Bei der Umstellung auf die Elektromobilität müssen die Autohersteller ein Tal der Tränen durchlaufen, doch genau das trauen sich einige nicht und riskieren damit ihre langfristige Zukunft.
Weil der Markt die Elektroautos nicht so schnell annehmen würde, haben viele der westlichen Autohersteller ihre großen Elektroauto-Ziele bis 2030 zurückgezogen. Einige habe nicht nur die Ziele abgesägt, sondern auch ganz klar angekündigt, wieder mehr Verbrenner und Hybride bauen zu wollen.
Statt die schwierige Zeit zu akzeptieren, hofft man einfach wie immer weitermachen zu können. Das Problem dabei ist, dass sich in dieser Zeit besonders die Konkurrenz aus China extrem weiterentwickelt und alles dafür tut, im Heimatland und auch in Europa bzw. im Westen erfolgreich zu sein.
Software-Autos, Megawatt-Laden und andere Fortschritte zuerst in China
Wir sehen das derzeit schon bei der Technologie, die die Hersteller anbieten. Marken wie BMW bieten Schnellladen mit 400 kW an, während Hersteller wie Xpeng schon bei 500 kW und mehr sind. Zugleich zünden Geely und BYD, Marktführer in China, die nächste Stufe und führen Autos mit Megawatt-Schnellladen ein.
Korrekt, das betrifft noch nicht die Massenmarkt-Fahrzeuge, aber das ändert sich in den kommenden Jahren. Die Chinesen sind uns viele Schritte voraus und zugleich intensivieren sie ihre Investitionen in den Westen, in Verkaufsstellen, eigene Ladeparks und in ein Servicenetz. Was noch harmlos wirkt, kann in den nächsten Jahren für die westlichen Hersteller brutal enden.
Verbrenner ist nicht die Zukunft, sondern das langsame Aus
Experten halten das für einen „gravierenden strategischen Fehler“, wenn westliche Automarken wegen ein paar schwieriger Jahre ihren Fokus wieder auf Verbrenner verschieben.
„Die schlimmstmögliche Reaktion wäre, nachzugeben, die Investitionen zu drosseln und darauf zu hoffen, dass sich der Markt irgendwie zu ihren Gunsten neu ausrichtet. Das wird er nicht“, sagt ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Aston Martin.
Jeder Europäer, der jetzt zunehmend zögert, ermöglich den Konkurrenten einen strukturellen Vorteil und dieser sei dann nicht mehr aufzuholen. Die Direktorin von Transport & Environment sieht es noch drastischer und hält es für eine „dumme Sichtweise“, nur die nächsten zwei bis drei Jahre für kurzfristige Gewinne zu betrachten, statt in die nächsten zehn Jahre zu schauen.
Schon der Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt den Vormarsch der ersten Marken aus China in Europa. BYD schafft bis jetzt in Europa bei den Elektroautos nun den Sprung in die Top 10 und Leapmotor ist schon vor Renault und Hyundai. Wenn die Chinesen erst mal etabliert sind und Marktanteile haben, holt man die sich nicht einfach zurück.
