Nothing bringt dieses Jahr kein neues günstiges Smartphone seiner Marke CMF. Mitgründer Akis Evangelidis hat auf X bestätigt, dass der geplante Nachfolger des CMF Phone 2 Pro nicht erscheint. Das aktuelle Gerät kostete zum Start vor gut einem Jahr 249 Euro.
Als Grund nennt er die stark gestiegenen Preise für Arbeitsspeicher (RAM). „Bei den aktuellen Speicherpreisen können wir kein Telefon bauen, das sich wie ein echter Fortschritt anfühlt, zu einem Preis, der für CMF Sinn ergibt“, schreibt er.
Die Speicherkrise trifft die Budget-Klasse zuerst
Hinter der Absage steht ein Trend, der die gesamte Branche betrifft. Der Ausbau von KI-Rechenzentren bindet enorme Mengen an Speicherchips, weil Anbieter wie Nvidia einen Großteil der Produktion abnehmen. Das Marktforschungsunternehmen TrendForce beziffert den Anstieg der Vertragspreise für das zweite Quartal 2026 auf 63 Prozent bei DRAM und 75 Prozent bei NAND-Flash. Counterpoint rechnet damit, dass sich die Lage bis Ende 2027 hinziehen könnte.
SmartDroid.de bei Google folgenGünstige Telefone, die ohnehin mit knappen Margen kalkuliert werden, trifft das zuerst. Genau in diesem Segment war CMF positioniert.
Andere kürzen leise, manche heben die Preise
Wie Hersteller darauf reagieren, ist unterschiedlich. TrendForce erwartet, dass viele Anbieter bei günstigen Android-Geräten eher still wieder weniger Speicher verbauen, etwa zurück zu 4 GB RAM, statt die Preise sichtbar anzuheben.
Andere kommunizieren offener: Xiaomi, Oppo, Vivo und Honor haben Preiserhöhungen angekündigt, bislang vor allem in China und den USA. In Deutschland sind die Aufschläge noch nicht flächendeckend angekommen.
Daran könnten sich andere ein Beispiel nehmen
Vor diesem Hintergrund fällt auf, wie Nothing mit der Lage umgeht. Statt ein schwächeres Gerät zum gleichen Preis anzubieten oder das Datenblatt stillschweigend zu kürzen, sagt das Unternehmen die Neuauflage ab und benennt den Grund. „Wir sagen das lieber klar, als etwas auszuliefern, auf das wir nicht stolz sind“, schreibt Evangelidis.
Das Vorgängermodell CMF Phone 2 Pro war von Tech-YouTuber MKBHD als Budget-Handy des Jahres ausgezeichnet worden, und laut Counterpoint zählte Nothing (also die Firma über CMF) zuletzt zu den wachsenden Marken. Die Absage erfolgt also nicht aus einer Schwäche heraus, was die offene Kommunikation umso bemerkenswerter macht. Ich habe mir das Teil auch letztes Jahr direkt zugelegt und bin vor allem für den Preis mehr als zufrieden.
Nothing setzt weiter auf seine Community
Dieser Stil passt zu einem Ansatz, den Nothing schon länger pflegt. Das Unternehmen bindet seine Nutzerschaft regelmäßig ein, etwa mit den von der Community mitgestalteten Community-Edition-Modellen. Aktuell läuft zudem ein neu aufgelegtes Community Review Program, über das ausgewählte Teilnehmer kommende Produkte vor dem Verkaufsstart erhalten und testen, Content-Creator können in ein Creator-Programm aufrücken.
Ganz uneigennützig ist das nicht. Wer mitmacht, unterschreibt ein NDA, hält Embargo-Termine ein und liefert frühe Eindrücke sowie eine Review nach dem Launch. Das Testgerät darf man behalten, Versandkosten fallen auch nicht an. Für Nothing ist das also ebenso ein Marketinginstrument wie ein Community-Angebot. Bewerbungen sind noch bis zum 24. Juni 2026 möglich.
Was trotzdem kommt
Ganz verabschiedet sich CMF nicht. Evangelidis kündigt weitere Produkte und sogar neue Gerätekategorien an. Auch neue Nothing-Smartphones sind geplant, allerdings ohne CMF-Label und damit vermutlich zu höheren Preisen. Ob die günstige Klasse zurückkehrt, hängt davon ab, wie sich die Speicherpreise entwickeln. Solange die KI-Nachfrage den Markt bestimmt, bleibt diese Frage offen.
