OnePlus-Mitgründer Carl Pei hat acht Jahre lang in China miterlebt, wie dort aus Herstellern und Zulieferern eine eigene Smartphone-Industrie wuchs. Dasselbe traut der Nothing-Chef jetzt Indien zu und gibt dafür seine günstige Marke CMF aus der Hand. In einem langen Beitrag auf X kündigt Pei an, CMF (das steht übrigens für „Color, Material, Finish“) als eigenständiges Unternehmen mit Sitz in Indien auszugliedern.
Optiemus übernimmt 51,1 Prozent
Das neue Unternehmen soll mehrheitlich indischen Gesellschaftern gehören, Team und Entwicklung ziehen ebenfalls nach Indien. Nothing bleibt als Minderheitsgesellschafter und Partner beteiligt. Den Mehrheitsanteil übernimmt der Auftragsfertiger Optiemus Infracom, der laut Börsenmitteilung zunächst 51,1 Prozent am geplanten Gemeinschaftsunternehmen hält. Die endgültigen Verträge stehen noch aus.
Optiemus baut bereits seit einem Joint Venture aus dem September 2025 Geräte von Nothing und CMF in Indien. Beide Firmen wollen dort nun die erste vollständige Smartphone-Entwicklung des Landes aufbauen, von Design über Kamera bis Software.
SmartDroid.de bei Google folgenPei will mehr als Fertigung
Pei begründet den Schritt mit der Geschichte des indischen Markts. Indische Marken verkauften 2015 noch fast die Hälfte aller Smartphones im Land, 2025 kamen sie auf weniger als ein Prozent. Laut Pei verkauften sie lizenzierte Designs mit eigenem Logo, statt selbst zu entwickeln. Er stellt deshalb fünf Fragen, etwa wer Materialien und Kühlung konstruiert, die Kamera abstimmt oder das Betriebssystem pflegt.
„Wenn die ehrliche Antwort auf die meisten dieser Fragen ‚unser Fertigungspartner‘ lautet, sucht sich die Marke ein Smartphone aus, statt eines zu entwickeln.“
CMF nimmt deshalb Nothing OS, das Industriedesign und die direkten Kontakte zu Zulieferern mit. Langfristig peilt Pei 100 Millionen Smartphones pro Jahr an.
Nothing punktet mit der Software
Nothing hat sich in wenigen Jahren als junge Marke für alle etabliert, die weder zu Google noch zu Samsung greifen wollen. Mein Eindruck ist, dass Nothing damit auch viele Umsteiger vom iPhone anspricht. Den meisten Zuspruch bekommt Nothing für die Software, auch Nothing OS 5.0 kommt in ersten Tests gut an. Beim Release-Takt geht Nothing eigene Wege und verzichtet 2026 bewusst auf ein neues Flaggschiff, statt jedes Jahr ein Modell nachzuschieben.
Das CMF Phone 2 Pro ist insgesamt ein gutes Paket, bei mir ruckelt es an manchen Stellen aber zu stark, vor allem direkt nach dem Booten. Einen Nachfolger gibt es vorerst nicht, Nothing hat das CMF Phone 3 Pro wegen der hohen Speicherpreise gestrichen. Neue CMF-Smartphones dürften frühestens 2027 erscheinen.
Pei betont, dass CMF weiterhin außerhalb Indiens verkauft. Das CMF Phone 2 Pro soll Nothing OS 5.0 laut Zeitplan Mitte Januar erhalten. Wer danach die Updates liefert, lässt Pei offen.
