Neuer ARD-Report über das Laden von Elektroautos: Es ist wieder ein Trauerspiel

Elektroauto Laden Ladesaeule Hero

Immer wieder gab es in den letzten Jahren diverse TV-Berichte zu Elektroautos und nicht selten haben sich dabei ZDF, ARD und Co. etwas ungeschickt angestelt. Teilweise hatte man den Eindruck, dass die Verantwortlichen dem Elektroauto gegenüber nicht so offen eingestellt waren und vieles hatte einen negativen Touch.

Läuft das im neuesten Test anders? Erfreulich ist schon mal, dass man sich hier ein neueres Modell geliehen hat. Es ist der CLA 200 von Mercedes, der weder die maximale Reichweite bietet, noch die maximale Ladegeschwindigkeit, die Mercedes theoretisch kann. Das dürfte jedoch dem Marktdurchschnitt deutlich näher sein – bei VW ist mit rund 200 kW zB das absolute Maximum erreicht.

Schon der erste Stopp zeigt, dass man nicht zugehört hat. Zu Beginn des Videos ist Chris von CarManiac zu sehen, der explizit rät, das Elektroauto „sehr niedrig anzustecken“ und nicht über 80 Prozent zu laden. Das sind die richtigen Faustregeln für die Langstrecke, werden aber direkt ignoriert.

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Und was macht die ARD-Reporterin? Sie steckt den CLA mit gut 50 Prozent an die Ladesäule, wundert sich über die „nicht sonderlich hohe Ladeleistung“ und erwähnt außerdem die 50 Minuten Wartezeit bis 100 Prozent. Absurd, aber ich bin nicht überrascht. Das Auto wirklich mal mit 10 Prozent anzustecken und den Versuch zu machen, passierte übrigens gar nicht.

Mercedes CLA 1

Beim zweiten Stopp wird mit 48 Prozent angeschlossen. Es ging jedoch eher um die Verfügbarkeit der Ladesäulen, in diesem Fall war der Ladepark leer. Natürlich klappte der erste Versuch per App nicht. Der zweite dann schon. Damit bloß nicht der Verdacht aufkommt, es könnte etwas reibungslos laufen, ist noch ein „der Stressmoment, wenn das Kabel nicht abgeht“ zu hören. Doch es ging freilich ab, lediglich ist „FYI-Reporterin Laura“ etwas ungeduldig.

Eine berechtigte Beschwerde ist, dass viele Ladeparks nicht mal ein Dach haben und man im Zweifel kurzzeitig im Regen steht. Ich finde auch, dass es da noch ordentlich Bedarf gibt, um den Komfort für Kunden zu erhöhen. Ebenfalls ein Punkt, der mir immer wieder auffällt: Die Kartenleser für Debit und Kreditkarten sind oft außer Betrieb.

Ein weiterer Punkt, der zur Sprache kommt, ist die Blockiergebühr bei AC-Säulen. Grundsätzlich bin ich dagegen, dass diese erst bei vollem Akku anfällt. Autos wie mein Ioniq 5 sind erst nach acht Stunden voll, das ist unfair gegenüber anderen. Die Blockiergebühr in den üblichen Nachtstunden ist hingegen wirklich dumm und gehört abgeschafft. Auch die Preise sind ein Problem und werden angesprochen.

Es kommen teilweise auch die zu Wort, die quasi seid gestern elektrisch fahren und sich nicht wirklich beim Umstieg mit dem Thema beschäftigt haben. Wer dann Ad-hoc per Kreditkarte über 80 Cent je kWh zahlt, ist selbst schuld. Mit einer Ewo GO-Karte oder der App, die es kostenlos gibt, kann man fest für 62 Cent ohne Abo zahlen.

Immerhin wird 30 Sekunden vor Videoende mal erwähnt, dass man unterwegs „keinen Ladefrust“ hatte. Die grundlegenden Tipps dürfen nicht fehlen, dazu gehört vor allem die Bereitschaft, sich beim Wechsel auf ein Elektroauto mal etwas selbst zu informieren, was der vollelektrische Antrieb für meinen Alltag eigentlich bedeutet.

Dem Titel „1.200 km Roadtrip“ ist man übrigens gar nicht gerecht geworden. Es wurde nicht ernsthaft versucht, diese Strecke mit wenigen Ladestopps und möglichst effizient zu fahren. Obwohl man zu Beginn des Videos noch den Anschein machte, genau das versuchen zu wollen. Stattdessen wurden wahllos Ladestationen gesucht und angefahren.

Echt spannend ist, dass man sogar NIO am Schluss einen großen Slot gegeben hat. Der chinesische Hersteller mit seinen Wechselstationen gilt in Europa als gescheitert, baut sein Netz schon länger nicht mehr aus und verkauft quasi kaum noch Autos. Da fehlt ganz klar der Hinweis, dass diese Technologie in Europa keine Zukunft hat.

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