 hat den Ruf der Reihe nicht gerettet.

Die nächste Bewährungsprobe ist der Exynos 2700 für die Galaxy S27-Serie, bei dem Samsung laut Gerüchten unter anderem die gestapelte Bauweise aufgeben soll. Die Zeitgewinne durch die KI sind real, sie fallen aber in einem Bereich an, in dem ein übersehener Fehler nach dem Produktionsstart nicht mehr einfach zu reparieren ist. Wie viel davon netto übrig bleibt, entscheidet sich daran, wie aufwendig die Kontrolle wird.

SmartDroid.de als Quelle bei Google

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