Das chinesische Robotik-Start-up Xiaoyu Robotics hat erneut Kapital eingesammelt. In der jüngsten Runde flossen umgerechnet mehrere zehn Millionen Euro in das Unternehmen. Auffällig ist die enge personelle Verbindung zu Xiaomi: Das Gründerteam stammt fast vollständig aus dem Konzern, und Xiaomi-Mitgründer Li Wanqiang investiert seit den frühen Runden immer wieder in das Start-up.
Gegründet von Xiaomi-Veteranen
Hinter Xiaoyu steht Qiao Zhongliang. Er hat 13 Jahre bei Xiaomi gearbeitet und verantwortete dort die Entwicklung des inzwischen eingestellten Betriebssystems MIUI von Version 9 bis 12. Im Januar 2023 verließ er den Konzern und gründete Xiaoyu in Peking. Auch CTO Wang Wenlin und weitere Schlüsselpersonen kommen aus dem gleichen Umfeld.
Die Investorenstruktur folgt einem ähnlichen Muster. Xiaomis eigener Investmentarm war in früheren Runden beteiligt, ebenso der Fahrdienst Didi. Aktuell tragen vor allem chinesische Industriekonzerne das Start-up: der Investmentarm des Autoherstellers BAIC, der Mischkonzern Fosun und der Logistik- und Immobilienkonzern Xiamen C&D. Mehrere potenzielle Großkunden sitzen damit mit am Tisch.
Schweißen als Marktlücke
Erstes Produkt sind Schweißroboter. Die Wahl beruht auf einer schlichten Marktanalyse: In China fehlen mehr als zehn Millionen Schweißer, allein im Schutzgasschweißen sind zwei Millionen Stellen unbesetzt. Trotz verhältnismäßig hohen Monatsgehältern finden sich kaum junge Bewerber. Der Job gilt als hart und ungesund, und die Ausbildung dauert ein bis zwei Jahre.
Genau hier will Xiaoyu einspringen. Erste Geräte sind bei Pilotkunden im Einsatz, ein Großkunde aus der Schwerindustrie hat über hundert Einheiten geordert. Langfristig peilt das Start-up 100.000 ausgelieferte Roboter pro Jahr an.
Ein KI-Modell für viele Roboter
Statt für jede Roboterart eine eigene Software zu programmieren, entwickelt Xiaoyu ein einziges KI-Modell, das unterschiedliche Bauformen steuern soll. Vom einarmigen Industrieroboter über mobile Systeme bis hin zu Humanoiden. „Ein Gehirn, viele Körper“, nennt Xiaoyu das Konzept. Methodisch lehnt es sich an Teslas Fahrassistenz FSD an. Trainiert wird das Modell zunächst mit Simulationsdaten, anschließend mit Sensordaten aus den Fabriken der Kunden.
Schweißen ist nur der Anfang. Später sollen auch Roboter zum Nieten, Schleifen und Lackieren folgen. Ob die Strategie aufgeht, hängt davon ab, wie zuverlässig die Maschinen im Dauerbetrieb arbeiten.
