Netflix: Vertikaler Feed startet und soll euch schneller zum richtigen Film bringen

Netflix Hero

Netflix übernimmt Designideen von TikTok und baut im Hintergrund seine Empfehlungstechnik auf KI-Modelle im Stil von ChatGPT um. Noch im April aktiviert der Streaminganbieter für alle Nutzer einen vertikalen Videofeed in den Mobile-Apps. Statt euch wie bisher durch horizontale Kachelreihen zu arbeiten, wischt ihr senkrecht durch kurze Clips aus Serien, Filmen und Videopodcasts. Gefällt euch ein Ausschnitt, öffnet ein Tipp den vollständigen Titel, legt ihn auf die Merkliste oder teilt ihn, so jedenfalls die Idee. Vielleicht ist hier auch nur eine neue Plattform zum Doomscrollen geboren.

Die Optik erinnert an Reels oder TikTok, der Zweck ist aber ein anderer. Netflix betont, keine Kurzvideo-Plattform bauen zu wollen, sondern euch schneller in längere Inhalte zu führen. Getestet wurde der Feed seit rund einem Jahr in mehreren Ländern. Er ist jetzt Teil eines größeren App-Redesigns, das die neue TV-Oberfläche aus dem Vorjahr aufgreift. Videopodcasts laufen nach Angaben von Netflix besonders gut auf dem Smartphone, der Feed soll als Einstieg in dieses Segment dienen.

Mehr Treffer in den Empfehlungen, weniger Suchen

Hinter den Kulissen tauscht Netflix die Technik aus, die euch Vorschläge macht. Bisher liefen viele kleine, auf einzelne Zwecke trainierte Systeme parallel, etwa eines für „Weiter schauen“ und eines für die Top-Picks-Reihe. Künftig bündelt ein großes KI-Modell diese Aufgaben. Diese Art von Modell wird mit enormen Datenmengen trainiert und lässt sich anschließend auf viele Anwendungen gleichzeitig zuschneiden, ähnlich wie die Sprachmodelle hinter ChatGPT. Für euch soll sich das darin zeigen, dass neue Inhaltstypen wie Podcasts schneller in die Empfehlungen einsortiert werden und die Vorschläge insgesamt besser zu eurem tatsächlichen Sehverhalten passen.

Als Signale nutzt Netflix nach eigenen Angaben Sehverlauf, Bewertungen, Metadaten zum Titel, Gerät, Tageszeit, Sprache und Sehdauer. Demografische Merkmale wie Alter oder Geschlecht fließen laut Unternehmen nicht ein. Ergänzend testet Netflix in einzelnen Märkten eine dialogorientierte Suche auf Basis von OpenAI-Technik. Ihr könnt dann in normaler Sprache beschreiben, wonach euch ist, etwa nach einem „kurzen, leichten Film für den Abend“.

Auch in der Produktion soll KI eine größere Rolle spielen. Co-CEO Ted Sarandos verwies im Quartalsgespräch auf bessere Werkzeuge für Filmschaffende. Im März übernahm Netflix das KI-Unternehmen InterPositive von Ben Affleck, laut Sarandos speziell für Filmproduktion entwickelt.

Wirtschaftlich hat Netflix Rückenwind, auch weil der Dienst die Preise in den vergangenen Jahren kontinuierlich angehoben hat. Ende März legte Netflix in den USA erneut drauf, nach Berechnungen von Bloomberg liegt das Standard-Abo inzwischen rund 150 Prozent über dem Preis von vor einigen Jahren. Gekündigt wird trotzdem kaum, stattdessen wechseln viele ins günstigere Werbepaket. Das zahlt sich für Netflix doppelt aus, denn die Werbeerlöse sollen 2026 von rund 1,4 Milliarden auf etwa drei Milliarden US-Dollar steigen. Im ersten Quartal meldete der Konzern einen Umsatz von 12,25 Milliarden US-Dollar, 16,2 Prozent über Vorjahr, bei einem Gewinn von 5,28 Milliarden US-Dollar und 325 Millionen zahlenden Abos zum Jahresende 2025. Mitgründer Reed Hastings verlässt im Sommer den Verwaltungsrat.

via TechCrunch

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