Es wird gerne über die deutsche Infrastruktur gemeckert, aber bei Ladesäulen für Elektroautos stehen wir eigentlich ganz gut da. Zum Jahreswechsel waren es über 200.830 öffentliche Ladestationen. Deutlich mehr, als eigentlich benötigt wird.
Die angebotenen Ladesäulen sind meistens ungenutzt, stehen rum und sich die Füße krumm. Man hat sie für viel Geld hingestellt, nun bringen sie kaum Geld wieder ein. Ein großes Problem ist, dass besonders AC-Ladestationen sehr stark überwiegen, aber für moderne Elektroautos kaum noch sinnvoll sind.
Die meisten Elektroautos laden mit nur 11 kW an der AC-Ladestation, dabei ist ein Mittelklasse-Fahrzeug mit 80 kWh Akku nach rund vier Stunden gerade mal zu 50 Prozent geladen. Dumm nur, dass die meisten Tarife gar nicht so lange laden lassen und schon nach zwei oder drei Stunden eine Blockiergebühr greift.
75 Prozent aller Ladestation in Deutschland sind mit AC-Standard bis 22 kW
Es macht auch gar keinen Sinn noch per AC zu laden, denn oft sind die Tarife hier schlichtweg zu teuer. Wenn ich mit einer Ladekarte ohne Tarif 62 Cent je kWh zahle, dann stelle ich mich für das Geld lieber an den DC-Lader und habe das Fahrzeug in 10 bis 20 Minuten wieder mit sehr viel Strom gefüllt.
Eine andere Zahl zeigt deutlich, dass Deutschland gut aufgestellt ist, was die öffentlichen Ladepunkte angeht. Denn die durchschnittliche gleichzeitige Belegung der vorhandenen Ladestationen lag 2025 bei lediglich 12 Prozent. Der Ausbau der Ladestationen hat den Bedarf also deutlich überholt, berichtet „Automobilwoche“ mit einem Zitat aus einer neuen Studie.
Mein größtes Problem im Alltag ist auch echt nicht das Angebot an Ladestationen, sondern der Tarifdschungel und die damit einhergehend hohen Ladepreise, worüber wir erst vor ein paar Tagen wieder berichteten. Ich kann die Ladestation nicht mit dem Hausstrom vergleichen, aber die doppelten Kosten je kWh sind schon hart und dann ist das noch lange nicht das obere Ende.
Ladeparks müssen auch klug positioniert sein
Ich sehe bei uns an den meisten Ladeparks, die wir rund um den Stadtkern haben, eher selten überhaupt mal andere Elektroautos laden. Dass mal eine Allego-Station mit zehn Ladepunkten vor dem größten Einkaufszentrum der Stadt gut ausgelastet war, habe ich zuletzt zwei Tage vor Weihnachten erlebt.
Ich checke aber, wenn es in anderen Städten anders aussieht und die Infrastruktur vielleicht schlecht geplant ist, Ladesäulen also ungünstig gelegen sind. Wir haben zum Beispiel zwei Aral-Ladeparks nur fünf Minuten außerhalb der Innenstadt. Aber weil an den jeweiligen Standorten nichts außer der Tankstellen ist, würde ich im normalen Alltag dort auch nie hinfahren.
Wir sehen, dass die Ladestationen deutlich ausgelasteter sein könnten. Dafür braucht es straffe E-Auto-Ziele in Europa und keine Lockerungen, ein besseres Autoangebot der OEMs und ein hartes Durchgreifen bei den Tarifen/Preisen.
