Winamp hatte seinen großen Moment vor rund 25 Jahren und funktioniert seitdem vor allem als Nostalgie-Auslöser. Ein Comeback für 2019 wurde groß angekündigt und versandete, dazwischen lagen Experimente mit NFTs und ein Umbau zur Plattform für Musikschaffende, und der 2024 freigegebene Quellcode verschwand nach Lizenzärger kurz darauf wieder von GitHub. Jetzt folgt der nächste Anlauf, diesmal mit fremder Hilfe: Winamp und Deezer haben am 29. Juli eine Partnerschaft angekündigt, aus der ein eigenes Musik-Abo unter der Marke Winamp entstehen soll.
Winamp verkauft Deezers Technik unter eigenem Namen
Deezer stellt laut eigener Mitteilung seine White-Label-Streaming-Technik und den weltweiten Musikkatalog bereit. Winamp verkauft das Ergebnis als eigenes Premium-Abo, ohne selbst mit der Musikindustrie über Lizenzen verhandeln zu müssen. Sichtbar bleibt nach außen nur die Marke Winamp.
Für Deezer ist so ein Deal Alltagsgeschäft, ähnliche Verträge laufen unter anderem mit Sonos, Orange und dem Musikbereich von RTL+. Der Dienst gewinnt so Abonnenten, ohne selbst um sie werben zu müssen.
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Der neue Winamp Player soll im ersten Halbjahr 2027 erscheinen und den Deezer-Katalog nicht isoliert anbieten. Geplant ist eine App, die Streaming mit lokalen Musikbibliotheken, Internetradio, Podcasts und Cloud-Sammlungen zusammenführt.
Dazu verspricht Winamp eine stark anpassbare Oberfläche und soziale Funktionen. Also Skins, im Geiste jener Zeit, in der Fans den Player sogar im Browser nachgebaut haben. Eine Winamp-App für Android gibt es ohnehin seit Jahren. Ob der neue Player dort ansetzt, sagt die Mitteilung nicht.
Preis, Klangqualität und Plattformen fehlen komplett
Was das Abo kostet, in welcher Qualität es streamt, wie groß der Katalog ausfällt und welche Systeme unterstützt werden, steht nirgends. Details sollen in den kommenden Monaten folgen. Deezer selbst verlangt derzeit zwischen 11,99 und 19,99 Euro im Monat.
Der klassische Desktop-Player bekommt das Abo erst nach dem Start der neuen Plattform. Seine Nutzerzahl beziffert Winamp weiterhin auf mehr als 40 Millionen weltweit.
Winamp-Chef Alexandre Saboundjian sagt, „die Zeit ist gekommen, das Hörerlebnis erneut herauszufordern“. Großer Anspruch für ein Produkt, dessen Kernfunktion ein anderes Unternehmen liefert. Der Reiz liegt woanders, nämlich in der Bündelung, die Spotify und Apple bewusst nicht anbieten.
Nur bedienen unter Android längst Apps wie Poweramp (das mit ziemlicher Sicherheit an das kultige Vorbild angelehnt ist) genau dieses Publikum, ohne monatliche Gebühr. Winamp muss also erklären, warum seine Variante ein Abo wert ist.
