Nutzer von Lovoo soll man auf wenige Meter genau orten können, sogar Bewegungsprofile lassen sich mit etwas technischem Verständnis erstellen. Das geht aus Recherchen des BR vor, wie die Tagesschau berichtet. Im Fokus steht dabei die Radarfunktion der beliebten Dating-App, über welche man den groben Standort anderer Nutzer in näherer Umgebung sehen kann. Offensichtlich ausreichend […]

Nutzer von Lovoo soll man auf wenige Meter genau orten können, sogar Bewegungsprofile lassen sich mit etwas technischem Verständnis erstellen. Das geht aus Recherchen des BR vor, wie die Tagesschau berichtet. Im Fokus steht dabei die Radarfunktion der beliebten Dating-App, über welche man den groben Standort anderer Nutzer in näherer Umgebung sehen kann. Offensichtlich ausreichend für eine gezielte Spionage.

Möglich macht das die Radarfunktion von Lovoo: Mit dieser sehen Nutzer der App, wer sich in der näheren Umgebung befindet, die Distanz wird in 100-Meter-Schritten angegeben. Durch ein einfaches geometrisches Messverfahren lässt sich der Standort eines Nutzers allerdings wesentlich genauer bestimmen: Die Entfernung zum Nutzer wird von drei unterschiedlichen Punkten aus abgefragt. Mit diesen Informationen kann der Standort näherungsweise berechnet werden.

Schnittstelle verrät zu viele Daten

Die Reporter von BR Data hatten einen Hinweis bekommen, dass es möglich sei, über eine technische Schnittstelle (API) von Lovoo diese Informationen gezielt und in großer Anzahl abzurufen. In einem Test haben sie ein virtuelles Netz über der Stadt München aufgespannt.

Über den Zeitraum von fünf Tagen sammelten sie über ein dafür angelegtes Profil Daten von neun unterschiedlichen Standorten aus. Alle 15 Minuten bekamen die Reporter so Informationen über Nutzer, die sich in diesem Bereich bewegten – darunter Alter, Geschlecht, Profilbild und den Standort, an dem die App das letzte Mal geöffnet wurde.

Verfolgung möglich

Aufgrund der Standortdaten sei eine Verfolgung möglich und das natürlich auch mit einem bösartigen Hintergrund. Immerhin weiß man durch den abgefragten Standort nicht nur die groben Bewegungsprofile der Leute, sondern ggf. ihre Namen, ihr Aussehen und die sexuelle Orientierung. In anderen Ländern soll es auf dieser Basis schon homophobe Verfolgungen gegeben haben.

Kritik durch den CCC

„In dem Moment, in dem ich als Nutzer meine Standortdaten mit wildfremden Menschen teile, gibt es natürlich immer eine Gefahr. Auch wenn diese Daten ungenauer hinterlegt werden, wäre immer noch zu erkennen, in welcher Stadt und in welchem Stadtteil ich mich befinde und wo ich mich regelmäßig bewege.“ (Neumann, CCC)

Einfache Maßnahmen könnten helfen

Neumann hat den Test der BR-Reporter nachvollzogen und kommt zu dem Ergebnis, dass Lovoo nachlässig gehandelt hat. Er verweist auf technische Mittel, die das Unternehmen nutzen sollte. Zum Beispiel könne man einschränken, wie viele Abfragen ein Profil schicken darf. Damit könnte man verhindern, dass ein Profil binnen Sekunden von drei unterschiedlichen Orten aus abfragt. Auch wäre es möglich, die Anzahl der Dating-Partner einzugrenzen, die einem angezeigt werden. „Das Missbrauchspotenzial ist hier auf jeden Fall immer da, sollte vom Hersteller aber noch sehr viel stärker eingeschränkt werden“, sagt Neumann.

Lovoo verteidigt sich. Man ließe ausschließlich ungenaue Standortdaten zu, um die Verfolgung der Nutzer gar nicht erst möglich zu machen. Nun lässt sich über diesen Punkt offensichtlich streiten. BR-Reporter konnten Nutzer nach eigenen Angaben bis auf 30 Meter genau orten. Tatsächlich sollen konkurrierende Apps, da fällt uns direkt Tinder ein, die Standortdaten der Nutzer wesentlich ungenauer zeigen sollen. Seid jedenfalls auf der Hut und denkt über die Standortfreigabe lieber mehrmals nach.

Denny Fischer

Gründer Smartdroid.de, bloggt seit 2008 täglich über Smartphones, Android und ähnliche Themen.

Hinterlassen Sie bitte einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.