Hyundai und Kia fahren schwere Geschütze auf, denn nach dem EV2 folgt nun der Ioniq 3 und spricht die Kundengruppe des kommenden VW ID. Polo an.
Mit einer Länge von 4,1 Meter ist der Ioniq 3 das perfekte elektrische Stadtauto für Europa, nur anders als der EV2 von Kia eher als sportlicher Crossover konzipiert. Seine Form spricht alle an, denen ein ID. Polo zu langweilig ist und ein Cupra Raval womöglich zu jung. Wir müssen jedoch anmerken, dass Hyundai hier zuerst den N Line zeigt, der hat einige zusätzliche optische Elemente.

Rund 500 Kilometer Reichweite (exakt 496 km) soll der Ioniq 3 mit dem großen 61 kWh Akku bieten können, was ein starker Wert für ein derart kleines Elektroauto ist. Am Schnelllader braucht es aber aufgrund der maximal 119 kW jedoch Geduld, weil die Ladung auf 80 Prozent erst nach rund 30 Minuten abgeschlossen ist. Wie beim Kia hat man für städtische Ladesäulen auch hier die Option auf 22 kW.
Einige fühlen sich bei diesem Anblick an den Veloster erinnert:

Hyundai hat das Fahrzeug neu konzipiert und man hat einige Parallelen mit Volkswagen. Der Ladeanschluss sitzt hier vorn und nicht hinten, dafür ist der Kofferraum mit 441 Litern geräumiger als bei größeren Verbrennern, weil es hier ein großes Zusatzfach unterm Ladeboden gibt. Es teilt sich also auf 322 + 119 Liter auf.
Vorne gibt es dafür keinen Frunk:

Ein weiteres Highlight in meinen Augen ist der neue Innenraum. Vorbei ist die Zeit der großen Tafel mit zwei Bildschirmen. Der Tachobildschirm ist nun deutlich kleiner und näher an der Windschutzscheibe, also auch näher zur Straße. Das Display in der Mitte fällt mit maximal 14,6″ deutlich größer aus, das ist Tesla-Style. In der fast klassischen Mittelkonsole gibt es Platz für ein Telefon und zwei Getränke.
Hyundai mit dem Ioniq 5 noch vieles reduzieren wollen, sieht der Ioniq 3 schon wieder wie „normale“ Auto aus. Es gibt viele sichtbare Elemente, Schalter, Hebel und Tasten, Luftauslässe, selbst der Start-Stop-Knopf existiert weiterhin.


Pleos ist das neue Betriebssystem auf Android-Basis. Es ist modern und erinnert an Fahrzeuge wie Nio oder Tesla. Es soll endlich ein richtiges App-Angebot geben, aber auch verbesserte Menüs und mehr Speed. Rund um das Lenkrad und die Klimaanlage gibt es ebenfalls einige Neuerungen, nämlich klassische Tasten und Schalter. Alles, was abseits des Touchscreens irgendwie an Touch erinnerte, ist nun wieder weg.

Ein kleines Highlight gibt es auch für hinten, da bietet Hyundai wohl einen Qi2-Charger mit magnetischer Halterung an:


Enttäuschend ist für mich der Antrieb, die maximal 147 PS beim kleinen Akku und 135 PS beim großen Akku sind echt schwach und das bestätigt der „Sprint“ auf 100 km/h, wofür der Ioniq 3 mehr als 9 Sekunden benötigt. Da ist ja wirklich gar keiner zu Hause. Das Auto ist ein Schaf im Wolfspelz, besonders der N-Line sieht eigentlich nach Sportmodell aus. Bei VW kommt man da über 200 PS.
Das Drehmoment von 250 Nm ist hingegen ordentlich, mit maximal 170 km/h kann man auf deutschen Autobahnen noch sehr gut mitschwimmen. Etwas schade, dass man nicht auch dem N-Line etwas mehr Leistung verpasst, der nach Cupra-Gegner aussehende Stromer wird gegen die 290 Nm und 211 PS des Raval Dynamic eher schlecht aussehen. Kommt dafür 50 Kilometer weiter.

Fazit nach dem ersten Eindruck? Auch dieses Auto ist hoch, obwohl es Hyundai mit dem gesamten Design eigentlich als sportlichen Kleinwagen positionieren will. Man sieht aber durch die Elektroauto-Konstruktion, dass das Fahrzeug nicht gerade „auf der Straße liegt“. Ein kompakter Crossover, dem etwas die Leistung fehlt.
Ob man im Innenraum so drastisch zurück zum „Ursprung“ musste, weiß ich jetzt auch nicht. Ich mag unseren Ioniq 5, auch wenn der Ioniq 3 innen etwas gemütlicher aussieht. Das wahre Highlight im Innenraum ist sicherlich das neue Infotainment mit Android Automotive-Betriebssystem, das nun mehr als nur Amazon Music und Soundcloud zu bieten hat.
Mit der grundlegenden Reichweite bietet Hyundai jedoch einen Kleinwagen, den man nicht täglich zuhause laden muss und das ist echt gut für viele ohne eigene Wallbox. Deshalb kommt dieses Fahrzeug auf jeden Fall in unsere engere Verlosung für mein nächstes Elektroauto, das unbedingt kleiner als unser aktueller Ioniq 5 ausfallen soll.

Naja, eher ein „Faultier im Pinguin-Pelz“…hehe…9 Sekunden für 0-100 km/h…was ne Schnecke!