Eigentlich ist der ID Tiguan die neue Speerspitze von Volkswagen, denn er bietet mehr als der ID.7 und der noch größere Touareg wird gar nicht elektrisch angeboten. Neu ist zum Beispiel das optionale Display für den Beifahrer, was wir bislang eher bei Marken wie Audi vorgefunden haben. Aber reicht das aus?
Denn in unseren Augen macht VW auch ein paar Schritte zurück und trifft teilweise echt komische Entscheidungen. Begründet wird das immer mit dem Kundenwunsch. Doch die Modelle der Konkurrenz, die sich deutlich besser verkaufen, beweisen genau das Gegenteil.
VW ist stolz auf seine neuen Retro-Anzeigen, die beim ID Tiguan wie ein Tachometer aus dem 4er Golf wirken und zum Glück optional sind. Kann man „nostalgisch“ finden, doch es ist im Grunde genommen ein Eingeständnis, dass man für echten Fortschritt nicht so richtig und vollumfänglich bereit ist.
SmartDroid.de bei Google folgenVW traut sich den entscheidenden Schritt in die Zukunft nicht
Lieber noch bisschen was einbauen, damit auch der letzte „Diesel Dieter“ angelockt wird, statt sich mal aktiv und nachhaltig nach neuen Zielgruppen umzuschauen.
Versteht mich aber nicht falsch, nicht jeder „Rückschritt“ ist hier schlecht. Grundsätzlich ist der neue Look des ID Tiguan, der bekanntermaßen erst mal nur ein Facelift des ID.4 ist, das wesentlich bessere Design im Vergleich mit den ID-Modellen der letzten Jahre. Und auch echte physische Bedienelemente sind besser als der Touch-Müll, der nun endlich ad acta gelegt wurde.
Trotzdem weiß man beim Blick in dieses neue Cockpit nicht, ob man jetzt auf das allerneuste Elektro-Flaggschiff von VW guckt oder doch in einen Golf aus den 90er Jahren:

Ist es wirklich notwendig, so ein wenig inspiriertes Transporter-Lenkrad (zuerst hier gelesen) in das Flaggschiff zu integrieren? VW spricht hier selbst vom „Level der nächsthöheren Klasse“ und bringt dann beinahe eine vollständige Tastatur aufs Lenkrad. Ich finde, und damit bin ich nicht alleine: das passt einfach nicht zusammen.
Zumal VW in China selbst beweist, wie ein modernes Cockpit und Lenkrad eigentlich aussehen könnten:

Zumal das erfolgreichste Elektroauto am Markt ein reduziertes Cockpit mit großem Bildschirm hat und wenigen, jedoch entscheidenden physischen Tasten. Es bietet einen riesigen Frunk und riesigen Kofferraum. Genau an diesen Punkten bleibt VW weiterhin deutlich hinter dem Tesla Model Y zurück, das übrigens allein die Verkaufszahlen der drei VW-Stromer ID.7, ID.4 und ID.3 einfährt.
Dazu auch interessant: VW startet neu durch: ID Tiguan ersetzt jetzt den ID.4, alte Plattform-Schwächen bleiben

Man sieht doch nie nur den Tacho allein. Er ist immer in die Umgebung eingebunden.
Man freut sich über die Rückkehr der Tasten, nimmt dann aber Tesla – die mir den übermäßigen ‚Touchmüll‘ erst salonfähig gemacht haben, als lobendes Beispiel. Selbst die Touchjünger von Tesla haben erkannt, dass sie nicht alle Funktionen in den Bildschirm auslagern dürfen – freiwillig sind die sicher nicht zu etablierter Handhabung zurück. Auch die ‚hochgelobten‘ Chinesen haben den Touchquatsch in den Markt gedrückt, obwohl den hier kaum einer wollte/ will. in anderen Teilen der Welt mag das anders aussehen..
Der Tesla verkauft sich nur anhand gutem Marketings und guten Leasingraten.
Ich finde es toll, sich auf seine Historie zu besinnen und optionale Designs anzubieten. Da haben die deutschen Hersteller nämlich im Gegensatz zu den stark subventionierten chinesischen Knowhow-Dieben Einiges zu bieten!
Ja, deutsche Hersteller waren in den letzten Jahren zu behäbig und haben sich auf alten Lorbeeren ausgeruht, aber jetzt in jedem Produkt nur das Haar in der Suppe zu suchen, anstatt sich auf ihre Bemühungen auf die Kunden zu zugehen, zu erfreuen, ist typisch deutsches Nörgelertum. Was n Satz, sorry dafür. Der Kern bleibt aber: Freuen wir uns, dass deutsche Hersteller sich auf ihre Tugenden. ihre Historie besinnen und unterstützen wir sie, statt immer alles schlecht zu reden.
Und ja, die Franzosen beziehen sich sogar noch stärker auf ihre Vergangenheit, was uns allen tolle Autos beschert. Schauen wir lieber, dass wir das europäische Auto fahren, dass zu uns passt, statt Bildschirmüberfrachtete staatlich finanzierte, schlecht fahrende Spione aus fernen Ländern.