Ein anatomisch korrektes Känguru sähe als Emoji aus wie ein Bodybuilder, der Streit sucht. Googles Designteam nutzt dieses Beispiel, um zu erklären, warum die Noto-3D-Emojis bewusst nicht fotorealistisch sind.
Im Design-Blog beschreibt das Team ausführlich, wie das Set entstanden ist. Nach dem Start mit der Pixel 11-Serie verteilt Google die Emojis jetzt auch an Geräte anderer Hersteller.
Drei Details pro Emoji
Google hatte Noto 3D im Mai zusammen mit Android 17 angekündigt und die Grundidee im Juli genauer vorgestellt. Den letzten großen Stilwechsel gab es mit Android 12. Googles Designer haben nach eigenen Angaben alle 3.977 Zeichen von Hand gezeichnet und modelliert.
SmartDroid.de bei Google folgenEine interne Studie von UX-Engineer Alexander Robertson zeigt laut Google, dass Details wie Iris im Auge oder Nasenlöcher das Erkennen von Gefühlen verlangsamen. Zusätzliche Gegenstände und Texturen erschweren das Verständnis ebenfalls, weil sie bei 18 x 18 Pixeln in einer Chatblase nur noch wie Bildrauschen wirken. Das Team hat deshalb festgelegt, dass jedes Emoji höchstens drei wesentliche Details bekommt. Der Vulkan besteht zum Beispiel nur noch aus Bergform und Lavastrom.
Eine 2D-Zeichnung zeigt ein Emoji nur aus einem Blickwinkel. Für die 3D-Modelle musste Googles Team auch die unsichtbaren Seiten gestalten und klären, wie etwa die Rückseite eines Smileys aussieht.

Google zeigt Tiere jetzt häufiger mit vollständigem Körper statt nur als Kopf, etwa den Waschbären. Laut der Studie fühlen sich Menschen besser in ein Tier ein, wenn sie Haltung und Pfoten sehen.


Beim Modellieren entdeckte das Team außerdem alte Zeichenfehler. Der Pudel hatte in der 2D-Version nur drei Beine, weil das vierte hinter den Vorderbeinen verborgen war. In Noto 3D steht er jetzt auf vier Beinen.


KI prüft den Kontrast im Dark Mode
Emojis mit dunklen Hauttönen verschwinden im Dark Mode oft vor dunklen Chatblasen. Google hat deshalb ein KI-gestütztes Werkzeug gebaut, das die Kanten aller Zeichen gegen gängige Hintergründe prüft und zu schwachen Kontrast markiert. Designer haben die markierten Emojis anschließend von Hand korrigiert und feine Lichtkanten ergänzt, damit dunkleren Hauttöne nicht ausbleichen.

Google zeigt zusammen mit Noto 3D außerdem erste Emojis aus Emoji 18.0, das Unicode am 15. September freigegeben hat. Wie schon bei Emoji 17.0 legt Google seine Entwürfe direkt zur Freigabe vor. Dazu gehören ein zerbrechendes Gesicht, ein Leuchtturm und ein Meteor, der sich jetzt klar vom Kometen unterscheidet.



Diese Hersteller bekommen Noto 3D
Google verteilt Noto 3D über die eigenen Apps und Android. Die Emojis kommen außerdem auf ausgewählte Geräte von Nothing, Lenovo, Xiaomi, Oppo, OnePlus, Realme, Vivo, iQOO, Honor, Tecno, Infinix, Itel und Motorola. Bei früheren Emoji-Updates mussten Besitzer anderer Android-Geräte teils deutlich länger warten als Pixel-Nutzer. Google stellt die komplette Bibliothek außerdem als Open Source auf GitHub bereit – sowas begrüße ich immer sehr.
Optisch erinnern mich die neuen Emojis an Microsofts 3D-Fluent-Set mit seinen glänzenden Farbverläufen, die nach der Vorstellung 2021 aber noch einige Jahre zur Implementierung in vielen Programmen gebraucht haben. Die Experten von Emojipedia halten Microsofts Umstellung ebenfalls für den nächsten vergleichbaren Fall und leitet daraus ab, dass sich 3D-Emojis nur langsam durchsetzen. Google verteilt Noto 3D dagegen gleich zum Start über zahlreiche Hersteller.

Dieses hyperaktive 3D nervt mich jetzt schon bei whatsapp