Viele Spiele, mit denen eine ganze Generation groß geworden ist, sind heute praktisch unerreichbar. Sie liefen im Browser, Adobe hat den Support für den Flash Player Ende 2020 beendet und die Inhalte kurz darauf blockiert, auf Android lief Flash ohnehin nur wenige Jahre. Die App Swiff macht daraus wieder eine durchsuchbare Bibliothek mit über 100.000 Spielen und Animationen.
Ein Spiel als Auslöser
Hinter Swiff steckt NaviVani, eine Softwareentwicklerin, die in Mexiko studiert. Sie wollte A Koopa’s Revenge 2 (kann man hier im Browser zocken) auf ihrem Android-Handheld spielen und fand nur Apps voller Werbung, die zudem schlecht mit Android-Frontends zusammenarbeiteten. „Damals fühlten sich Spiele eher wie Kunst an“, sagt sie im Interview mit The Bryant Review über die Flash-Ära.
Die Titel kommen aus dem Flashpoint Archive, einem Projekt, das Flash-Inhalte seit Jahren sichert. In Swiff genügt ein Klick auf Download, danach startet das Spiel mit Bildschirmtasten oder einer Gamepad-Belegung. Ein Offline-Proxy gaukelt Spielen vor, sie liefen noch auf ihrer Originalwebseite, weil manche sonst den Start verweigern.
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Der originale Flash Player läuft wieder
Technisch setzt Swiff auf Ruffle und AwayFL, zwei quelloffene Neuimplementierungen von Flash. Der Entwicklerin reichte das nicht, sie wollte den echten Player, den Adobe weder für ARM-Prozessoren noch in einer 64-Bit-Fassung je herausgebracht hat. „Alles sprach gegen Swiff, es sah unmöglich aus“, sagt sie. Seit Version 1.3.0 vom 9. August läuft der originale Adobe Flash Player trotzdem in der App, über Wine und die Übersetzungsschicht FEX. Nötig sind dafür 3 bis 4 GB zusätzlicher Speicher.
Dasselbe Update öffnet Swiff für J2ME-Spiele alter Handys und für Scratch-Projekte, HTML5-Titel liefen schon seit Juli. Dazu kommen eigene Playlists und eine Übersicht, wie viel Speicher jedes Spiel belegt. Auf Retro-Handhelds wie dem Anbernic RG Rotate soll sich das fast wie eine eigene Konsole anfühlen, genau darauf zielt NaviVani ab.
Wo Swiff an Grenzen stößt
Flash lief immer nur auf einem Prozessorkern und wird bei hohen Auflösungen und Bildraten selbst zum Flaschenhals. Die App ist außerdem nicht quelloffen, die Entwicklerin will vorerst die Kontrolle behalten. Der Vertrieb läuft über GitHub und Obtainium.
Ihr geht es dabei um mehr als Nostalgie. „Alles verdient es, für künftige Generationen dokumentiert zu werden“, sagt sie über ihre Motivation. Für alle, die ihre alten Browserspiele vermissen, ist Swiff derzeit der bequemste Weg zurück.
