Wenn ein Drittel der Reichweite übrig bleibt: Das WLTP-Problem könnte einfach gelöst werden

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Elektroautos haben noch zwei größere Probleme und das ist meistens die Autobahnreichweite sowie die Reichweite bei kälteren Temperaturen. Derweil versuchen uns die Hersteller mit den WLTP-Angaben zu verschaukeln.

Zu jedem Fahrzeug gibt der Hersteller eine WLTP-Reichweite an, dabei wird in der Regel die kombinierte Reichweite angegeben. Wenn es einen zweiten Wert gibt, dann nennen die Hersteller meistens noch den reinen Innenstadt-Wert (Low), weil diese Zahl noch größer ausfällt. Was aber keiner macht: WLTP-Angaben der Testphasen „High“ und „Extra High“ angeben.

BYD macht das beim Dolphin Surf zum Beispiel, da wirbt man mit dem großen WLTP-Wert für die Stadt:

Dolphin Surf WLTP Stadt

Tatsächlich wird WLTP in vier Phasen gemessen. Low (bis 60 km/h), Medium (bis 80 km/h), High (bis 100 km/h) und Extra High (bis 131 km/h). Das große Problem ist unterm Strich, dass beim gemischten WLTP-Wert, den die Hersteller meistens bewerben, die durchschnittliche Geschwindigkeit nur 46,5 km/h beträgt. Dass man im Alltag in der Regel schneller unterwegs ist, sobald man den Ort verlässt, weiß jeder.

Hersteller müssen Autobahn-WLTP ermitteln, geben den Wert jedoch nicht preis

Und weil der Mischwert auf einer derart niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeit basiert, dürfte es kaum verwundern, dass man mit jedem Elektroauto auf der Autobahn nicht mal annähernd die beworbenen WLTP-Reichweiten erreicht. Die einfachste Lösung für mehr Transparenz: Hersteller müssten die ohnehin ermittelten WLTP-Werte „High“ und „Extra High“ mit angeben.

Ich könnte mir dann als Kunde viel einfacher ein Bild machen, ob das Elektroauto meiner Wahl nur für die Stadt oder auch für die Langstrecke geeignet ist. Bei unserem Ioniq 5 is das zum Beispiel so, wir können den angegebenen WLTP-Wert bei der Pendelstrecke meiner Frau erreichen oder im Sommer sogar übertreffen, aber auf der Autobahn bleibt nicht mal die Hälfte übrig.

Autoexperte und Fachmann Alexander Bloch berichtete von einem Beispiel bei einem aktuellen Test, da blieb beim Autobahntest nicht mal mehr ein Drittel der WLTP-Angabe übrig. Bitter: Jetzt hat der Hersteller einen enttäuschenden Kunden und steht außerdem mangels Transparenz in einem schlechten Licht.

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1 Gedanke zu „Wenn ein Drittel der Reichweite übrig bleibt: Das WLTP-Problem könnte einfach gelöst werden“

  1. Genau dafür hab ich vor 2 Monaten ein Tool gebaut: ev-monitor.net
    Dort tragen Fahrer ihre Ladevorgänge ein (wie ein Fahrtenbuch) und dadurch ergeben sich Reichweiten, Verbräuche und Kosten – alles auf Basis realer Fahr- und Ladedaten!
    Das eintragen der Ladesessions geht mittlerweile auch voll automatisch oder man bindet seine Wallbox bei EV Monitor mit an …
    Die Seite ist OpenSource, in Deutschland gehostet, DSGVO konform und (bis auf das vollautomatische loggen) komplett kostenlos!

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