Google den Rücken zu kehren klingt leichter, als es am Ende ist. Wer seit Jahren Gmail, Drive und Kontakte bei Google liegen hat, scheut oft weniger das neue Handy als die Frage, wie diese Daten unbeschadet woanders hinkommen.
Murena hat jetzt /e/OS 4.0 veröffentlicht, die neue Version seines google-freien Android-Systems, über das ich hier im Blog schon ein paar Mal berichtet habe. Im Zentrum steht ein überarbeiteter Migrationsassistent, der Gmail, Kontakte, Kalender und Drive-Dateien in einem Rutsch zu Murena holt. Der Anbieter um Linux-Urgestein Gaël Duval baut Android seit 2018 ohne Google-Dienste um, Grundlage sind LineageOS und AOSP.
Gmail-Umzug per Assistent
Den Umzug bewirbt Murena als Vorgang „mit einem Klick“. Neben den Nachrichten wandern Kontakte, Kalender und Drive-Dateien mit. Eine Weiterleitung auf die neue Murena-Adresse richtet der Assistent ebenfalls ein und informiert eure Kontakte automatisch über die Änderung.
SmartDroid.de bei Google folgenDen größeren Unterschied macht eine zweite Funktion. Der Assistent durchsucht euer Postfach nach Diensten, die am alten Google-Konto hängen, etwa Banken, Shops oder Abos, und führt euch durch das Umstellen. Das ist oft der Teil, an dem ein Wechsel sonst hängen bleibt.
Neue Werkzeuge im Workspace
Parallel wächst der Murena Workspace. Mit Murena Sign kommt eine elektronische Signatur für PDF-, Word- und ODT-Dateien. Sie erfüllt laut Anbieter die EU-Verordnung eIDAS, die festlegt, wann eine digitale Unterschrift rechtlich bindend ist. Einfache Signaturen sind kostenlos, fortgeschrittene Varianten stecken im Premium-Tarif.
Dazu kommt Murena Meet für Videokonferenzen mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, inklusive Terminplanung, Bildschirmfreigabe und Kalender-Anbindung. Ein cloudbasiertes Backup für Apps, Einstellungen und Medien soll Googles Sicherung ersetzen, folgt aber erst mit /e/OS 4.1.
Neue Hardware und offene Fragen
Zusammen mit dem System verkauft Murena zwei in Deutschland gefertigte Smartphones, die in Kooperation mit Gigaset entstehen. GS6 und GS6 Pro setzen auf einen Dimensity-7300-Chip, ein 6,67-Zoll-OLED mit 120 Hz, 8 GB RAM, einen wechselbaren 5.300-mAh-Akku, eSIM und IP68. Das GS6 startet zum Einführungspreis bei 339 Euro, das GS6 Pro bei 449 Euro. Ausgeliefert wird laut Shop in zwei bis drei Tagen.

Wie schon beim Murena One bleibt die Grundfrage, wie gut der Alltag ohne Google funktioniert. Banking-Apps mit Geräteprüfung oder Dienste, die auf Googles Push-Infrastruktur setzen, können weiter Probleme machen. Mit GrapheneOS gibt es zudem eine zweite große Google-freie Alternative, deren Team Murena zuletzt bei der Sicherheit kritisiert hat.

Tja, solche Ansätze bringen rein gar nichts, wenn die Hersteller die Bootloader nicht mehr öffnen wollen. Gibt immer weniger von ihnen und damit sterben auch solche Projekte langfristig den sicheren Tod – ausser die EU macht mal was dagegen.