Bilibili: Chinas YouTube wagt den zweiten Anlauf ins Ausland

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Bilibili ist in China ungefähr das, was YouTube im Westen ist, eine Videoplattform für lange Formate mit Schwerpunkt auf Anime, Gaming und Fankultur. Die börsennotierte Firma aus Shanghai meldete im ersten Quartal 376 Millionen monatlich aktive Nutzer, die im Schnitt fast zwei Stunden täglich in der App verbringen. Diese Reichweite soll jetzt auch außerhalb Chinas wirken.

Seit dieser Woche läuft dafür eine neu aufgelegte internationale App. Semafor hat dazu Stellenanzeigen und Werbematerial ausgewertet, das Bilibili an Creator verteilt. Community-Manager sucht das Unternehmen in Los Angeles, London, Mexiko-Stadt, São Paulo, Istanbul und Tokio, in Singapur zusätzlich einen Produktmanager für Moderation mit KI-Unterstützung, mehrsprachige Übersetzung und Meldewege. Auf Anfragen reagierte Bilibili nicht.

ByteDance trennt Douyin und TikTok in zwei Plattformen mit eigenen Videos, eigener Moderation und eigener Datenhaltung. Bilibilis neue App mischt chinesische und internationale Inhalte in einem Feed. Ein Account, der die Plattform seit Mitte August bei Creator bewirbt, kündigt an, dass US-Seite und chinesische Seite inhaltlich identisch bleiben. Semafor beschreibt ihn als offenbar neu angelegt, bestätigt hat Bilibili das nicht.

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Die Identitätsprüfung für Konten außerhalb Chinas fällt weg, bisher war dafür ein Ausweisdokument nötig. Die App läuft vorerst auf Android, iOS soll folgen, erkennbar am pinken Symbol mit Weltkugel. Ein internationales Angebot gibt es unter bilibili.tv ohnehin schon länger, die angekündigte englische Fassung der Hauptseite zielt eher auf Creator, die dort hochladen wollen.

Feedback und Fehlermeldungen sammelt Bilibili über einen Discord-Server für Creator ein, dort kursierte auch der Foliensatz, mit dem sich die Plattform Influencern als junge, kaufkräftige und gut ausgebildete Zielgruppe anpreist. Für einen Konzern dieser Größe ein ungewöhnlich niedrigschwelliger Kanal.

Der gemeinsame Feed dürfte zur Belastungsprobe werden, weil chinesische Moderationsvorgaben dann mitbestimmen, was in Europa ankommt. MrBeast postet seit Anfang 2024 auf der chinesischen Seite, bislang ohne größeres Echo. Bei ernsthaftem Reichweitenaufbau im Westen greifen aber dieselben Fragen zu Zensur und Datenschutz, die TikTok bis zur Abspaltung des US-Geschäfts beschäftigt haben.

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