Renault und andere Hersteller wollen neue Fahrzeuge in chinesischer Geschwindigkeit entwickeln und auf die Straßen bringen, doch es gibt auch hier Grenzen. Renault definiert eine klare Schmerzgrenze, wie schnell ein Auto zwischen Konzept und Serienfahrzeug entwickelt werden kann.
Früher haben die Hersteller drei Jahre oder noch länger benötigt, inzwischen hat sich die Entwicklungszeit auf ca. zwei Jahre verkürzt. In Partnerschaften mit chinesischen Herstellern sind sogar 18 Monate möglich, heißt es bei den chinesischen Stromern von VW.
Renault definiert die Schmerzgrenze jedoch bei exakt zwei Jahren. Denn noch schneller würde zu Einbußen bei der Qualität führen und könnte sehr teure Rückrufaktionen zur Folge haben. Erst kürzlich berichteten wir über Kritik an der „china speed“, die Kunden in die Rolle der Testfahrer zwingt.
SmartDroid.de bei Google folgenDie modernen Plattformen in den Autos sind skalierbar auf verschiedene Modelle, außerdem modular aufgebaut. Die moderne Software-Architektur hat immer dieselbe Basis und muss nicht für jedes Auto neu entwickelt werden. Außerdem hilft KI gewaltig, um die Entwicklungszeit zu reduzieren.
Dennoch müssen Fahrzeuge erprobt werden, bei alltäglichen Dingen und auf der Straße. Das kann man nur bedingt beschleunigen. Aus Sportarten wie der Formel 1 wissen wir, dass zwar sehr viel simuliert werden kann, doch die Realität sieht oft etwas anders aus.
„Bei Renault glauben wir fest daran, dass zwei Jahre das absolute Minimum sind, um die Qualität zu sichern, insbesondere um Millionen von Kilometern unter realen Bedingungen bei Frost und Hitze zu testen, Softwarefehler zu beheben und dergleichen.“
Renault hat beim R5 Elektro rund drei Jahre benötigt, beim Twingo Elektro nur noch zwei Jahre. Bei komplett neuen Modellen auf einer frischen Plattform kalkuliert Renault mit etwa 2,5 Jahren Entwicklungsdauer.
VW hat beim ID Polo rund drei Jahre benötigt, um das damalige ID 2all-Konzept als finalen ID Polo auf die Straße zu bringen. Der kommende ID Every1 wurde 2023 angekündigt und startet ab 2027. Da ist also bei kommenden Modellen noch reichlich Luft nach oben. Bei Audi und Porsche waren Projekte sogar um Jahre verschoben. SSP, die neue Plattform des Konzerns, startet Jahre später.
Spannend ist, dass man bei Renault die zuletzt schnellsten Projekte mit chinesischer Hilfe realisiert hat. Renault Twingo Elektro und Dacia Spring wurden durch chinesische Ingenieure im Entwicklungszentrum Ampere in Shanghai im Rekordtempo realisiert.
In China selbst gibt es nun verstärkt Kontrollen durch die Behörden, weil das enorme Tempo für reichlich Bedenken sorgt, ob Sicherheit und Qualität dabei tatsächlich gehalten werden können. Also ist den Chinesen ihr eigenes Tempo schon zu schnell. (via Autonews)
