Breites Bündnis kämpft für ein offenes Android

Android Passwort Sicherheit Hero

Mockup via Midjourney

Google plant, ab September 2026 eine verpflichtende Entwicklerverifizierung für alle Android-Apps einzuführen. Jede Anwendung müsste dann zentral bei Google registriert sein, bevor sie sich auf zertifizierten Android-Geräten installieren lässt. Dagegen formiert sich nun breiter Widerstand. Unter dem Banner „Keep Android Open“ haben dutzende Organisationen einen offenen Brief veröffentlicht, der auf der Website keepandroidopen.org einsehbar ist.

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Electronic Frontier Foundation (EFF), die Free Software Foundation Europe und die Software Freedom Conservancy. Auch F-Droid, das bekannteste alternative App-Repository für Android, hat sich dem Protest angeschlossen und den Brief in einem ausführlichen Blogbeitrag kommentiert.

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Die Kritik richtet sich gegen den Kern des Programms. Entwickler müssten sich bei Google registrieren, einen amtlichen Ausweis vorlegen, eine Gebühr zahlen und jede einzelne App genehmigen lassen. Das gilt unabhängig davon, ob eine App über den Play Store, über konkurrierende Stores wie den Samsung Galaxy Store oder als direkten Download angeboten wird. Über 95 Prozent aller Android-Geräte außerhalb Chinas wären betroffen.

Das Android Developer Verification Program ist ein schwerwiegender Vertrauensbruch gegenüber der freien und quelloffenen Community, die Android zu der dominanten Position verholfen hat, die es heute in der mobilen Welt einnimmt.

F-Droid (maschinell übersetzt)

Google hatte im November zwar ein Entgegenkommen angedeutet und einen sogenannten „Advanced Flow“ für erfahrene Nutzer in Aussicht gestellt. Damit sollten diese auf eigenes Risiko auch nicht verifizierte Software installieren können. Laut F-Droid gibt es dafür aber bislang weder konkrete Details noch einen Zeitplan vor dem geplanten Start im September. Feedback aus der Community sei entgegen Googles Behauptung nicht eingeholt worden.

Auch die Aussage, Sideloading bleibe erhalten, weisen die Kritiker zurück. Wenn jede App vorab von Google genehmigt werden muss, sei das faktisch das Ende der freien App-Installation. Künftige App-Store-Konkurrenten wären dauerhaft benachteiligt, weil ihre Entwickler sich zusätzlich bei Google registrieren und an dessen Nutzungsbedingungen binden müssten.

Im März soll die Registrierungskonsole für Entwickler öffnen. Die Unterzeichner des offenen Briefs raten ausdrücklich davon ab, sich dort anzumelden, und fordern Entwickler auf, sich aktiv für Softwarefreiheit einzusetzen. Google solle das Programm grundlegend überdenken und gemeinsam mit der Community nach sinnvollen Wegen suchen, die Sicherheit der Plattform zu verbessern, ohne ihre Offenheit zu opfern. Die Zeit dafür läuft allerdings ab, wie ein Countdown auf keepandroidopen.org verdeutlicht.

Die Initiative warnt zudem vor den geopolitischen Folgen der Verifizierungspflicht. Staaten würden ihre digitale Souveränität faktisch an einen privaten Konzern abtreten, der nachweislich schon auf Druck autoritärer Regime legale Apps aus seinem Ökosystem entfernt habe. Kritische Software für Unternehmen und Behörden wäre damit von den Entscheidungen eines externen, nicht rechenschaftspflichtigen Akteurs abhängig.

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