YouTube: Clips-Aus verschiebt die Kontrolle über virale Momente von Zuschauern zu Creatorn

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YouTube stellt seine Clips-Funktion ein und ersetzt sie in der Mobil-App durch eine direkte Option zum Teilen ab einem bestimmten Zeitpunkt. Das bestätigt der Konzern mehreren Medien gegenüber, darunter The Verge.

Mit Clips konntet ihr seit 2021 einen kurzen Abschnitt eines Videos markieren, ihm einen eigenen Titel geben und als separate Einheit weitergeben. Neue Clips lassen sich ab sofort nicht mehr anlegen. Bereits vorhandene bleiben laut YouTube weiterhin abrufbar. An die Stelle tritt eine in der App verankerte Option, über die ihr ein Video ab einer bestimmten Sekunde teilen könnt. Auf dem Desktop und teils auf Android war das schon länger möglich („Video-URL an dieser Stelle kopieren“), in der Mobil-App lief es bislang uneinheitlich. Die Schaltfläche sitzt nun im Share-Dialog oben rechts. Ein Endzeitpunkt oder eine eigene Beschreibung wie bei Clips sind damit nicht mehr vorgesehen.

Sauberere Zuordnung statt eigenständiger Clip-Objekte

Der Wechsel entlastet YouTube vermutlich auch juristisch, so copyrightmäßig. Clips waren bissi heikel, weil Zuschauer fremde Inhalte mit eigenem Titel und eigener URL als pseudo-eigenständige Objekte weitergeben konnten. Ein Timestamp-Link verweist dagegen eindeutig auf das Originalvideo eines Kanals, was die Zuordnung für Content ID und Moderation vereinfacht.

Gleichzeitig verschiebt sich damit die Kontrolle über Ausschnitte. Clips war ein Zuschauer-Werkzeug, mit dem sich Highlights unabhängig vom Kanalbetreiber kuratieren ließen. Die neuen Funktionen sind Creator-Werkzeuge im Studio. Virale Momente entstehen künftig seltener zufällig durch die Community, sondern gezielter durch Kanäle selbst.

Shorts-Pipeline wird institutionalisiert

Für Creator plant YouTube offenbar eigene Werkzeuge im YouTube Studio. Ausschnitte aus längeren Videos und archivierten Livestreams lassen sich dort bereits heute neu veröffentlichen. Im Laufe von 2026 soll die Funktion zusätzlich für Shorts erscheinen, zudem sind automatische Vorschläge für besonders geeignete Stellen im Video geplant. Damit wird das Recyceln langer Videos zu Kurzformaten fest in die Plattform eingebaut, ein Schritt, der für die Monetarisierung deutlich relevanter ist als Zuschauer-Clips es je waren.

Laut YouTube überschneide sich die bisherige Clips-Funktion in weiten Teilen mit dem, was die Plattform ohnehin biete. Der Konzern verweist zudem auf Drittanbieter-Tools, die in bestimmten Workflows mehr leisten könnten. Gaming-Streamer und Kanäle, die bislang stark auf Zuschauer-Ausschnitte gesetzt haben, dürften sich daher stärker auf externe Dienste und die kommenden Studio-Funktionen stützen.

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