Hand aufs Herz: Wie oft ist bei euch schon mal eine Tankstelle nicht verfügbar gewesen und ihr musstet mit einem leeren Tank weiterfahren und die nächste Tankstelle suchen? Passiert eher selten, oder? Bei Elektroautos sieht das ein bisschen anders aus.
Aktuell gibt es Probleme, zum Beispiel in Deutschland mit dem Diebstahl von Kupferkabeln. Es werden immer wieder von Ladestationen Kabel abgeschnitten. Außerdem gibt es das Problem, dass die Infrastruktur noch nicht ausgeglichen gut ist.
Es gibt Städte und Orte, da gibt es einen oder vielleicht auch gar keinen Schnelllader – und „schnell“ heißt hier oft noch 50 kW. Und es gibt Orte, da gibt es alle 500 Meter einen Schnelllader, der 150, 300 oder sogar mehr kW leistet.
Die neue Ladeangst bei Elektroautos
Das aktuelle Problem der Reichweitenangst dürfte sich übertragen haben, und zwar auf die Ladeangst. Wie zuverlässig kann ich schnellladen? Wie zuverlässig erreiche ich einen Schnelllader, der funktioniert und frei ist?
In Foren lässt sich beobachten, dass sich das Problem gerade verlagert. Viele wollen gar nicht zwingend ein Auto, das 600 oder 700 Kilometer mit einem Ladevorgang auskommt. Viele wollen eigentlich, dass sie, wenn sie laden müssen, nicht lange stehen müssen und zuverlässig schnell laden können.
Ist man zum Beispiel in Deutschland auf der Autobahn unterwegs, dann funktioniert das meistens sehr gut. Meiner Erfahrung nach kann ich mit meinem IONIQ 5 fast an jede Ladestation spontan rausfahren und die maximal 250 kW ausreizen, sodass das Fahrzeug in 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen ist.
Herausforderungen der Ladeinfrastruktur
Andere Fahrzeuge, vor allem chinesische Autos, schaffen diese Ladung sogar noch schneller. Aber dann kommt es schon wieder zu dem Problem, dass die meisten Ladestationen – zumindest in Deutschland – überhaupt nicht die notwendige Leistung bieten, die diese Fahrzeuge abrufen könnten.
Selbst die aktuellen BMW-Stromer der „Neuen Klasse“ laden mit 400 kW in der Spitze. 400-kW-Ladestationen sind jedoch noch nicht so weit verbreitet. Wer sich zum Beispiel für einen Xpeng oder Zeekr entscheidet, der kann mit fast 500 kW laden. Ladestationen, die das schaffen, gibt es noch weniger.
Ich selbst würde bestätigen, dass ich eigentlich kein Fahrzeug brauche, das sonderlich weit kommt, wenn wir Langstrecke fahren. Ich brauche ein Fahrzeug, das beim Ladestopp zuverlässig in wenigen Minuten ausreichend Reichweite nachladen kann.
Was auch noch nerven kann: Google Maps zeigt dir eine Ladestation mit 300 kW an, aber tatsächlich schafft jeder einzelne Anschluss dann nur 150 kW. Und das Problem mit den Ladekarten und teilweise sehr hohen Preisen müssen wir wohl nicht schon wieder anschneiden.
Hohe Ladegeschwindigkeit derzeit oftmals noch sehr teuer
Es gibt bereits Bewegungen in die richtige Richtung, aber das braucht alles noch ein paar Jahre, um die Entwicklung auf einen Stand zu bringen, dass man das Laden mit dem Tanken vergleichen kann. Schauen wir zu BYD oder Geely, dann reden wir von Ladezeiten unterhalb von 10 Minuten, um Akkus, die über 100 kWh groß sind, von 10 auf 70 oder 97 Prozent aufzuladen.
Aber schauen wir uns die kommenden Kleinwagen an, zum Beispiel von Volkswagen, dann sehen wir da immer noch Ladezeiten von 25 Minuten im besten Fall, wenn wir schnellladen – und das bei Akkus, die unter 60 kWh klein sind. Im Winter kann der Effekt eintreten, dass die Reichweite noch einmal stark sinkt und die Ladezeit steigt.
Das heißt, ich muss mit so einem Kleinwagen dann vielleicht schon nach 250 Kilometern oder weniger rausfahren, laden und dort im schlimmsten Fall eine halbe Stunde oder länger Pause machen. Wenn ich 400 oder 500 Kilometer weit fahre, muss ich das vielleicht sogar zweimal tun oder am Ziel wieder eine Ladestation suchen.
Es ist einfach nicht schön, wenn eine Fahrtstrecke mit einem Stromer mal eben eine Stunde länger dauert, weil man vielleicht mehrmals rausfahren muss oder lange am Lader steht. Wichtig ist, dass Reichweite und Ladeleistung weiter „demokratisiert“ werden, also in günstigere und kleinere Elektroautos kommen, nicht nur bei Flaggschiffen verfügbar sind.
Ich kann also verstehen, dass sich bei den Leuten die Ladeangst die Reichweitenangst durchaus ablösen könnte. Schreibt mir gerne mal in die Kommentare, wie ihr das seht. Habt ihr eher Reichweitenangst, habt ihr Ladeangst oder was sind eure Bedenken bei einem Elektroauto?

Die Lade“angst“ wäre bei mir auch vorhanden. Und gerade in den letzten Wochen gab es einige Rückrufe wegen Brandgefahr, das macht es nicht gerade vertrauenswürdig.