Schnell, unkompliziert und zum fairen Preis das Elektroauto laden? Geht in Deutschland nur in Ausnahmen, meistens sind die Ad-Hoc-Preise hoch, die Roaming-Preise absurd und man benötigt eigentlich den richtigen Tarif. Ladeanbieter wie EnBW sehen das weniger schlimm.
Stattdessen möchte man gerne die Diskussionen über Ad-Hoc-Preise ersticken. Im Gespräch mit Edison gibt der aktuelle Chef von EnBW Mobility+ zu verstehen, dass Anzeigetafeln mit aktuellen Ad-Hoc-Ladepreisen eher an das alte Tankstellenmodell erinnern würden. Findet man nicht so gut.
Stattdessen freut man sich darüber, dass man in der „neuen Lade-Welt“ sich „viele neue Produkte einfallen lassen“ kann. „Deshalb sollte man auch nicht immer nur die Ad-hoc-Ladepreise diskutieren“. Würden Ladeanbieter einen festen Preis anbieten, würde sich die „Industrie die Innovationskraft“ verwehren.
SmartDroid.de bei Google folgenKurioserweise ist mit Jet einer aus dem Öl-Business gerade dadurch bekannt: Fairer Preis (49 Cent) ohne App und ohne Abo, große Preistafel. Die meisten „innovativen“ Ladenanbieter wollen Apps und Abos vertreiben, glänzen eher selten mit Transparenz (mein Kommentar dazu).

Für mich lassen diese Aussagen wirklich tief blicken. Hier steht nicht der Kunde im Vordergrund, dass er maximal komfortabel und zu fairen Preisen laden kann, es geht einzig und allein um neue Produkte, die man den Kunden auf die Nase bindet. Das geschieht über Preisdruck. Sie machen den Ad-Hoc-Preis einfach so hoch, dass der Kunde gar nicht anders kann.
Auch der Zwang zur Kartenzahlungsfunktion an den Ladestationen ist gescheitert, denn es hätte gleich eine passende Preisregulierung auf den Weg gebracht werden müssen. Stattdessen bietet die Kartenzahlung für die Ladeanbieter die Möglichkeit, dem ein oder anderen Autofahrer den maximalen kWh-Preis aus der Tasche zu ziehen.
Das klingt hart, aber ich sehe das so. Ich selbst fahre jetzt seit vier Jahren vollelektrisch. Damals habe ich mit einer Elli-Karte und einem Grundtarif zur 3 Euro monatlich ohne nachzudenken bei EnBW angesteckt und für 49 Cent schnell laden können. Der Preis an fremden Ladestationen war klar ersichtlich und meist einheitlich. War bei den EnBW-Tarifen auch mal so, heute wirbt man mit Roaming-Preisen bis 89 Cent.
Damals gab es kaum völlig überhöhte Roaming-Preise oder solchen Quark, heute ist das komplett normal.
Man mag es kaum klauben, aber einen fairen Ladepreis für die Zahlung per Kreditkarte direkt an der Ladestation anbieten, das wäre tatsächlich mal innovativ. Aber ist natürlich zu simpel und kein cooles neues Produkt, auch Preisfallen kann man hier nicht gut einbauen.
